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Offshore-Wind (3) : Befestigen am Boden

Auf der Fahrt zum schwedischen Windpark „Lillgrund“ passieren 1500 Tonnen wiegende Betonfundamente die Öresund-Brücke Bild: Hochtief

Die Fundamente der Offshore-Windräder werden meist gerammt. Der Lärm dabei stört nicht nur den Schweinswal. Leisere Verfahren müssen gefunden werden.

          Die Angelegenheit ist brisant, die Nerven liegen blank. Verlautbarungen wie diese sollen die Wellen glätten: „Die Offshore-Windindustrie nimmt den Schutz der Umwelt bei Bau und Betrieb der Windparks auf hoher See sehr ernst“, heißt es in einer Mitteilung von Jörg Kuhbier, dem Vorstandsvorsitzenden der Stiftung Offshore Windenergie. Die Stiftung versteht sich als unabhängige Einrichtung. Ihrem Kuratorium gehört an, wer in der Branche Rang und Namen hat, von den Energieversorgern über Banken und Bauunternehmen bis zu Windradherstellern.

          Georg Küffner

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Worum geht es? Wie nicht nur Eingeweihten seit langem klar ist, treten beim Rammen der Fundamentpfähle der Offshore-Windräder erhebliche Schallemissionen auf, deren Auswirkungen auf Lebewesen im Meer bisher erst ansatzweise erforscht sind. Kleinstgetier und Fischen hat man bisher kaum Aufmerksamkeit geschenkt. Deutlich mehr ist über den - geschützten - Schweinswal bekannt. Bei einem Schalldruckpegel von 164 dB und mehr tritt eine „Hörschwellenverschiebung“ auf, was einem temporären Gehörverlust gleichkommt. Sein Orientierungssystem funktioniert aber nur, wenn das Hörvermögen nicht gestört ist.

          Folgerichtig gibt es einen Grenzwert: Beim Einschlagen der Stahlpfähle darf der entstehende Klopflärm (Hydroschall) nicht die Marke von 160 dB überschreiten. Eine Vorgabe, die, wie sich herausgestellt hat, mit der heutigen Rammtechnik nicht einzuhalten ist. Genaugenommen sind damit Offshore-Pfahlgründungen auf „Ausnahmegenehmigungen“ angewiesen, sollen die Arbeiten nicht von den zuständigen Behörden gestoppt werden. Doch dieser Gau der Offshore-Windkraft ist wohl nicht auszuschließen. Nicht anders lassen sich die Verlautbarungen der Stiftung Offshore Windenergie interpretieren, die vor einer Gefährdung der „erzielten Erfolge“ warnt und sich für „Übergangsregelungen“ starkmacht: Komme es trotz des Einsatzes verfügbarer Schallminderungsmaßnahmen zu Schallpegeln jenseits des Grenzwerts von 160 dB, dürfe es nicht zu „Bauausschlussfenstern mit Rammverboten kommen“, warnt die Stiftung.

          Beim Einschlagen der bis zu fünf Meter mächtigen Pfähle kracht es heftig - und oft. Um solch starke und viele Meter lange Monopiles in den Meeresboden zu treiben, muss 5000- bis 8000-mal draufgehauen werden. Das erledigen sogenannte Rammbären - Hydraulikhämmer, wie sie bei Gründungsarbeiten seit langem eingesetzt werden. Mit immer größeren Durchmessern der Pfähle mussten auch die Kräfte der Rammbären gesteigert werden. Der momentan stärkste „Bär“, er kommt vom deutschen Hersteller Menck aus Kaltenkirchen, bringt es auf ein Gesamtgewicht von 425 Tonnen. Mit einer Kraft von 3500 kN schlägt seine 190 Tonnen schwere Hammermasse zu. Stahlrohre mit Durchmessern von bis zu acht Metern kann er in den Boden treiben. In der Offshore-Windkraft hat man diese Durchmesser noch nicht erreicht. In der Offshore-Gas- und Ölindustrie sind diese Kaliber mittlerweile üblich.

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