https://www.faz.net/-gy9-7mq4q

Mobile World Congress : Die Android-Angreifer

  • -Aktualisiert am

Microsoft hat gerade die Handysparte von Nokia gekauft. Bild: dpa

Kampf der Betriebssysteme: Microsoft und die Mozilla-Stiftung wollen Googles Dominanz auf dem Smartphone-Markt brechen. Auch mit einem Handy, das nur 18 Euro kosten soll.

          3 Min.

          Werbevideos der Mobilfunkbranche sind meistens voll von bombastischen Bildern und Selbstlob. Dass sie unfreiwillig Heiterkeit produzieren, kommt eher selten vor. Daran gemessen war der Sonntag für den Softwarekonzern Microsoft und sein Smartphone-Betriebssystem Windows Phone ein Ausnahmetag. Gerade hatte Microsoft-Manager Joe Belfiore während seiner Präsentation auf dem Mobilfunkbranchentreffen Mobile World Congress in Barcelona das Werbevideo für Windows Phone starten lassen, als der Sprecher den Satz sagte: „Wir haben Blackberry überholt.“

          Ein kurzer Augenblick – und dann lachten die anwesenden Analysten und Journalisten herzhaft. Der Grund für die spontane Gefühlsaufwallung: Der kanadische Smartphone-Hersteller Blackberry befindet sich seit Jahren im Niedergang. Es gehört nicht viel dazu, ihn auch hinter sich zu lassen.

          Die Zahlen die Belfiore dann aber vorlegte, waren durchaus eindrucksvoll. Microsoft hat mit seinem Handy-Betriebssystem im vergangenen Jahr auf vielen Kontinenten hohe zweistellige, mancherorts gar dreistellige Wachstumsraten verzeichnet. Der Absatz in Westeuropa legte beispielsweise um 59 Prozent zu, der in Asien sowie im Pazifikraum ohne Japan um 105 Prozent und in Afrika und dem Nahen Osten gar um 758 Prozent. „Wir haben uns gut in Schwellenländern geschlagen“, sagte er: „Und wir glänzen relativ zu unseren Wettbewerbern im niedrigpreisigen Gerätesegment.“

          „Wir müssen wachsen, wo wir können“

          Belfiore sprach oft von „niedrigen Preispunkten“ – womit die Marschrichtung für Windows Phone vorgegeben scheint: alle Kraft auf Märkte in Schwellenländern. Dort  ist noch viel Wachstum zu erwarten, weil viele Menschen in naher Zukunft zum ersten Mal ein internetfähiges Telefon kaufen werden, dafür aber nicht viel Geld ausgeben können.

          Dazu passten auch die Ankündigungen des Microsoft-Manns: Sein Unternehmen wird künftig auch mit dem chinesischen Smartphone- und PC-Hersteller Lenovo zusammenarbeiten sowie mit dem koreanischen Unternehmen LG, die beide für eher günstige Geräte stehen. „Wir sind in einer Situation, in der wir wachsen müssen, wo wir können“, sagte Belfiore. Dafür richtet der Softwarekonzern eigens eine Internetseite ein, auf der neue Gerätehersteller sich leichter darüber informieren können, was es braucht, um ein Windows Phone zu entwickeln. Außerdem passt Microsoft seine Hardware-Richtlinien an, um neue Produzenten anzulocken. „Wir sind offen für alle“, sagte Belfiores Kollege Nick Parker. 

          Das Ziel ist klar: Dem Platzhirschen Google mit seinem Betriebssystem Android Marktanteile abjagen. Derzeit geht an Android kein Weg vorbei. Laut dem Analysehaus Gartner lieferten die Hersteller im vergangenen Jahr rund 759 Millionen Telefone mit dem Google-Betriebssystem aus, das iOS des amerikanischen Elektronikkonzerns Apple kam auf 151 Millionen. Windows Phone rangierte mit etwa 31 Millionen ausgelieferten Geräten dagegen weit abgeschlagen auf dem dritten Platz - vor Blackberry mit 19 Millionen.

