https://www.faz.net/-gy9-9090b

Showroom auf Sylt : Porsche schenkt Zeit

Wäre es ein Porsche-Autohaus, stünde der Name in Rot an der Wand. Bild: Porsche

Autohäuser verwaisen zunehmend, weil der Kunde sich bestens im Netz informieren kann. Porsche setzt mit einem neuen Showroom auf Sylt dagegen. Hier kann man die Edelmarke von einer neuen Seite erleben.

          Sylt: Man mag die Insel am Nordende der Republik als Spielplatz der Reichen und Schönen brandmarken, ihrem Liebreiz tut das einfach keinen Abbruch. Einen unendlich – rund 38 Kilometer – langen Strand mit reichlich Wellengang gibt es in Deutschland sonst nirgendwo. Wer Ende Juli nach Sylt fährt, mit dem Zug über den 1927 vollendeten Hindenburgdamm, merkt gleich, es ist Hochsaison, doch übervoll ist es nirgends. Im Gegenteil. Hörnum an der Südspitze ist auch an einem Freitagabend bei bestem Wetter eher verschlafen. Wer mehr Trubel haben will, geht in die „Sansibar“ oder ein paar Meter weiter ins „Samoa-Seepferdchen“, Restaurants, eingebettet in den Dünen. Abends sind auch hier die Strände so gut wie leer. Auf Sylt lässt es sich gut leben.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Was hat das alles mit Porsche zu tun? Nun, Porsche hat jetzt einen der schönsten Orte Deutschlands dazu erkoren, ein neues Markenerlebnis zu schaffen. Jeder, der mit dem Zug in Westerland ankommt, fährt am neuen Showroom „Porsche auf Sylt“ vorbei. Zwar fehlt auf dieser Seite – es ist die Rückseite des Gebäudes – noch der entsprechende Hinweis, doch das soll sich bald ändern, verspricht Jens Puttfarcken, Chef der Porsche Deutschland GmbH und damit oberster Dienstherr der 87 Porsche-Zentren im Land (inklusive acht Niederlassungen).

          Porsche auf Sylt ist alles Mögliche, nur kein Porsche-Zentrum. „Sie können hier keine Autos kaufen“, sagt Puttfarcken. Es gehe vielmehr um das Erleben der Marke. Die Händler seien von Beginn an in das Konzept eingebunden gewesen und stünden hinter dem neuen Konzept, das vor vier Jahren nach einem internen Ideenwettbewerb entstanden ist. Sylt als Standort war schnell gefunden, wenn auch ein erster Bauplatz den Porsche-Planern vor der Nase weggeschnappt wurde. Doch der jetzige Standort sei ebenso gut, sagt Puttfarcken.

          Das Gebäude wirkt wie eine Kunsthalle

          „Gastgeber“ auf Sylt ist aber Mirko Riekers. Er kommt aus der Handelsorganisation des Sportwagenherstellers und genießt jetzt den Luxus, ganz ohne Verkaufsdruck Kunden und Interessenten in die Porsche-Welt zu entführen.

          Das Gebäude selbst fügt sich in die Landschaft ein, es wirkt eher wie eine Kunsthalle, und auf den doch beinahe bescheidenen 500 Quadratmetern auf zwei Ebenen findet sich nur ein Auto: Zurzeit ist es ein 911 Carrera von 1972. Der steht plakativ im Schaufenster zur Straße hin.

          Bereit zum Wohlfühlen? Blick in die erste Etage. Hinter der Treppe findet sich die Kaffe-Bar. Dort gibt es auch eine Terrasse mit Aufgang aus dem Garten.

          Im April war die Eröffnung, und bisher erfüllen sich alle Erwartungen, die in das Konzept gesetzt wurden. Zwei Drittel der Besucher hatten vorher noch nie Kontakt zu Porsche. „Und die Leute bringen das mit, was sie sonst nicht haben: Zeit“, fasst Riekers zusammen. In aller Ruhe können Sie sich mit den Auslagen beschäftigen, den Produkten von Porsche Design, oder der kleinen Sonderausstellung über Designklassiker der siebziger Jahre – vom Bic-Feuerzeug bis zu Waldi, dem Olympia-Hund.

          Eingerichtet ist „Porsche auf Sylt“ in ruhigen Brauntönen, der Stil des Mobiliars ist völlig anderes als in den Porsche-Zentren. Wer will, setzt sich hin, liest Zeitung oder blättert in einem Magazin und bekommt auch noch einen Kaffee aufs Haus. Gezwungen oder gedrängt wird niemand zu etwas. Dennoch haben Riekers und sein kleines Team, das jetzt auf fünf Personen aufgestockt wurde, schon so nebenbei 40.000 Euro Umsatz mit Porsche-Accessoires gemacht. Nur Riekers kommt aus der Autobranche, die anderen Mitarbeiter wurden mit Bedacht aus der Hotellerie abgeworben. Ganz ohne Auto geht es aber dann noch nicht. Im ersten Stock kann nach Lust und Laune konfiguriert werden, und immerhin elf echte Verkäufe wurden schon auf Sylt angebahnt. Die werden dann über eines der Porsche-Zentren abgewickelt.

          Weitere Themen

          Dacia Duster Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Dacia Duster

          Kein SUV bietet mehr fürs Geld. Das merken immer mehr Kunden, und mit dem neuen Turbo-Benziner ist der Dacia Duster sogar richtig flott.

          Trübe neue Autowelt

          Zeitenwende in der Branche : Trübe neue Autowelt

          Lange Zeit kannte die Autoindustrie nur eine Richtung – bergauf. Das ist zum diesjährigen Beginn der IAA anders. Demonstranten protestieren, allseits herrscht Unsicherheit. Für die Branche sind die fetten Jahre vorbei.

          Topmeldungen

          Künast hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten von der früheren Position mancher Grüner distanziert.

          Hass-Posts gegen Renate Künast : Erlaubt ist alles

          „Stück Scheiße“, „Schlampe“, „Drecksau“ – solche und noch krassere Kommentare prasselten auf Renate Künast ein. Das Landgericht Berlin sieht darin keine persönliche Schmähung, sondern nur zulässige Sachkritik.
          Simon Fujiwaras „It’s a Small World (The Square)“ (2019) auf der Istanbul Biennale

          Istanbul-Biennale : Moleküle gegen Staaten

          Die Kulturszene der Türkei lässt die Knochen knacken: ein Besuch in Istanbul, wo auf der Biennale und im neuen Museum Arter die Teilchen den Aufstand proben.

          Baden-Württemberg : Grüne mit 38 Prozent auf Rekordhoch

          Winfried Kretschmann will bei der kommenden Landtagswahl wieder als Spitzenkandidat antreten. Bei den Wählern im Südwesten stößt das auf große Zustimmung.
          Retourkutsche: Oliver Bierhoff reagiert auf die Angriffe aus München.

          Torwartdebatte : Bierhoff weist Hoeneß-Kritik zurück

          Der DFB reagiert auf die Angriffe aus München: DFB-Direktor Oliver Bierhoff weist die Kritik von Uli Hoeneß zurück. Der Bayern-Aufsichtsratschef hatte den DFB wegen der Haltung in der Torwartdebatte um Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen kritisiert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.