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Porsche 918 Spyder : 1000 Euro je PS

Nummer eins geht an Wolfgang Porsche, Nummer zwei ist für Ralph Lauren vorgesehen Bild: Hersteller

Porsche entwickelt einen fast unglaublichen Sportwagen mit drei Motoren. In Deutschland soll der Spyder 768.000 Euro kosten. Auf Testfahrt im „Rolling Chassis“.

          3 Min.

          Macht Porsche etwas Besonderes, ist es meist mit Beschränkung verbunden. Mit der Beschränkung auf eine bestimmte Stückzahl nämlich. Vom 918 Spyder wird es folglich 918 Stück geben. Nummer eins geht an Wolfgang Porsche, Nummer zwei ist für Ralph Lauren vorgesehen, auch die an legendäre Erfolge erinnernde Nummer 917 ist reserviert. Von den übrigen sind noch einige zu haben, aber damit hat es sich auch mit den guten Nachrichten für die meisten Menschen. 645.000 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer ruft Zuffenhausen für den Ende 2013 debütierenden Supersportwagen auf, in Deutschland werden daraus 768.000 Euro. Das lässt sich leicht merken: 1000 Euro je PS.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Dafür bietet Porsche nicht einfach einen neuen Sportwagen, der noch schneller fährt und den Grenzbereich noch weiter auslegt als ein Carrera GT, sondern eine mittlere Revolution. Er gewinnt seinen Antrieb aus drei Motoren, von denen zwei elektrisch betrieben sind. An den im breiten Heck untergebrachten V8-Motor (420 kW/570 PS) ist ein Hybridmodul angeschlossen, das aus Elektromotor und Trennkupplung besteht. Als Parallel-Hybrid kann der 1700 Kilogramm schwere und gerade mal bis zum Hosenbund reichende Porsche an der Hinterachse über die Elektromaschine, über den Verbrennungsmotor oder über beide angetrieben werden. Die hintere Elektromaschine (90kW/122 PS) läuft bis zur Höchstgeschwindigkeit mit. Die zweite, an der Vorderachse befindliche Elektromaschine (80kW/109 PS) liefert zusätzliche Kraft, schaltet sich aber bei rund 230km/h ab, weil dann der Drehmomentabfall einsetzt. Gemeinsam entsteht eine Systemleistung von 566 kW (770PS).

          Vom 918 Spyder wird es 918 Stück geben Bilderstrecke

          Das Zusammenspiel der drei Motoren erledigt die Steuereinheit (insgesamt sind im Auto 55 Steuergeräte verbaut) nahezu unmerklich, sieht man von dem Moment ab, in dem der Verbrennungsmotor zum Leben erweckt wird und seine Lust am Drehen dann bis 9000/min wild herausbrüllt. Vier Wasserkreisläufe sorgen für geordneten Wärmehaushalt. Dass die Auspuffe hinter den Köpfen nach oben geführt werden sieht spektakulär aus, hat aber ebenso thermische Gründe. Elektromaschinen und ihre Peripherie mögen Hitze nicht. Die aus 312Zellen bestehende, hinter den Sitzen im Schwerpunkt verbaute Hybridbatterie etwa muss mittels Klimaanlage gekühlt werden.

          Im unteren Geschwindigkeitsbereich schieben nur die Elektromaschinen an, was sie mit der Vehemenz eines startenden Düsenjets tun. Der 918 schießt außen kaum hörbar davon, innen freilich wundert sich der im Monocoque eine Handbreit über dem Asphalt kauernde Pilot über den Krach, den die in die Radhäuser fliegenden Kieselsteine, die 325er (hinten) und 265er (vorne) Michelins und die surrende E-Maschine verursachen. Der Klimakompressor klingt wie ein defekter Kühlschrank. Gemach, sagen die Techniker, am „Rolling Chassis“ ist noch keine Dämmung verbaut, das wird noch etwas leiser. Etwas, denn viel Platz für Dämmmaterial hat die bis in die letzte Ecke mit Technik ausgefüllte Karosserie nicht. Wird der Akzelerator mit Sensibilität (ein Widerstand macht auf die Schwelle aufmerksam) gedrückt, greift der Verbrenner erst bei 150km/h ins Geschehen ein. Rein elektrisch soll sich eine Strecke von 25 Kilometern zurücklegen lassen. So entsteht eine neue Faszination elektrischen Fahrens. Und nicht nur die. Legt sich alles, was an Bord ist, gemeinsam ins Zeug, fällt die 100-km/h-Marke in weniger als 3Sekunden, als Höchstgeschwindigkeit werden mindestens 325km/h angestrebt. Dennoch liegt der Verbrauch, der zwar nach der unrealistischen Norm für Plug-In-Hybridfahrzeuge ermittelt wird, aber nichts anderes als eine Sensation ist, bei 3Liter auf 100 Kilometer. Der Tank fällt deshalb klein aus, er fasst 70 Liter.

          Die Kunst des Leichtbaus treibt Porsche hier auf die Spitze. So sind etwa die Ölabsaugpumpen im Kurbelgehäuse aus sündhaft teurem PEEK-Kunststoff gefertigt, der gewöhnlich beim Militär oder in der Raumfahrt zum Einsatz kommt. Die Kurbelwelle wiegt 12,8 Kilogramm, die eines Panamera bringt 21,2 Kilo auf die Waage. Das aus CFK gebackene Monocoque ist mit nur sechs Schrauben mit dem Aggregateträger verbunden. Und der Holm desselben ist hohl ausgebildet, so dass er gleichzeitig als Gehäuse für den Luftfilter dient. Auf eine Luftfederung will Porsche verzichten, es werden Stahlfedern mit geregelten Dämpfern verbaut. Zum ultimativen Fahrerlebnis sollen zudem variable Aerodynamikbauteile, geregelter Allradantrieb und adaptive Hinterachslenkung beitragen. Doch weil solch ein Auto nicht nur auf der Nordschleife, sondern auch am Café in St-Tropez Freude bereiten soll, gibt es auch praktische Dinge an Bord. Eine Liftachse erleichtert die Einfahrt in Tiefgaragen, und das Targadach lässt sich im vorderen Staufach sogar dann unterbringen, wenn dort schon eine Handtasche liegt.

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