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Harley-Davidson : Eingedampft

  • -Aktualisiert am

„Rewire“ – Neuverdrahtung – lautet nun die Devise. Hier war es noch Livewire Bild: Harley-Davidson

Bei Harley-Davidson regiert der Rotstift. Wie hart durchgegriffen wird, das zeigte jetzt die Vorstellung der Neuheiten für die kommende Saison.

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          Harley-Davidson hat jetzt – online, versteht sich – einen Ausblick auf seine Neuheiten für die Saison 2021 gegeben. Andere Motorradhersteller haben das, wie üblich, schon im Herbst und in der Vorweihnachtszeit getan. Früher waren die Amerikaner immer die Ersten, jetzt sind sie die Letzten. Das Verschieben der Neuheitenankündigung vom Hochsommer auf den Januar – näher dran an der bevorstehenden Saison – ist sicherlich sinnvoll.

          Es ist aber auch ein Bruch mit bisherigen Gepflogenheiten, Ausdruck umfassender Veränderungen im Unternehmen und Hinweis darauf, dass neue Besen kehren in Milwaukee, Wisconsin. Dort hat mittlerweile Jochen Zeitz, ein Deutscher, das Sagen. Unter Zeitz wird aufgeräumt. Die vom vorherigen Management verkündete Wachstumsstrategie „More Roads to Harley-Davidson“ landete in der Tonne. Abkehr vom kühnen Vorhaben, die Typenvielfalt in alle Richtungen zu spreizen, innerhalb einer Dekade 100 neue Modelle herauszubringen, neue Märkte und Preissegmente anzusteuern.

          Stattdessen: Rotstift, Bündelung, Konzentration auf das, was wirklich Geld bringt. Das künftige Produktportfolio soll um 30 Prozent gestrafft werden. „Rewire“ – Neuverdrahtung – lautet nun die Devise. Dazu gehören das Fokussieren auf die 50 wichtigsten Märkte hauptsächlich in Nordamerika, Europa und Teilen Asiens sowie der Rückzug aus Dutzenden als uninteressant erachteten Regionen. Dem riesigen indischen Markt etwa kehren die Amerikaner den Rücken. Kostensenkung, Stellenstreichungen, ein „Auffrischen“ der Führungsmannschaft sind Bestandteile der Rewire-Reformen, die in einen Fünfjahresplan namens „Hardwire“ münden sollen.

          Vom Ausmaß des Eindampfens vermittelte nun die Vorstellung der „Neuheiten“ eine Ahnung. Modellpflegemaßnahmen für einige teure Cruiser- und Touring-Modelle – das war's. Die relativ günstigen, einsteigerfreundlichen „Street“- und „Sportster“-Baureihen werden gestrichen, ohne dass ein Ersatz in Sicht ist. Allein am kühnen Projekt einer Harley-Reiseenduro namens Pan America wird festgehalten, womöglich, weil es zu weit fortgeschritten war, um es noch zu stoppen. Und was wird eigentlich aus Harley-Davidsons ehrgeizigen Elektro-Plänen?

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

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