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Neue Richtlinien : Lockert Google den Datenschutz?

Ab März steht Google unter Beobachtung Bild: REUTERS

Die Aufregung ist groß: Google ändert zum 1. März seine Datenschutzbestimmungen. Will Google etwa mehr Daten sammeln? Oder tut das Unternehmen wirklich etwas Gutes für seine Nutzer?

          Google ändert zum 1. März 2012 seine Datenschutzbestimmungen und Nutzungsrichtlinien. Diese Nachricht hat für Aufregung im Netz gesorgt. Vor allen Dingen fürchten Datenschützer, dass dies zum Nachteil der Nutzer geschieht. Die Änderung ist zunächst rein juristischer Natur. Von ihr verspricht sich das Unternehmen allerdings Möglichkeiten, neue Anwendungen für die Google-Dienste zu schaffen, die bisher so nicht möglich waren. Was ist damit gemeint?

          Google nennt selbst in etwa dieses Anwendungsbeispiel: Der Kalender weist auf einen Termin hin, der in einer Stunde stattfindet. Weil Google meinen Standort kennt und dank Maps den starken Verkehr des zu erreichenden Treffpunktes bemerkt, warnt mich der Kalender, dass ich möglicherweise zu spät kommen könnte und empfiehlt mir früher loszufahren oder den öffentlichen Nahverkehr zu nehmen. Vielleicht schlägt mir Google auch noch eine Verbindung vor.

          Das Unternehmen muss dabei meine Daten, die ich als angemeldeter Nutzer preisgegeben habe, zwischen mehreren Google-Diensten tauschen: Kalender und Maps und - je nach Anwendungsbeispiel - noch weiteren. Aufgrund der Datenschutzbestimmungen und Nutzungsrichtlinien dürfen Daten aber nicht zwischen allen Diensten ausgetauscht werden. Daher ändert das Unternehmen diese zum 1. März. Dann dürfen Nutzerdaten zwischen deutlich mehr Diensten verknüpft werden. Somit schafft man die juristische Grundlage für die Programmierung weiterer dienstübergreifender Anwendungen. Diese Datenschutzbestimmungen und Nutzungsrichtlinien gelten dann für alle Nutzer, die bei Google angemeldet sind und Services wie Mail, Docs, Calender, Reader, Picasa oder Google+ nutzen.

          Des Weiteren will Google seine Datenschutzbestimmungen vereinfachen und vereinheitlichen. Bisher bestanden diese aus 70 Dokumenten, übrig bleiben soll dann nur noch ein einziges. Wie diese Richtlinie genau aussieht, weiß man in etwa mehr als einem Monat. Der Vorwurf, man würde aufgrund der neuen Regelung Nutzerdaten aus verschiedenen Diensten zusammenführen, um ein Profil zu erstellen, sei falsch, so ein Google-Sprecher.

          Wie gewöhnlich kündigte Google diese Änderungen in seinem offiziellen Blog an. Etwas missverständlich nannte Googles Datenschutzschefin Alma Whitten Anwendungsbeispiele, die es schon gibt, und welche, die es noch geben könnte. Welche genau es aufgrund der Änderungen geben wird, ist nicht klar.

          Man kennt es vom Smartphone

          Trotz dieser Beispiele sorgt die Ankündigung, die Datenschutzbestimmungen zu ändern, bei Datenschützern für Aufregung. Sie befürchten, dass Google Nutzerdaten zusammengeführen und Profile erstellen könnte. Google könnte also das tun, was das Unternehmen bisher immer verneint hat. Ist die Aufregung berechtigt?

          Tatsache ist, dass sich Google mit den Änderungen der Datenschutzbestimmungen zunächst nur das Recht sichert, Softwareanwendungen zu programmieren, die Daten zwischen beliebigen Diensten austauschen. Das Versprechen, dass man die Informationen nicht verkaufen oder mit anderen teilen werde, bleibt auch ab 1. März bestehen. Die Daten würden lediglich genutzt, um für den Nutzer relevante Werbung zu schalten, heißt es. Nutzt man die Suchmaschine ohne Anmeldung, dürfte diese Maßnahme also nicht mehr greifen.

          Die Verzahnung von mehrere Dienstleistungen kennt man als iPhone oder Android-Nutzer seit Jahren. Wenn sie gut gemacht ist, ist sie enorm praktisch. Ist sie zu aufdringlich gemacht, nervt die Vernetzung. Wer die Google-Dienste nutzt, wird neue Anwendungen, die Querverbindungen herstellen, deshalb sicherlich begrüßen. Warum also die Aufregung? Weil in der Vergangenheit Unternehmen wie Facebook gezeigt haben, dass man es mit dem versprochenen Datenschutz nicht so ernst nimmt?

          Man sollte bis zum 1. März abwarten, wenn die neue Datenschutzbestimmung und Nutzungsrichtlinie in Kraft tritt. Hält sich Google an sein Versprechen und behält die Daten für sich, ohne ein Profil zu erstellen, oder diese an Dritte weiterzugeben, ist das gut. Präsentiert das Unternehmen im Frühjahr jede Menge neuer praktischer Anwendungen, ist es noch besser. Werden die Richtlinien über die angekündigte Vereinheitlichung und Vereinfachung hinaus geändert, geht Google zu weit. Und die Aufregung ist berechtigt.

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