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Open Signal Maps : Mit Schwarmintelligenz auf der Suche nach Funkzellen

Ein Türmchen neben dem anderen: Open Signal Maps im Internet Bild: Michael Spehr

Wo steht der nächste Sendemast? Open Signal Maps liefert eine Kartographie der Mobilfunknetze.

          Niemand will neben einem Funkturm wohnen, aber jeder will im Mobilfunk besten Empfang. Dass beides nicht zusammenpasst, versteht sich von selbst. Wer sich für Funktechnik interessiert und beispielsweise wissen möchte, wo sich der nächste Sendemast befindet und wie gut die Netzversorgung im neuen Zuhause ist, kann sich zunächst an den Versorgungs- oder Netzabdeckungskarten der Netzbetreiber orientieren. Die Informationen lassen sich im Internet schnell finden, denn einzelne Standorte sind nach der Bundes-Immissionsschutzverordnung öffentlich und anzeigepflichtig.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Häufig sind die Daten unterteilt nach GSM und UMTS, neuerdings ist auch der schnelle Funkstandard LTE aufgeführt. Ferner sieht man Angaben zur Versorgung außerhalb des Hauses und in geschlossenen Gebäuden. Aber das alles sind nur Schätzungen, die auf Algorithmen beruhen.

          Android-Programme wie Open Signal Maps und G-Mon erfassen alle Drahtlosnetze

          Seit 2004 veröffentlicht zudem die heutige Bundesnetzagentur die Position aller Funkanlagen, die eine Standortbescheinigung benötigen, im Internet. Diese Datenbank (emf.regtp.de) mit Kartendarstellung erlaubt eine Abfrage nach Ort und Straße, bietet aber kaum weitergehende Informationen. Es ist nicht einmal angegeben, welcher Netzbetreiber an den jeweiligen Standorten seine Funkmasten errichtet hat, geschweige denn, dass Auskünfte zur geographischen Reichweite gegeben würden.

          Das müsste mit der "Schwarmintelligenz" der Nutzer doch besser gehen, dachten sich die Betreiber der Internetseite Opensignalmaps.com und veröffentlicht eine einzigartige Kartographie der Mobilfunk-Netzversorgung, und zwar in so gut wie aller Welt. Startet man hier mit der Deutschlandkarte, sieht man unmittelbar die gute Funkversorgung in den Ballungsgebieten - und die weißen Flecken, etwa im Osten außerhalb Berlins. In den Niederlanden und Belgien sind die Funknetze besser ausgebaut, aber auch in Frankreich oder Spanien konzentriert sich das Netz auf die großen Metropolen. Open Signal Maps zeigt zu jedem Land die jeweiligen Anbieter, man kann sich die gesamte Funkversorgung ansehen oder gezielt einen Betreiber und eine Übertragungstechnik auswählen.

          Alles im Blick

          Die Versorgungskarte ist zudem nicht berechnet, sondern beruht auf realen Messungen. Das alles geschieht durch "Crowdsourcing" von vielen Freiwilligen, die eine Gratis-App auf ihrem Android-Smartphone laufen lassen. Das Programm "Open Signal Maps" erfasst die jeweiligen Funkzellen am Aufenthaltsort mitsamt Signalstärke und Übertragungstechnik. In Verbindung mit der GPS- und W-Lan-Ortung des Smartphones gelingt auf diese Weise die Kartographie der Mobilfunknetze. Bei der Installation der App kann man angeben, wann und unter welchen Bedingungen die erfassten Daten übertragen werden, beispielsweise nur beim Erreichen eines bekannten W-Lan-Netzes, um Gebühren zu sparen.

          Spähsoftware im Unterwegseinsatz

          In der laufenden App sieht man die Signalstärke sowie Richtung und Entfernung zur Funkstation, in die man eingebucht ist. Ferner kann man die Türmchen in der Umgebung in einer Karte einblenden lassen. Das alles ist schon sehr praktisch, um beispielsweise bei schwacher Funkversorgung zu Hause oder im Büro den optimalen Platz für störungsfreie Telefonate zu suchen. Denn es kann gut sein, dass man von Raum zu Raum mit unterschiedlichen Basisstationen verbunden ist. Eine weitere Grafik zeigt in kniffeligen Situationen die Störeinflüsse von Nachbarstationen, und wer mit UMTS vor allem Daten konsumiert, misst die Ping-Zeit und die Übertragungsrate. Wie gesagt: Alle diese Informationen landen nach einiger Zeit im Internet auf www.opensignalmaps.com und werden in den vorhandenen Bestand eingearbeitet. Denn vollständig ist die Kartographie derzeit nicht, wie man schon mit wenigen Stichproben sieht. Es sind also zunächst nur erste Ergebnisse, die mit der Intelligenz der Masse erfasst werden. Dass die im Hintergrund laufende Android-App am Akku zehrt, sei nur am Rande angemerkt.

          Mit Open Signal Maps lassen sich auch W-Lan-Router in den Blick nehmen. Allerdings gibt es für die Erfassung der Drahtlosnetze in der Umgebung des Android-Smartphones etliche eigenständige Programme. Sie bieten etwas mehr Komfort im Detail. Nur fließen die gewonnenen Informationen nicht automatisch in eine globale W-Lan-Landkarte im Internet ein. Der unentgeltlich im Android Market zu ladende "WiFi Analyzer" von Kevin Yuan erfasst alle Router in der Nähe, zeigt deren Funkkanal, die Feldstärke sowie Details zur Verschlüsselung. Wer in der Stadt wohnt, erhält ein sehr praktisches Werkzeug, um den optimalen Funkkanal für den eigenen Zugangspunkt zu ermitteln. Auch bei der Positionierung des Routers im Haus oder in der Wohnung bewährt sich das kleine Programm mit seinen vielfältigen Optionen.

          Draußen auf der Straße taugt G-Mon von Carsten Knütter als Spähstation für W-Lan-Daten aller Art. Die App erfasst den Namen sowie Funkkanal und Signalstärke. Die Informationen über die erfassten Router, die sich zum Beispiel ganz bequem und unauffällig bei einem Spaziergang durchs Viertel sammeln lassen, stellt die App zu einer KML-Datei zusammen, die sich wahlweise in der App oder in Google Earth und anderen Programmen betrachten lässt. Wer Angst vor "Elektrosmog" hat, sollte diese kleine Android-Software besser nicht ausprobieren.

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