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Tech-Talk : Öko-Pyrrhussieg

  • -Aktualisiert am

Wegen des Verfehlens der CO2-Zielgröße drohen vielen Autoherstellern Strafzahlungen, glauben Consultingfirmen zu wissen. Wer den Vorständen zuhört, vernimmt eine andere Botschaft.

          Fiat läuft wegen seiner ineffizienten Motoren in Strafzahlungen hinein und lässt sich bezüglich der europäischen CO2-Vorgaben mit Tesla poolen. Hunderte Millionen Euro fließen zum Ausgleich von den Italienern zu den Amerikanern. Nach EU-Recht ist das in Ordnung, aber daraus zu schließen, die gesamte Industrie werde bald irrsinnige Strafzahlungen leisten, ist vermutlich falsch.

          Fiat ist mangels Investitionen schlicht in desolater Lage, ein Übernahmekandidat. Die übrigen Hersteller werden geschmeidigere Lösungen finden. Schon werden Horrorszenarien aufgemacht: Wegen der Verfehlung der CO2-Zielgröße werden im Jahr 2021 BMW und Daimler jeweils 200 Millionen Euro Strafe zahlen müssen, Hyundai-Kia 300 Millionen, Ford 400, Peugeot-Citroën 600 Millionen und VW gar 1,4 Milliarden Euro, glauben Consultingfirmen zu wissen. Wer den Vorständen zuhört, vernimmt eine andere Botschaft. Peugeot-Chef Jean-Philippe Imparato etwa sagt, „wir werden keine Strafe zahlen, niemand wird eine Strafe zahlen“. Vielmehr werde der CO2-Normausstoß von Personenwagen innerhalb der nächsten Monate drastisch sinken. Das gelinge nur mit flächendeckender Elektrifizierung.

          Es werde deshalb harte Entscheidungen in der Modellpalette geben, dem SUV stünden schwere Zeiten bevor, Effizienz sei künftig alles. Weil von Januar 2020 an jedes Auto in die CO2-Bilanz eingehe, müsse die Technik fertig und die Lieferfähigkeit ab November 2019 sichergestellt sein. Dass der Diesel zurückgedrängt wird, mache die Sache nur noch dramatischer. Sobald der Plug-In-Hybrid kostenseitig mit dem Diesel mithalten könne, werde es eine rasche Verschiebung hin zum Hybrid geben. Diese Motorenkombination verbraucht zwar viel mehr Kraftstoff, sobald sie auf Langstrecke gefordert wird, doch das interessiert niemanden mehr. Die Menschheit lügt sich in die Tasche, fühlt sich aber besser. „Bloß keine Strafe zahlen“ wird ein Pyrrhussieg der Ökologie.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

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