          Von solchen Zahlen kann die unabhängige Mozilla-Foundation mit ihrem Smartphone Betriebssystem Firefox OS nur träumen. Doch der für das operative Geschäft zuständige Jay Sullivan machte in Barcelona keineswegs den Eindruck, dass ihn das groß stören würde. Das auf der Programmiersprache HTML 5 basierende Betriebssystem Firefox OS habe sich innerhalb eines Jahres durchgesetzt und werde seinen Fußabdruck in diesem Jahr vergrößern, sagte er. In zwölf neuen Ländern werden Mozilla-Handys in naher Zukunft zu kaufen sein, darunter vor allem Staaten in Lateinamerika und  in Südosteuropa. Obwohl Firefox im Gegensatz zu Windows Phone derzeit in der Kategorie ferner liefen einzuordnen ist, kann Sullivan sich weiter der Unterstützung großer Namen sicher sein. Darunter sind der spanische Mobilfunkkonzern Telefonica und die Deutsche Telekom, die die Handys der Mozilla-Stiftung im Programm haben.

          Auch Sullivan strich den Gegensatz zu den alles beherrschenden Betriebssystemen Android und iOS heraus, ohne sie beim Namen zu nennen. „Viele im Mobilfunkökosystem wünschen sich eine Alternative“, sagte Sullivan. „Und unsere Partner teilen mit uns diese Vision des offenen Internet.“ Das für Anwendungsprogrammierer und Gerätehersteller transparente HTML 5 soll diese Offenheit augenscheinlich ermöglichen – im Gegensatz zu den Betriebssystemen der beiden Großen der Branche.

          Die will Mozilla künftig noch mit einem weiteren Argument übertrumpfen: dem Preis. Sullivan stellte in Barcelona ein Smartphone vor, das umgerechnet nur 18 Euro kosten soll. „Das ist ein Preis, der zurzeit außer Reichweite für Google und günstige Android-Telefonhersteller ist“, sagte Ovum-Analyst Nick Dillon.

          Weitere Themen

          BMW X5 Plug-in-Hybrid Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : BMW X5 Plug-in-Hybrid

          Der neue BMW X5 Plug-in-Hybrid soll eine dreimal größere elektrische Reichweite haben. Einen großen Nachteil gibt BMW dem X5 aber ohne Not mit.

          Aus Frust am Laden

          BMW X5 Plug-in-Hybrid : Aus Frust am Laden

          Der neue BMW X5 Plug-in-Hybrid soll eine dreimal größere elektrische Reichweite haben. Einen großen Nachteil gibt BMW dem X5 aber ohne Not mit.

          Topmeldungen

          Reicht der Platz? Während der Sommerpause 2019 wurde der Plenarsaal des Bundestags renoviert.

          Mehr als 800 Abgeordnete : Erst die Partei, dann der Staat?

          Die Regierungsparteien können sehr gut damit leben, wenn es immer mehr Abgeordnete gibt. Deshalb bleiben alle Vorschläge für eine Reform so schnell stecken.

          Zweites Selenskyj-Protokoll : Trumps Entlastungsangriff durch Geplänkel

          Das Telefonat, das Trump im Juli mit dem ukrainischen Präsidenten führte, ist schwer zu verteidigen. Also veröffentlichte das Weiße Haus das Protokoll eines früheren Gesprächs. Da ging es um leckeres Essen und schöne Ukrainerinnen.
          Verfasste laut Dokumenten aus der Stasi-Unterlagenbehörde über zwölf Berichte zu Kameraden: der neue Verleger der „Berliner Zeitung“ Holger Friedrich

          Verleger der „Berliner Zeitung“ : Holger Friedrich war Stasi-Spitzel

          Der neue Besitzer des Berliner Verlags hat für die Stasi NVA-Kameraden observiert. Dem geplanten Bericht der „Welt am Sonntag“ kam der Unternehmer Holger Friedrich mit einer „Stellungnahme in eigener Sache“ zuvor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.