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Showroom auf Sylt : Porsche schenkt Zeit

Wäre es ein Porsche-Autohaus, stünde der Name in Rot an der Wand. Bild: Porsche

Autohäuser verwaisen zunehmend, weil der Kunde sich bestens im Netz informieren kann. Porsche setzt mit einem neuen Showroom auf Sylt dagegen. Hier kann man die Edelmarke von einer neuen Seite erleben.

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          Sylt: Man mag die Insel am Nordende der Republik als Spielplatz der Reichen und Schönen brandmarken, ihrem Liebreiz tut das einfach keinen Abbruch. Einen unendlich – rund 38 Kilometer – langen Strand mit reichlich Wellengang gibt es in Deutschland sonst nirgendwo. Wer Ende Juli nach Sylt fährt, mit dem Zug über den 1927 vollendeten Hindenburgdamm, merkt gleich, es ist Hochsaison, doch übervoll ist es nirgends. Im Gegenteil. Hörnum an der Südspitze ist auch an einem Freitagabend bei bestem Wetter eher verschlafen. Wer mehr Trubel haben will, geht in die „Sansibar“ oder ein paar Meter weiter ins „Samoa-Seepferdchen“, Restaurants, eingebettet in den Dünen. Abends sind auch hier die Strände so gut wie leer. Auf Sylt lässt es sich gut leben.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Was hat das alles mit Porsche zu tun? Nun, Porsche hat jetzt einen der schönsten Orte Deutschlands dazu erkoren, ein neues Markenerlebnis zu schaffen. Jeder, der mit dem Zug in Westerland ankommt, fährt am neuen Showroom „Porsche auf Sylt“ vorbei. Zwar fehlt auf dieser Seite – es ist die Rückseite des Gebäudes – noch der entsprechende Hinweis, doch das soll sich bald ändern, verspricht Jens Puttfarcken, Chef der Porsche Deutschland GmbH und damit oberster Dienstherr der 87 Porsche-Zentren im Land (inklusive acht Niederlassungen).

          Porsche auf Sylt ist alles Mögliche, nur kein Porsche-Zentrum. „Sie können hier keine Autos kaufen“, sagt Puttfarcken. Es gehe vielmehr um das Erleben der Marke. Die Händler seien von Beginn an in das Konzept eingebunden gewesen und stünden hinter dem neuen Konzept, das vor vier Jahren nach einem internen Ideenwettbewerb entstanden ist. Sylt als Standort war schnell gefunden, wenn auch ein erster Bauplatz den Porsche-Planern vor der Nase weggeschnappt wurde. Doch der jetzige Standort sei ebenso gut, sagt Puttfarcken.

          Das Gebäude wirkt wie eine Kunsthalle

          „Gastgeber“ auf Sylt ist aber Mirko Riekers. Er kommt aus der Handelsorganisation des Sportwagenherstellers und genießt jetzt den Luxus, ganz ohne Verkaufsdruck Kunden und Interessenten in die Porsche-Welt zu entführen.

          Das Gebäude selbst fügt sich in die Landschaft ein, es wirkt eher wie eine Kunsthalle, und auf den doch beinahe bescheidenen 500 Quadratmetern auf zwei Ebenen findet sich nur ein Auto: Zurzeit ist es ein 911 Carrera von 1972. Der steht plakativ im Schaufenster zur Straße hin.

          Bereit zum Wohlfühlen? Blick in die erste Etage. Hinter der Treppe findet sich die Kaffe-Bar. Dort gibt es auch eine Terrasse mit Aufgang aus dem Garten.
          Bereit zum Wohlfühlen? Blick in die erste Etage. Hinter der Treppe findet sich die Kaffe-Bar. Dort gibt es auch eine Terrasse mit Aufgang aus dem Garten. : Bild: Porsche

          Im April war die Eröffnung, und bisher erfüllen sich alle Erwartungen, die in das Konzept gesetzt wurden. Zwei Drittel der Besucher hatten vorher noch nie Kontakt zu Porsche. „Und die Leute bringen das mit, was sie sonst nicht haben: Zeit“, fasst Riekers zusammen. In aller Ruhe können Sie sich mit den Auslagen beschäftigen, den Produkten von Porsche Design, oder der kleinen Sonderausstellung über Designklassiker der siebziger Jahre – vom Bic-Feuerzeug bis zu Waldi, dem Olympia-Hund.

          Eingerichtet ist „Porsche auf Sylt“ in ruhigen Brauntönen, der Stil des Mobiliars ist völlig anderes als in den Porsche-Zentren. Wer will, setzt sich hin, liest Zeitung oder blättert in einem Magazin und bekommt auch noch einen Kaffee aufs Haus. Gezwungen oder gedrängt wird niemand zu etwas. Dennoch haben Riekers und sein kleines Team, das jetzt auf fünf Personen aufgestockt wurde, schon so nebenbei 40.000 Euro Umsatz mit Porsche-Accessoires gemacht. Nur Riekers kommt aus der Autobranche, die anderen Mitarbeiter wurden mit Bedacht aus der Hotellerie abgeworben. Ganz ohne Auto geht es aber dann noch nicht. Im ersten Stock kann nach Lust und Laune konfiguriert werden, und immerhin elf echte Verkäufe wurden schon auf Sylt angebahnt. Die werden dann über eines der Porsche-Zentren abgewickelt.

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