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Neue New Yorker Cabs : Taxi of Tomorrow

  • -Aktualisiert am

Ein Prototyp des Nissan NV 200 auf dem Times Square in New York Bild: ERIC MICHAEL JOHNSON/The New Yor

Yellow Cab war gestern: Vom kommenden Jahr an ist ausgerechnet ein Nutzfahrzeug von Nissan das offizielle Taxi in New York. Ausschlaggebend waren der Innenraum und der Spritverbrauch des Kastenwagens.

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          Für Bürgermeister Michael Bloomberg ist es eines der berühmtesten Autos der Welt: „Wer an New York denkt, der denkt nicht nur an die Freiheitsstatue, das Empire State Building und den Time Square, sondern der hat immer auch das Yellow Cab vor Augen.“ Bald allerdings müssen sich die Einwohner der Stadt und die vielen Millionen Touristen ein neues Bild machen. Denn New York stellt seine Taxiflotte um und wechselt in den nächsten Jahren seine 13.000 Mietdroschken aus.

          Wurde das Straßenbild seit den Zwanzigern noch vom legendären Checker Cab und zuletzt vom Ford Crown Victoria bestimmt, wird nun ausgerechnet ein Kleinlaster aus Japan zur neuen Ikone der Stadt. Denn das „Taxi of Tomorrow“, das jetzt seine Publikumspremiere gefeiert hat und von Herbst 2013 an die Straßen von Manhattan erobern soll, ist kein Chrysler, kein Chevrolet oder kein Ford, sondern der in Europa nicht sonderlich präsente Nissan NV 200 hat den bereits 2009 ausgerufenen Wettbewerb der Stadt gewonnen und sich damit die Exklusivrechte für die nächsten zehn Jahre gesichert.

          Beeindruckt hat Major Bloomberg weniger das Design des Wagens, der seinen Platz im Straßenbild erst finden muss. Dabei braucht er etwas weniger Verkehrsfläche als der alte Crown Victoria, ist mit seinen Schiebetüren nicht ganz so unfallträchtig und durch die beiden Flügel im Heck obendrein besser zu beladen. Sondern die Stadtväter haben diesmal vor allem auf die inneren Werte geachtet. „Jeder weiß, dass unsere Taxen außen gelb sind“, klagt der Bürgermeister, „aber über das Innenleben hatte sich bislang offenbar niemand große Gedanken gemacht.“

          Ein Display sorgt für die Unterhaltung des Fahrgastes und ermöglicht das Bezahlen per Kreditkarte Bilderstrecke

          Das solle mit dem NV 200 anders werden, sagt Nissan-Chef Carlos Ghosn und verspricht den täglich 600.000 Taxigästen im Big Apple nicht nur 25 Zentimeter mehr Beinfreiheit. Im Taxi of Tomorrow sitzen die Passagiere auf fleckenresistenten Polstern und atmen Luft, die von speziellen Aktivkohlefasern in der Verkleidung gereinigt wurde. Und die ersten Seitenairbags für den Fond haben die Japaner auch noch zu bieten.

          Ruhige Straßen durch ein neues Warnsystem

          Aber das Yellow Cab soll mit dem Nissan nicht nur bequemer, komfortabler und sicherer, sondern auch grüner werden. Ein wenig zumindest. Wo der Crown Victoria noch mit einem 4,6 Liter großen V8-Motor fährt, reichen dem NV 200 ein Vierzylinder von zwei Liter Hubraum und entsprechend weniger Sprit. „Und das ist nur der Anfang“, verspricht Ghosn: Ab 2017 will er die ersten elektrischen NV 200 nach New York schicken und bis dahin den Taxieinsatz des Elektroautos ab diesem Herbst mit dem Nissan Leaf üben. Eine Umweltbelastung ganz anderer Art adressiert das neue Beleuchtungsmodul des Taxi of Tomorrow: Mit einem speziellen Signallicht wollen die Japaner die Hupe weitgehend überflüssig machen und so endlich für ein wenig Ruhe in der Stadt sorgen.

          Klar werden Einheimische wie Touristen den alten gelben Limousinen hinterherweinen. Und auch die Fahrer sind alles andere als glücklich, weil sie ihren Crown Victoria lieb gewonnen haben wie ein Cowboy sein Pferd. Doch Mike Hobson, der für die Japaner in Amerika das Nutzfahrzeuggeschäft verantwortet, setzt auf die Überzeugungskraft der Produkts: „Wer einmal darin gesessen hat, wird sich in kein anderes Taxi mehr zurückwünschen.“ Diese Hoffnung fußt nicht nur auf dem konkurrenzlosen Platzangebot für Passagiere und Fahrer sowie den vielen pfiffigen Details, die den Alltag auf Achse leichter machen sollen. Vor allem bei den Passagieren setzt Hobson auch auf ein vergleichsweise banales Bauteil, an dem auch Bürgermeister Bloomberg Gefallen gefunden hat - das große Glasdach in der Wagenmitte. „So leicht konnte man unsere berühmte Skyline noch nie genießen.“

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