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Opel-Design : Die neue Sprache der Leidenschaft

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In der Gegenwart der schärfsten Krise für das Unternehmen vollzieht sich eine erstaunliche Entwicklung Bild: dpa

Design denken: Über Opel-Formen kann man endlich wieder streiten. Der neue Reiz entsteht aus einem viel emotionaleren Auftritt. Opel findet zu einer formalen Identität und bietet sogar Design für die Zukunft.

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          Der Niedergang von Opel hat viele Gründe. Fehlentscheidungen der dickfelligen Mutter General Motors treiben alte Opelaner in den Wahnsinn. Oder zumindest in den vorgezogenen Ruhestand. Aber auch das Design und damit verbundene strategische Modellentscheidungen haben zum unkontrollierten Sinkflug beigetragen.

          Doch in der Gegenwart der schärfsten Krise für das Unternehmen vollzieht sich eine erstaunliche Entwicklung: Opel findet zu einer formalen Identität und bietet sogar Design für die Zukunft.

          Das war nicht immer so. Seit mehreren Fahrzeuggenerationen ist der Wechsel am Zeichentisch des Chefdesigners das große Kontinuum. Dass sich daraus kein typischer, über Modellfamilien und -Generationen zu erkennender Opel-Stil entwickeln konnte, ist nicht verwunderlich.

          Stattliche Figur: Der Astra als Kombi

          Dabei hatten sich die Träger guter Namen aus den Welten des Stils in der hessischen Provinz eingerichtet. Bis auf eine Ausnahme (Senior-Legende Hans Seer) kamen die Chef-Formengeber für die deutsche Marke Opel nicht aus Deutschland, denn Engländer und Amerikaner gaben sich im Rüsselsheimer Designzentrum die Türklinken in die Hand. Man kann keinem vorwerfen, er sei untätig gewesen. Charles M. Jordan flog aus Detroit ein, er ließ sich den Manta (späterer Kult-Opel, nicht unbedingt zum Vorteil der Marke) einfallen. Wayne Cherry, ebenfalls ein Detroit-Gesandter, verwaltete designtechnisch sauber das Opel-Design, der Engländer Martin Smith setzte mit dem im Herbst 2003 vorgestellten Astra auf stämmiges Vertrauen, saubere Solidität und Formen einer kühleren Intelligenz. Leidenschaft für Opel flammte selbst mit dem Astra GTC und mit Coupé und Cabrio wegen zu nachdrücklich vorgetragener Coolness nicht auf. Dann kam Brian Nesbitt mit dem Lorbeer des GM-Designchefs, und sein Hauptwerk war Zukunft: der Insignia, ein Superlativ der dynamischen Limousine und der rassigste Alltags-Opel seit langer Zeit. Das Erbe von Nesbitt trat Mark Adams an, ein Engländer, der sich um die Fortführung der Insignia-Inhalte, die stilistische Positionierung der neuen Astra-Derivate, und um die neuen Adam (ein unglücklicher Name für den Kleinwagen, klingt so, als würde Ford jetzt den neuen Henry bringen) und Mokka (Kompakt-SUV) sowie den unerwartet frisch-unkonventionellen Meriva zu kümmern hat.

          Die Mark-Adams-Konfektion hat Opel neue, frischere Kleider verpasst und womöglich auch für eine andere Klientel gesorgt. Damit könnte es jetzt womöglich vorbei sein: Ende Juli wandert Adams zum GM-Standort Warren in Michigan und wird verantwortlich für das Design von Cadillac und Buick. Beides Marken, die eine optische Auffrischung durchaus gebrauchen könnten. Neuer Design-Chef bei Opel wird der 43 Jahre alte David Lyon, dem vor allem große Erfahrung im Gestalten von Innenräumen nachgesagt wird. Er ist zudem Spezialist für die immer wichtiger werdende Vernetzung des Autos und für die Systeme des Infotainments an Bord der Fahrzeuge von Morgen. Lyon ist zwar auch für die andere europäische GM-Tochter Vauxhall in England zuständig, wird aber von der Opel-Zentrale in Rüsselsheim aus arbeiten.

          Der Meriva hat mit seinen gegenläufig angeschlagenen Fondtüren eine Sonderstellung

          Er tritt das Erbe von Adams an, der bei Opel vor allem Handlungsbedarf sah, wenn es um Emotionen, um Gefühle und Leidenschaft geht. Das war bei seinen zahlreichen Vorgängern nicht anders. Auch sie waren immer auf der Suche nach der verlorenen Freude am Opel, und sie fanden eine Lösung, die keine war: Im Glauben an die Methode der Emotionsübertragung von einigen Sport- oder Eleganz-Modellen auf die gesamte Modellfamilie entstanden diverse GT, Roadster, Calibra, Cabrios und Coupés. Aber die nahrhaften Grundnahrungsmittel auf Rädern fielen nüchterner aus als der Schichtbeginn an einem Novembermorgen in Rüsselsheim. Astra und Vectra sowie der Marketing-Irrweg Signum (kein schlechtes Auto, aber die Opel-Kundschaft war für diesen Edel-Vectra noch nicht empfänglich) konnten keine eigenen Momente der Emotionen kreieren. In der Gegenwart sind dafür der Insignia und der neue Astra sowie mehr Nischenmodelle denn je zuvor zuständig.

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