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Zweirad-Zulassungen 2020 : Erst das Grausen, dann das Grinsen

  • -Aktualisiert am

Die unangreifbare Reiseenduro BMW R 1250 GS mit 9200 Zulassungen Bild: Hersteller

Das Zweiradjahr 2020 endet anders, als es zunächst ausgesehen hatte. Gewinner sind Vespa und KTM. Die Piaggio Group stellte allein vier der zehn meistverkauften Zweiräder.

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          Wer im April vergangenen Jahres auf die deutschen Zweirad-Zulassungen blickte, bekam das Grausen: Um mehr als zehn Prozent waren die Zahlen seit Jahresbeginn in die Knie gesunken. Die anfangs vage Hoffnung, diese Verluste im Jahresverlauf aufholen zu können, wurde in den folgenden acht Monaten übererfüllt: Die Jahresbilanz 2020 des Industrieverbands Motorrad (IVM) in Deutschland weist ein Plus von rund einem Drittel und überwiegend zufriedene Gesichter auf. Aus 165.000 Neuzulassungen des gut verlaufenen Jahres 2019 wurden fast 219.000.

          Die vier Segmente des Zweiradmarkts schlugen sich allerdings ganz unterschiedlich: Kraftroller verzeichneten ein Plus von sechs Prozent auf 17.600 Einheiten, Krafträder legten um 17 Prozent (fast 20.000 Einheiten) zu und kamen auf 132.000 Stück. „Einerseits haben die Leute statt in Fernreisen gerne in Motorräder investiert, andererseits haben sie sich mit dem Kauf eines Motorrads in Zeiten der Corona-Restriktionen auch ein Stück persönliche Freiheit gekauft“, sagt BMW-Sprecher Tim Diehl-Thiele.

          Noch weitaus besser als Krafträder und Kraftroller schnitten im Vorjahr aber die 125er ab, Leichtkraftroller aus dem Hause Piaggio ganz vorne dran, Leichtkrafträder etwas weniger. Ursache dafür war in erster Linie die neue Führerscheinregelung. Sie erlaubt seit Anfang 2020 das Fahren dieser Fahrzeuge mit überschaubarem Ausbildungsaufwand ohne Prüfung auch vielen Besitzern eines Autoführerscheins. Die 125er Leichtkrafträder legten um 83 Prozent auf fast 38.000 Stück zu, die Leichtkraftroller sogar um 108 Prozent auf gut 31.000 Einheiten.

          Die großen Stückzahlen einzelner Modelle dieser beiden Segmente führten am Jahresende zu einem für Deutschland vollkommen neuen Bild der Jahresbestenliste nach Modellen: Vier der zehn meistverkauften Zweiräder waren 125er, nur noch fünf waren Krafträder. Auf den drei Spitzenplätzen kamen die nach wie vor unangreifbare Reiseenduro BMW R 1250 GS mit 9200 Zulassungen, die ebenso ausdauernde Vespa GTS-300 Super (7400) und die KTM 125 Duke (5400) als Bestseller unter den Leichtkrafträdern ein. Die Piaggio Group stellte allein vier der zehn meistverkauften Zweiräder, KTM immerhin zwei.

          „Wir erwarten, dass die Nachfrage nach Leichtkraftrollern und Leichtkrafträdern auch dieses Jahr weit höher ausfällt als in früheren Jahren, wenn auch wohl nicht ganz so hoch wie 2020“, sagt Ralph Zimmer optimistisch; er analysiert für Piaggio den deutschen Zweiradmarkt. Insbesondere den kleinen Vespas (Primavera, GTS 125) gibt er gute Chancen, auch das Jahr 2021 mit einem Spitzenplatz abzuschließen.

          Im Feld der Krafträder, die den deutschen Zweiradmarkt aber wohl weiter stärker dominieren werden, als das beispielsweise in Italien, Frankreich oder Spanien der Fall ist, haben sich 2020 deutliche Veränderungen ergeben: Zwar ist BMW mit rund 26.700 Einheiten nach wie vor tonangebend, doch hat sich KTM wegen seines überdurchschnittlichen Wachstums mit rund 16.500 Einheiten erstmals auf Rang zwei vorgeschoben und dadurch Honda, Kawasaki sowie Yamaha hinter sich gelassen. Sichtbares Zeichen dafür ist in der Modell-Hitparade, dass KTM drei Modelle unter den Top 10 der Krafträder plazieren konnte; Kawasaki und Yamaha schafften je zwei, BMW, Honda und Suzuki mussten sich mit je einem Modell begnügen.

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