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Nokia und HTC : Smartphones mit Windows Phone 8

Microsoft-Chef Steve Ballmer stellt Windows Phone 8 in San Francisco vor Bild: AFP

Zwei Smartphones von Nokia und HTC zeigen, wie gut das neue Windows Betriebssystem ist. Wenn man ganz unvoreingenommen ein Smartphone sucht, lässt es sich mit Windows Phone 8 hervorragend leben.

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          Jetzt hängt alles am seidenen Faden: Die beiden Smartphone-Hersteller Nokia und HTC sind wirtschaftlich angeschlagen, und die Hoffnung speist sich aus neuen, attraktiven Geräten. Das Stichwort lautet Windows Phone 8, es ist die aktuelle Version des Microsoft-Betriebssystems, das in seiner modernen Ausprägung seit gut zwei Jahren gegen die übermächtige Konkurrenz aus den Häusern Apple und Google kämpft. Ein Erfolg ist Windows Phone nicht, aber es wird immer besser. Mit der neuen Kennziffer 8 gehen etliche Neuerungen einher - jedoch nicht für ältere Modelle, die bereits auf dem Markt sind.

          Michael Spehr

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Windows Phone 8 unterstützt höhere Bildschirmauflösungen jenseits der bisherigen 800×480 Pixel, es erlaubt den Einsatz von Micro-SD-Speicherkarten, Mehrkernprozessoren und NFC, es bringt den Internet Explorer in der Version 10 mit und bietet „echtes“ Multitasking. Wer das ältere Windows Phone 7 einsetzt, bekommt bald ein „kleines“ Update auf die Version 7.8, die auch den neuen Startbildschirm mit in der Größe änderbaren Kacheln enthält. Wir haben jetzt zwei der ersten Windows-Phone-8-Geräte ausprobiert, das HTC 8X und das Nokia Lumia 920, die jeweiligen Flaggschiffe für 500 und 600 Euro.

          Wer aus der Android- oder Apple-Welt kommt, muss keine Entzugserscheinungen fürchten. Vieles ist anders, aber keineswegs schlechter, das ist die erste Erfahrung. Microsoft hat die Idee des geräteübergreifenden Ökosystems von Google und Apple kopiert, und was bei Android der Gmail-Account ist, erledigt man hier mit Hotmail oder dem sehr schicken Outlook.com. Statt der Dropbox gibt es das Skydrive von Microsoft, sieben Gigabyte Speicherplatz in der Cloud-Wolke werden unentgeltlich bereitgestellt. Gegen das schnörkellose Design von Windows Phone mit üppigen Weißräumen und dezenten Linien wirkt die Konkurrenz sogar ziemlich alt, und was ein Smartphone von heute können muss, beherrscht Windows Phone allemal.

          Alles, was zählt: Windows Phone 8 auf dem HTC 8X

          Geht es um E-Mail und Internet, Facebook und Twitter, kann man getrost zugreifen, die Facebook-Integration ist sogar besser als bei der Konkurrenz. Dass der Durchbruch in den breiten Massenmarkt nur zögerlich anläuft, ist auch nicht der Hardware geschuldet. Nokia und HTC bieten eine weitaus bessere Verarbeitungsqualität und Anmutung als die meisten Androiden. Lumia 920 und 8X haben vieles gemeinsam, vor allem die opulenten Maße. Das Nokia provoziert. Es ist ein Riese unter den Smartphones, mit dem man am Samstagabend sofort jedwede Aufmerksamkeit weckt: Sage und schreibe 185 Gramm wiegt es, in einer breiten Männerhand gehalten, sucht man unversehens nach dem nächsten Nagel, den man mit ihm einschlagen könnte.

          Fast ebenso groß, aber deutlich leichter (130 Gramm) präsentiert sich das HTC, beide überragen ein iPhone 5, gehören also zu den derzeit besonders populären Smartphones in Übergröße. Beide Kandidaten bringen ein Unibody-Gehäuse aus einem Guss mit, da hält etwa ein Samsung Galaxy S3 mit seiner hauchdünnen Rückseitenabdeckung nicht mit. Während HTC auf einen matten Kunststoff mit gummierter Oberfläche setzt, besteht das Nokia aus glattem Polycarbonat in kräftigen Farben, Fingerfett ist auf der Rückseite schnell sichtbar. Beide bieten einen nahezu glatten Übergang von der Displayabdeckung zum Gehäuse und sehr fein gefräste Öffnungen für den Lautsprecher.

          Nur die unabdingbaren Anschlüsse durchbrechen die klaren Linien: Micro-USB zum Laden und zur PC-Anbindung unten, Headsetausgang oben und ein Einschub für die Micro-Sim-Karte. Ein Kartenschacht für Speicherkarten und ein wechselbarer Akku fehlen also. Das Nokia bringt 32 Gigabyte internen Speicher mit, das HTC muss mit der Hälfe auskommen.

