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Müllentsorgung : Ein Hoch auf unterirdische Mülleimer

  • -Aktualisiert am

Müllchaos: Häufig liegt es an der schlechten Organisation und zu kleinen Behältern. Bild: dpa

Abfälle müssen nicht in offenen Behältern gesammelt werden. Es geht eleganter. Etwa mit Unterflurcontainern, deren Stutzen sich öffnen, wenn man einen Identifizierungs-Chip auflegt.

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          Es sind meist die eher nebensächlichen Dinge, die das Zusammenleben erschweren. Der Lärm spielender Kinder gehört dazu. Typische Aufreger sind auch schlecht oder gar nicht gesäuberte Treppenhäuser und viel zu spät von Schnee und Eis geräumte Bürgersteige. In diesen Reigen nachbarschaftlichen Streitpotentials reiht sich nahtlos der Umgang mit dem in Haushalt und Küche anfallenden Müll ein. Das gilt für große Wohnanlagen bis hin zum schnuckeligen Zweifamilienhaus. Nichts ist undenkbar, wovon man sich durch einen Blick auf die meist wenig tauglich hinter einer lichten Hecke verborgenen Müllsammelstellen überzeugen kann.

          Denn um die Gebühr niedrig zu halten, werden nur kleine Behälter geordert. Das Fassungsvermögen der grauen, gelben, blauen und grünen Tonnen reicht für die anfallenden Mengen häufig nicht aus. Ist dann die Ziel-Tonne voll, wird die aus dem sechsten Stock zum Müllcontainer geschleppte Abfalltüte entweder in den nächstbesten (und damit falschen) Behälter geworfen - oder daneben abgestellt. Denn zurück in die Wohnung trägt den Unrat keiner. Entsprechend liederlich sehen die Müllecken am Rande der Wohnanlagen aus.

          Nach welchen Kriterien der Abfall für den Gelben Sack sortiert wird, ist bis heute nicht jedem klar
          Nach welchen Kriterien der Abfall für den Gelben Sack sortiert wird, ist bis heute nicht jedem klar : Bild: dapd

          Dass es auch anders geht, machen unsere Nachbarn in den Niederlanden, in Italien und Frankreich seit langem vor. Hier gibt es sowohl in Großstädten als auch auf dem Land im Boden versteckte Sammelstationen. Lediglich die Einwurfschächte ragen heraus. Das sind entweder zylinderförmige Edelstahlrohre oder rund einen Meter hohe Blechkästen, an denen sich oben eine Klappe befindet. Hier hinein wirft man den Müll. Der wird dabei keineswegs vermischt, denn für jede Fraktion gibt es einen eigenen Einwurfschacht über einem darunter plazierten Sammelbehälter, der entsprechend farblich gekennzeichnet ist.
          Nicht der prallen Sonne ausgesetzt

          Das klingt simpel, ist es auch. Und weitere Vorteile überzeugen: Im Sommer ist der Abfall unterflur nicht der prallen Sonne ausgesetzt. Entsprechend gering ist die Geruchsbelästigung. Zudem sind die Systeme sicher. Kinder können nicht, wie bei den hierzulande üblichen Vierrad-Tonnen mit Schiebedeckeln, hineinklettern und darin gefangen sein, weil sie nicht mehr herauskommen. Auch Clochards laufen nicht Gefahr, bei der Suche nach einer regensicheren Bleibe in einem dieser Container einzuschlummern und (mit verhängnisvollen Konsequenzen) abgefahren zu werden.

          Alles Ereignisse, die immer mal wieder vorkommen, wie Eric Bernhard vom Entsorgungsriesen Sulo weiß, und auch hierzulande nicht ausgeschlossen seien. Ursache sind die derzeit recht hohen Preise für Altwaren. So seien etwa Altkleider sehr gefragt, was dazu führe, dass immer wieder versucht werde, in das Innere der Alttextilbehälter vorzudringen. Doch das ist schwer, denn diese Container haben eine „Kammerrutsche“. Das ist eine Art Schublade, die man aus dem Sammelbehälter herausklappt. Hier hinein legt man seinen Altkleidersack, schiebt das Schubfach zurück, und der Inhalt fällt in die Tonne. Größere Teile, als in die Klappe passen, kann man nicht einwerfen.

          Genau dieses Prinzip nutzen die Unterflursysteme. Auch hier ist das Volumen der maximalen Portion für eine Zuladung begrenzt, mit dem Vorzug, dass damit ein personenbezogenes und zudem verursachergerechtes Abrechnen möglich ist. Beide Features wollen deutsche Abfallstrategen künftig noch stärker einsetzen, was durchaus Charme hat, aber das Müllsammeln nicht gerade einfacher macht. Anders denkt man etwa in Holland, wo die Kosten der Abfallentsorgung über die Grundsteuer eingetrieben werden. Das führt zwangsläufig zu Ungerechtigkeiten, ermöglicht aber das unkomplizierte und schnelle Einführen eleganter Erfassungssysteme.

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