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Pedelec „Wi-Bike“ : Piaggio fasst elektrisch Tritt

  • -Aktualisiert am

Piaggio baut nicht nur Roller: das neue „Wi-Bike“ Bild: Hersteller

Die Erfinder der Vespa versuchen sich am Pedelec „Wi-Bike“ mit typisch italienischem Ansatz. Das Ergebnis macht einen rundum durchdachten Eindruck – den man für den verlangten Preis auch erwarten darf.

          Der Piaggio-Konzern, Europas größter Hersteller motorisierter Zweiräder und Schöpfer der legendären Vespa, bringt das Wi-Bike, eine Baureihe von Elektrofahrrädern mit einem selbstentwickelten Antrieb, auf den Markt. Ein Erstlingswerk ist das nicht: Piaggio lancierte bereits 1975 sein erstes Elektrovehikel und unternahm seither diverse Ausflüge in die Welt der E-Scooter und der Elektro-Benzin-Hybride.

          Vom Wi-Bike legen die Italiener vier Hauptversionen auf, die sich hinsichtlich Ausstattung und Antriebskonfiguration unterscheiden: Die Comfort-Modelle sind bequeme Tiefeinsteiger mit einer konventionellen Neun-Gang-Kettenschaltung (Shimano Deore) oder der manuell zu bedienenden stufenlosen Getriebenabe Nuvinci N360 und Gates-Zahnriemenantrieb. Das Comfort Plus Wi-Bike kommt entweder als Tiefeinsteiger oder mit einem modisch geschwungenen Diamantrahmen und ausschließlich mit der Nuvinci-Nabe, wahlweise manuell zu schalten oder elektronisch automatisiert.

          Als Active firmieren die sportlicheren Modelle, allesamt mit dem „Herrenrahmen“. Als Basismodell haben sie entweder eine Shimano-Schaltung oder eine Nuvinci-Nabe, wahlweise manuell oder elektronisch zu bedienen. Die Active-plus-Modelle sind ausschließlich mit Nuvinci-Nabe erhältlich und zeigen eine höherwertige Ausstattung sowie einen Rahmen in Alu-Metallic, dazu rote Felgen.

          Drei Stunden laden, bis zu 120 Kilometer fahren

          Während die in Italien designten Alurahmen in Taiwan gefertigt werden, kommen die mit markantem Handgriff gestalteten Lithium-Ionen-Akkus von Samsung in Korea. Prognostiziert werden Reichweiten mit der nicht allzu üppigen Kapazität von 400 Wattstunden zwischen 60 und 120 Kilometer. Nach etwas mehr als drei Stunden am Ladegerät ist der herausnehmbare Akku (Gewicht: drei Kilogramm) wieder voll. Der Mittelmotor, der unmittelbar auf die Tretlagerwelle wirkt, ist eine Eigenentwicklung von Piaggio.

          Auf 250 Watt und nicht gerade aufsehenerregende 50 Newtonmeter Drehmoment beschränkt, unterstützt er bis zur Grenzgeschwindigkeit von 25 km/h, damit das Wi-Bike als zulassungsfreies Pedelec antreten kann. Entsperrt schafft der Motor 350 Watt. Zusammengebaut wird das Wi-Bike in der Piaggio-Produktion in Scorzè in Venetien, wo auch die Motorräder von Aprilia gefertigt werden.

          Pedelec auf Italienisch

          Typisch für Piaggios neue Pedelecs ist das elegante Italo-Design. Je nach Ausstattung und kostenpflichtigem Zubehör decken diese Elektroräder alle wichtigen Designströmungen von Retro über Urban bis Sportlich-Futuristisch ab. Weniger augenscheinlich, aber mindestens ebenso wichtig ist ihre hochgradige Datenvernetzung und Interaktivität. An Bord ist so gut wie alles, was der Kommunikation dient, von USB über Bluetooth bis zur GPS/GSM-Karte, die im Akku verbaut ist.

          Die neuen Pedelecs sind vom Design her recht unterschiedlich. Die technische Basis ist gleich.

          An der Lenker-Armatur können drei Unterstützungsmodi gewählt werden: Eco, Tour und Power, bei Letzterem verdreifacht sich die Kraft der Unterstützung fast. Diese wird zusammen mit Tempo, Ladezustand, Restreichweite und Uhrzeit im Lenkerdisplay angezeigt, das über Near Field Communication (NFC) kontaktlos Verbindung hält und bei seiner Abnahme gleichzeitig wie eine Art Zündschlüssel als Funktionssperre dient.

          Clou des Wi-Bike ist aber die Bluetooth-Vernetzung mit dem Smartphone. Über eine kostenlose App, die Piaggio Multimedia Platform (PMP), kann die elektrische Unterstützung in drei echten Motormappings mit jeweils zehn Regelstufen gewählt werden: Neben Standard gibt es den Modus City, der beim Anfahren spürbar beflügelt - sehr nützlich für den Ampelstart. Bei Hill erkennt das System die Topographie und unterstützt bergauf stärker, dafür im Flachen oder abwärts weniger.

          Ein rundum durchdachter Eindruck

          Daneben bietet die PMP auch eine Fitness-Funktion, die Kalorienverbrauch, Herzfrequenz oder die vom Fahrer aufzuwendende Kraft berücksichtigt: Beispielsweise lässt sich der Körpereinsatz auf 100 Watt begrenzen. Der notwendige Rest wird automatisch durch den E-Motor beigesteuert - das funktioniert richtig gut, wie erste Probefahrten durchaus zeigten.

          Überhaupt macht das Piaggio Pedelec einen rundum durchdachten Eindruck bei insgesamt ansprechendem Verarbeitungsniveau bis hin zum soliden Gepäckträger. Das darf man für den verlangten Preis auch erwarten - Piaggios Wi-Bike beginnt bei 3399 Euro für das Einsteigermodell Comfort und reicht bis 4199 Euro für das Active plus. Die reinen Fahrwerkskomponenten wie die Scheibenbremsen oder Telegabel sind allerdings nur guter Durchschnitt, und auf wenig ebenem Geläuf könnte der Fahrkomfort höher sein. Dafür gibt es an der Fahrstabilität des rund 25 Kilogramm schweren Piaggio Pedelecs nichts zu meckern, was nicht zuletzt an der Mittellage des - deutlich hörbaren - Motors und der Plazierung des Akkus am Sitzrohr liegt.

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