          Die jungen Modelle bieten eine Bildschirmauflösung von 1280×720 Pixel (8X) und 1280 x 768 Pixel (Lumia 920), sind also damit in der Oberklasse angesiedelt. Nokia und HTC verwenden LC-Displays, die bei hellem Sonnenschein besser ablesbar sind als eine Amoled-Anzeige.

          Das Nokia Lumia 920 mit exzellentem Gehäuse und erstklassiger Kamera

          Auch hier gibt es nichts zu meckern, und beide Kandidaten sind dank Zweikernprozessor Snapdragon S4 mit 1,5 Gigahertz superschnell. Das HTC mit seinem schlankeren Gehäuse wird bei aufwendigen Spielen warm, beim Nokia funktioniert die Wärmeableitung besser. Wer die technischen Daten im Detail betrachtet, findet beim Nokia das ältere Bluetooth-Protokoll 3, während HTC schon bei der aktuellen Variante 4 angekommen ist. Das Lumia 920 wiederum trumpft mit dem Datenturbo LTE auf, der im Unterschied zum iPhone 5 auf sage und schreibe neun Frequenzbändern arbeitet. Man beachte, dass im Telekom-Netz ein anderer APN einzustellen ist, nämlich „internet.telekom“.

          Das 8X ist dank DC-HSDPA bei der Datenübertragung alles andere als langsam, bis zu 43 MBit/s verspricht der Hersteller. Dass sich der Akku des Nokia wiederum kabellos durch Auflegen auf eine Induktionsladestation befüllen lässt, ist nur ein Gimmick, zumal der Ladevorgang auf diese Weise deutlich länger dauert. Bis hier herrscht also nahezu Gleichstand ungeachtet der Unterschiede der Bauform. Aber zurück zur Software: Nokia hat mehrere Pfeile im Köcher: Die Straßennavigation Drive+, die mit lokal gespeicherten Karten arbeitet und eine flexibel einstellbare Tempolimit-Warnung mitbringt, ist eine Wucht.

          Mit klaren Ansagen und übersichtlicher Darstellung auf dem Bildschirm wird man präzise geführt, und es lassen sich unentgeltlich die Landkarten vieler Länder dieser Welt aufs Gerät laden. So gelingt im Unterschied zur Apple- und Android-Gratisnavigation eine Routenführung ohne Datengebühren - und im Ausland ohne Roamingkosten. Der zweite Knüller ist die 8,7-Megapixel-Kamera mit der hauseigenen Pureview-Technik. Sie hat einen echten mechanischen Bildstabilisator, der bei schlechten Lichtverhältnissen längere Öffnungszeiten der Blende erlaubt, und die Aufnahmen im Dunklen sind erstklassig.

          Da kann kein anderes Smartphone mithalten. Schließlich eine Reihe weiterer Nokia-Apps, etwa die Anzeige von Sonderzielen in der Umgebung mit dem „City Compass“ und „virtual reality“ sowie Nokia-Musik, mitsamt des „Mix Radio“, das es erlaubt, aktuelle Titel als „Mixe“ unentgeltlich aufs Gerät zu streamen. Das HTC 8X tritt bescheidener auf, es beschränkt sich auf die Standardausstattung von Windows Phone 8, bietet aber immerhin aufs Gerät ladbare Karten zur Orientierung in fremder Umgebung, eine ebenfalls sehr ordentlich arbeitende Kamera sowie eine HTC-App zur Fotoverbesserung und -verfremdung.

          Die Vorteile des HTC sind seine kompaktere, unauffälligere Bauform und die gute Akustik der HiFi-Abteilung. Wenn man die Verbesserungen von Windows Phone 8 genauer in den Blick nimmt, fallen kleinere Unstimmigkeiten auf. Multitasking gibt es nur für neue Apps, die eigens für das aktuelle Betriebssystem entwickelt sein müssen. Auch fehlt ein plattformübergreifendes Notification-Center, das alle Neuheiten auf einen Blick anzeigen müsste. Es wird nachgeliefert.

          Wer ein eingefleischter Apple- oder Android-Fan ist, wird weitergehende Optionen zum Verknüpfen und Teilen von Inhalten vermissen, und nicht zuletzt sucht man viele hochwertige Apps im „Store“ vergeblich. Das alles sind Kleinigkeiten. Mit dem neuen Windows Phone 8 lässt es sich hervorragend leben, wenn man ganz unvoreingenommen ein gutes Smartphone sucht. Beide Geräte verdienen eine klare Kaufempfehlung.

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