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Neue Motorräder : Heimspiel ohne Mauertaktik

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Erst Köln, dann Mailand: die zweite große Herbstmesse der Zweiradindustrie hatte einiges an Neuigkeiten zu bieten. Daheim gingen sie in die Offensive.

          Man kennt das von der Squadra Azzurra. Das Mauern hat sie immer gut beherrscht. Aber nicht ausschließlich. Wenn es angebracht erscheint, geht sie in die Offensive. Genauso handhabt es auch die italienische Zweiradindustrie.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Die Motorrad- und Rollerhersteller vom Stiefel unterscheiden sorgfältig zwischen Auswärts- und Heimspiel. Alle zwei Jahre finden im Abstand von wenigen Wochen die konkurrierenden Messen Intermot in Köln und Eicma in Mailand statt. Von den Neuheiten aus Italien, Heimat einer großen Rollermacht und einiger weiterer Marken mit klangvollen Namen, bekommt Köln nur kleine Portionen ab, gerade so viel, dass es nicht brüskierend wirkt. In Mailand wird dann, so wie vorige Woche bei der Eicma 2012, die Fessel der Mauertaktik abgelegt und gestürmt. Andere Hersteller wie BMW, Honda, KTM, Triumph gehen im Sinne des Fairplay ausgewogener vor. Sie verteilen ihre Premieren auf Intermot und Eicma.

          Den nach Mailand gereisten Enthüllungsjournalisten wurde also eine Menge geboten. Piaggio zog das Tuch von der bezaubernden Vespa 946, Moto Guzzi leitete das Comeback seiner legendären California ein, beides Fahrzeuge, die Ausdruck einer zunehmenden Freude am Retro-Vehikel sind. BMW machte Andeutungen über ein neues Klassikmotorrad mit luftgekühltem Boxermotor, Honda hat die nostalgische CB 1100 schon fertig. Ducati demonstrierte Stärke, der ehemalige Wackelkandidat MV Agusta zeigte sich geradezu hyperaktiv an der Neuheitenfront.

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          Auffällig auch: die Rückkehr der kleineren Hubräume in Gestalt günstiger Einsteigermaschinen (Honda, KTM), ebenso die inzwischen frappierende Vielfalt vielseitiger Straßenmotorräder im Endurolook. Der elektronische Bombast nimmt vor kurzem noch ungeahnte Ausmaße an: Verschiedenste Assistenzsysteme, aufeinander abgestimmt, werden zu komplexen Fahrprogrammen vernetzt. Zu den neuen Maschinen, die 2013 mit semiaktivem Fahrwerk angeboten werden (BMW HP4 und R 1200 GS, Ducati Multistrada, KTM Adventure), gesellt sich überraschenderweise auf Anhieb auch Aprilias in Mailand enthüllte Reiseenduro Caponord.

          Mit dieser Caponord 1200 orientiert sich Aprilia mehr an der auf Straßeneinsatz spezialisierten Ducati Multistrada 1200 als an der zusätzlich auf Geländetauglichkeit ausgelegten BMW R 1200 GS. Der 96 kW (128 PS) starke V2 umgibt sich mit dem gesamten Spektrum an klassenüblicher Elektronik und soll dank einer Vielzahl an Modifikationen sparsamer agieren als im Modell Dorsoduro, wo zehn Liter je 100 Kilometer der Regelfall sind. In der Topliga des Tourings spielt die Aprilia, wenn sie mit dem Travel-Paket ausgerüstet wird; es umfasst beispielsweise nicht nur Hauptständer und Seitenkoffer, sondern auch ein semiaktives Fahrwerk, das sich selbständig auf Fahrbahn und Fahrmanöver einstellt.

          BMW macht aus dem bisherigen Mauerblümchen F 800 ST mittels zahlreicher Änderungen die weitaus tourenfreundlichere F 800 GT. Moderat gesteigerte Leistung (66 kW/90 PS, bisher 62,5 kW/85 PS), höherer Komfort durch eine optimierte Vollverkleidung und verbesserte Platzverhältnisse sowie ein neu abgestimmtes Fahrwerk sollen die 213 Kilogramm leichte Maschine zum vollwertigen, aber besonders einfach zu handhabenden Reisemotorrad machen. Als Zeichnung stellte BMW ein klassisch-sportliches Modell mit luftgekühltem Boxermotor vor, das 2013 präsentiert wird.

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