Offshore-Wind (2) : Wetterfühlig sind sie alle
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Die Beine der „Pacific Orca“ bestehen aus Gitterkonstruktionen Bild: Swire Blue Ocean
Installationsschiffe sind das Kernstück der Bau-Logistik für Offshore-Windparks. Durch sie sind die Arbeitsprozesse für die nächsten Jahre festgezurrt.
Die geplanten Offshore-Windparks haben ihre Kritiker und Skeptiker, man findet sie meist in Kreisen der Banken und Versicherungen. Unter ihnen wird gern über die Werbefotos, Designstudien und Animationen der Windparkbauer gewitzelt: „Auf Fotos von der Errichtung der Windparks herrscht immer das schönste Wetter“, heißt es, „kein Lüftchen kräuselt die See, und der Aufbau klappt in den Animationen wie am Schnürchen. Doch auf Bildern vom Betrieb der Windkraftanlagen peitscht ein ums andere Mal rauher Wind die See, die Rotorblätter drehen sich rasend. Das verspricht hohe Stromernten.“
Es könnte auch genau umgekehrt sein: Beim Errichten rütteln Sturmböen an den aufgeständerten Schiffen, an einen Aufbau ist nicht zu denken, das Setzen der Rotorblätter ist unmöglich. Die Arbeiten werden abgebrochen, die Schiffe suchen Schutz im nächsten Hafen. Bis sie wieder an Ort und Stelle sind, vergehen Tage, wenn nicht Wochen. Jeder Tag im Hafen kostet weit mehr als 100 000 Euro.
Die Realität wird vermutlich irgendwo in der Mitte liegen, doch beide Szenarien werden eintreten. Die entscheidenden Fragen lauten: Bis zu welcher Wellenhöhe und an wie viel Tagen im Jahr können die Errichterschiffe eingesetzt werden? Bis zu welcher Windstärke kann der Kran arbeiten? Die Antworten, die keiner kennt, werden für den wirtschaftlichen Erfolg mitentscheidend sein. Betreiber von Windparks nehmen an, dass ihre Schiffe bis zu einer signifikanten Wellenhöhe von 2,5 Meter arbeiten können, was einem Höhenunterschied von etwa 4,8 Metern zwischen Wellenkamm und Tal entspricht. RWE Innogy rechnet mit 270 Einsatztagen im Jahr, Hochtief mit 300 Tagen. Einige Fachleute halten diese Angaben für unrealistisch.
Die Crux ist, dass Ingenieure und Hersteller schon vor Jahren festlegen mussten, wie man Offshore-Windparks in der Nordsee baut. Grundlage waren kleinere Windkraftanlagen, küstennah in der Ostsee errichtet, einem Meer mit mildem Klima. Das Ganze wurde auf die rauhen Bedingungen der Nordsee übertragen, auf größere Kraftwerke, die in salzhaltiger Luft weit draußen vor der Küste in Wassertiefen bis zu 45 Meter stehen werden. Langzeitmessungen fehlen. Die hierzulande geltenden Bedingungen - die Anlagen müssen weit vor der Küste gebaut werden - haben Deutschland einen technischen Vorsprung verschafft. In den neuen Zentren der Offshore-Windindustrie an der kurzen deutschen Nordseeküste geben sich Delegationen aus vieler Herren Länder die Klinke in die Hand.
Entsprechend den geplanten Anlagen mussten auch die Errichterschiffe konstruiert werden, die inzwischen in der dritten Generation gebaut werden. Bis Anfang 2013 wird sich eine Flottille von Installationsschiffen in Europa einstellen, die in den nächsten fünf bis sieben Jahren die geplanten Windparks in der Nordsee und der Irischen See errichten werden.
Die Schiffe der dritten Generation sehen auf den ersten Blick alle mehr oder weniger gleich aus. Sie haben absenkbare Hubbeine, die für Wassertiefen bis zu etwa 45 Meter ausgelegt sind. Die Schiffe können sich an ihnen in die Höhe drücken, um einen relativ ruhigen Stand zu bekommen für die Errichtung der Türme mit Hilfe des hohen Bordkrans, der für Lasten bis 1000 Tonnen und mehr ausgelegt ist. Die Schiffe haben eine große Arbeitsplattform, sie sind mit einem eigenen Antrieb ausgestattet, so dass sie eigenständig operieren und auch Transporte übernehmen können. Sie sind universell einsetzbar, man kann mit ihnen Gründungsstrukturen setzen und alle Teile einer Windkraftanlage installieren bis hin zum schwierigsten Prozess, dem Anbringen der Rotorblätter.