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Porsche-Blackberry P9981 : Geschmiedet für Männerhände

Kantiges Design: Ein Blackberry im Porsche Design Bild: Hersteller

Ein Smartphone im edlen Gewand: Ist das Blackberry P9981 im Porsche Design eine Alternative zu Apple-, Android und Nokia-Geräten? Auffällig schwer ist es jedenfalls.

          3 Min.

          Wer das Wort "Design" bei seiner Smartphone-Werbung nicht alltagssprachlich für "schönes Aussehen" verwendet, sondern es theoretisch aufgeladen mit "innovativ in Form und Funktion" gebraucht, sollte ein sehr überzeugendes Produkt präsentieren. Und das sollte erst recht sein, wenn mit "Porsche Design" geworben wird. Das Blackberry-Sondermodell P9981 von Research in Motion ist nämlich Teil der gleichnamigen Produktlinie. Das Verhältnis von Anspruch und Preis stimmt jedenfalls. Das Smartphone kostet 1500 Euro.

          Was kann dieses Smartphone, was das nah verwandte Blackberry Bold 9900 nicht kann? Zunächst sieht es anders aus und ist aus einem anderen Material hergestellt. Die Vorderseite des Gehäuses besteht aus einem geschmiedeten Edelstahlrahmen. Die Rückseite hat einen griffigen schwarzen Überzug aus echtem Leder. Die Form der fünf (gläsernen!) üblichen Blackberry-Funktionstasten zwischen Bildschirm und Tastatur deuten an, um was es Porsche geht: hartes, eckiges, aber auch edles Design. Die leichten Rundungen an den äußeren Ecken und der Unterkante sowie die geschwungenen Trennlinien auf den Tasten schaffen es auch nicht, diese martialische Erscheinung zu besänftigen. Das schwere, teure P9981 soll in einer faltigen, kräftigen Männerhand liegen.

          Die „moderne“ Technik der Kamera macht bescheidene Bilder

          Von innovativer Form und Funktion ist im täglichen Gebrauch wenig zu sehen. So lässt sich die Backspace- und Returntaste kaum mit dem Daumen erreichen, wenn man das Gerät in der linken Hand hält, weil es zu breit ist. Hält man es alternativ in der rechten Hand, ist die Funktionstaste an der unteren rechten Außenseite schlecht bedienbar. Und gerade diese Taste ist praktisch, weil deren Belegung prinzipiell frei wählbar ist. In der Grundeinstellung gelangt der Benutzer direkt zur Kamerafunktion, was er häufig unfreiwillig erkennt.

          Anordnung und Gestaltung der Tasten, die wie das Gehäuse aus Edelstahl bestehen, dürften nur Wenignutzern gefallen, die ihre Pretiose lieber vorzeigen als gebrauchen. Die Tastatur mit Hintergrundbeleuchtung sieht zwar schick aus, ist aber nur etwas für zierliche Frauenfinger und nichts für gestandene Männer. Immerhin dürfte das griffige Leder der Rückseite die erforderliche Fingerakrobatik derart unterstützen, dass das Gerät nicht aus der Hand gleitet, wenn man angestrengt versucht zu tippen.

          Die Tasten sind eigentlich nur etwas für zarte Männerhände

          Porsche Design hat sich auch das Aussehen des Betriebssystems vorgenommen. Für das Sondermodell wurden die Symbole neu gestaltet, eine individuelle Blackberry-7-Oberfläche übergestülpt. Metallisch wirkende Zeichen sind in Grün, Blau und Grau getaucht, um sehr minimalistisch anzudeuten, welche Funktion hinter ihnen steckt. Es fehlt aber jegliche Logik bei der Farbgebung. So sind die beiden Symbole "Youtube" und "Einstellungen" in ihrer Funktion sehr unterschiedlich und dennoch beide grau. Drückt man das graue Zeichen für "Medien", erscheint unter fünf grauen ein grünes Kamerasymbol. Es erschließt sich nicht, warum ausgerechnet dieses grün ist. Nutzer brauchen also Geduld und Erfahrung, um mit den Symbolen effizient umgehen zu können.

          Warum sollten Kunden also das Blackberry P9981 kaufen? Es sei "ein modernes Luxus-Smartphone, das zeitloses Design mit modernster Technik verbindet", schreibt Porsche. Also schauten wir uns die "moderne" Technik der Kamera an. Sie nimmt mit einer Auflösung von fünf Megapixel Bilder und mit 720p Videos auf. Die Qualität der Bilder ist bescheiden. Weder die Innen- noch die Außenaufnahmen konnten mit denen des iPhone und Galaxy Nexus qualitativ mithalten. Die Bilder rauschen unverhältnismäßig stark, sind kontrastarm und leicht unscharf. Ebenso hat uns die Videofunktion etwas enttäuscht. Schwenkt man vorsichtig das Gerät in der Horizontalen, "springen" die aufgenommenen Bilder. Mit verschiedenen Aufnahmemodi wie Gesichtserkennung, Sports, Landschaft oder Nacht kann man die Qualität der Fotos möglicherweise verbessern.

          Eines muss man Research in Motion zugestehen. Auf einem Smartphone-Markt, wo sich Apple mit seinen coolen iPhones, Google mit effizienten Android-Geräten und Nokia mit neuen Windows-Phone-Handys drängeln und RIM mit seinen Blackberrys immer weiter in die Ecke getrieben wird, versucht das Unternehmen eine Nische zu besetzen. Wohlhabende ältere Männer, die in ihrem Berufsleben ständig ein Blackberry benutzen mussten und sich an das überkommene Betriebssystem gewöhnt haben, könnten mit dem P9981 dem Hersteller treu bleiben. Vielleicht kommuniziert dieses schwere, kantige Edelstahl-Leder-Smartphone sogar "persönliche Haltung", wie der Hersteller verspricht. Uns bleiben indes Zweifel.

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