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Pedelec-Antriebe und Displays : Bosch dreht am Rad

  • -Aktualisiert am

Der Performance-Line-CX-Motor wurde geschrumpft. Bild: Hersteller

Zum Jubiläum geht es bei Bosch elektrisch weiter: Die Pedelec-Antriebe werden überarbeitet. Neue Displays locken mit Finessen.

          Vor zehn Jahren fiel bei Bosch die Entscheidung, mit einem unternehmens-internen Start-up in die Elektrifizierung von Fahrrädern einzusteigen. Vom heutigen Vorsitzenden der Geschäftsleitung, Volkmar Denner, gefördert, war man dabei keineswegs ein Pionier, stützte sich aber auf eine solide technische Mitgift: Erfahrungen mit Motoren, Akkus und Steuerung. Auf der Eurobike 2010 wurde ein backsteingroß unter dem Tretlager hängender Antrieb präsentiert, im Frühjahr 2011 waren die ersten Räder im Handel. Im kommenden Jahr nun wird „Bosch E-Bike Systems“ ein eigener Geschäftsbereich im Unternehmen. Und in Westeuropa kommen heute Kunden ins Fahrradgeschäft und verlangen ein Bosch-Fahrrad, obwohl man gar keine Pedelecs baut, sondern nur Zulieferer ist.

          Wie andere auch musste Bosch Lehrgeld zahlen: Sperrklinken blieben im Front-Freilauf hängen, weil die Schmierung nicht stimmte, die Motoren mussten kleiner, leiser und stärker werden, denn die Konkurrenz schlief nicht. Aber auf die Länge der Zeit siegte die Beharrlichkeit, mit der Bosch Zuverlässigkeit und alle Jahre Verbesserungen und – nicht immer als Erster – Neuheiten bot. Beispielsweise wurden für Stadt- und Trekkingräder genauso wie für elektrische Mountainbikes eigene Produktlinien präsentiert. Das setzt sich im Modelljahr 2020 fort mit den neuen Motoren der Cargo Line für Lastenräder, weil die sich unbeladen anders fahren als bepackt.

          Lang erwartet erscheint die Performance Line grundlegend überarbeitet, auch in der CX-Version fürs Gelände. Neu: Die sportlich-kraftvollen Antriebe sind nun wie zuvor schon die der Active Line kleiner und vor allem deutlich leiser geworden. Das gilt allerdings kaum für die Performance Line CX, die nach wie vor hörbar zu Werke geht. Hier ist der Fortschritt ein verringerter Abstand der Tretlagerwelle zur Hinterkante des Motors. Das erlaubt den Konstrukteuren von E-Mountainbikes, den Hauptdrehpunkt der Hinterradschwinge noch näher ans Tretlager zu bringen.

          Das Display Kiox wird zum Zündschlüssel.

          Früh setzte man bei Bosch auf Konnektivität: Zunächst im Alleingang mit dem Display Nyon, das mit einem proprietären Portal und großem Bildschirm die Funktionalität Navigation integrierte. 2017 kaufte Bosch Cobi, um das Smartphone am Lenker in die Bosch-Welt einzubinden. Im kommenden Jahr wird daraus der Smartphone-Hub, der mit einem rudimentären Display (1,52 Zoll) die wichtigsten Fahrdaten auch dann zeigt, wenn das Smartphone nicht aufgesteckt ist. Mit dem und der von Cobi entwickelten App greift man einerseits auf sein Bike zu und hat andererseits Zugang zur großen weiten Netzwelt von Apple Health bis Komoot oder Strava.

          Zum Display Kiox lässt sich vom Modelljahr 2020 an die Funktion „Lock“ als Ergänzung zu einem mechanischen Schloss für einen Zehner hinzukaufen: Der Bordcomputer und der Antrieb des Rades werden gepaart; nur noch dieses Kiox kann den Motor zum Leben erwecken. Zieht man das Display ab, ist der Motor dauerhaft blockiert. Das Gleiche passiert, wenn die Software neuerer Motoren nicht plausible Messwerte empfängt. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Motor durch Halbieren von Impulszahlen zur Mehrleistung animiert wird.

          Im Falle solchen Tunings wird die Motorunterstützung stark reduziert. Die Blockade lässt sich zweimal zurücksetzen: Dazu muss der Tuner etwa anderthalb Stunden mit reduzierter Leistung radeln. Aus Sorge, das allenthalben angebotene Frisieren von Elektrorädern könne zu unerwünschten Reglementierungen führen, agiert Bosch als Spielverderber: Nach der dritten Manipulation bleibt die Unterstützung dauerhaft aus, und das lässt sich nicht mehr umkehren.

          Nach wie vor schwer hat es beim Thema Sicherheit das ABS für Elektroräder, das Bosch im vergangenen Jahr nach einer Einführungsphase auf den Markt brachte. Der schwarze Kasten unter dem Lenker kommt bei Herstellern, Händlern und Endkunden gleichermaßen schwer an, obwohl die tadellose Funktion völlig außer Frage steht. Bosch hat Motorrad-Technik fürs Pedelec adaptiert. Das System ist teuer und treibt den Preis eines Elektro-Rads in Regionen, wo eher das Design eines Bikes und weniger der Aspekt der Sicherheit kaufentscheidend sind.

          Die Entwicklung, auch besonders leistungsfähige Akkupacks im Fahrradrahmen verschwinden zu lassen, hat Bosch wesentlich mitgetragen. 2020 kommt mit dem Powertube 625 ein 3,5 Kilogramm wiegendes Paket der schlanken Maße von rund 42 × 8,5 × 6,5 Zentimeter, das wieder einen Ticken mehr Kapazität als die 612-Wattstunden-Akkus von anderen hat und mit einem zweiten Akku koppelbar ist.

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