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Zulassungsbilanz 2008 : Nicht alle waren Verlierer

Sieger: Mehr als jedes vierte neue Auto gehört in die Kategorie von VW Golf und Co. Bild: Hersteller

Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg unterteilt den Markt in elf Segmente. Es fällt sofort auf, dass es dort einen „Sieger“ gibt: die Superkompakten. Mehr als jedes vierte neue Auto gehört in die Kategorie von VW Golf und Co.

          3 Min.

          Das Jahr 2008 war kein gutes Autojahr, keine Frage. Waren sich die Auguren zu Jahresbeginn noch sicher, dass es nach dem schlechten Jahr 2007 nur noch aufwärtsgehen könne, hat sie die Finanzkrise eines Besseren belehrt. Zwar wurde die Drei-Millionen-Grenze noch geknackt, 3.090.040 Neuzulassungen von Januar bis Dezember bedeuten aber letztendlich ein Minus von 1,8 Prozent im Vergleich mit 2007 und das schlechteste Ergebnis seit der Wiedervereinigung.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          2007 hatte das Minus bereits 9,2 Prozent zu 2006 betragen. Im Übrigen war 2008 auch der Gebrauchtwagenmarkt rückläufig: Mit 6.112.364 Besitzumschreibungen wurden 2,4 Prozent weniger Autos aus zweiter Hand abgesetzt als im Vorjahr.

          Dataforce: Der Privatmarkt schließt mit 3,4 Prozent im Plus

          Doch so schlecht war 2008 gar nicht: Das Minus rührt hauptsächlich daher, dass die Fahrzeughändler schlichtweg weniger Neuwagen auf sich selbst zugelassen haben. Nach Angaben der Frankfurter Dataforce GmbH fehlen 130.764 Tages- und Vorführwagen-Anmeldungen in der Statistik. Noch 2007 wurden 724.195 (18,1 Prozent mehr) solcher Zulassungen registriert. Außerdem haben die Autovermieter 3,6 Prozent weniger (insgesamt 317.049) Personenwagen in den Verkehr gebracht. Die Zahlen für 2007 waren also noch geschönt. Der reine Privatmarkt, der nur noch 40 Prozent der Zulassungen ausmacht (1,24 Millionen Neuwagen), ist so betrachtet mit 3,4 Prozent im Plus. Auch der Flottenmarkt ist positiv (667.482 Einheiten, plus 3,8 Prozent), und die Fahrzeughersteller haben sich zudem nicht lumpen lassen: 246.063 Eigenzulassungen bedeuten ein Plus von 8,2 Prozent.

          Das Kraftfahrt-Bundesamt in Flensburg, das jedes einzelne Fahrzeug akribisch zählt, unterteilt den Markt in elf Segmente, und es fällt sofort auf, dass es dort einen „Sieger“ gibt: Es sind die Superkompakten, früher etwas banal auch Kleinstwagen genannt, die dank Fiat 500, Smart und Renault Twingo um glatte 18 Prozent zulegen. Sie bleiben aber mit einem Anteil von nur sechs Prozent am Zulassungskuchen ein Nebenschauplatz.

          Das viertstärkste Segment ist schon lange das der Minivans

          Die Musik spielt nach wie vor bei den Kompaktwagen. Mehr als jedes vierte neue Auto gehört in die Kategorie von VW Golf und Co. Das Segment legt um ein halbes Prozent zu (jeweils im Vergleich mit 2007). Die Kleinwagen, mit 18,0 Prozent Anteil die Nummer 2 unter den Segmenten, geben 6,3 Prozent ab – wahrscheinlich zugunsten der Minis.

          Dass sich die Mittelklasse (17,3 Prozent Anteil) noch um 3,3 Prozent steigert, mag überraschen, gespart wird offenbar im Segment darüber: Die „Obere Mittelklasse“ verliert 18,6 Prozent und hat jetzt einen Anteil von 4,8 vom Hundert. Auch die Oberklasse (mit 27 962 Einheiten nur 0,9 Prozent Anteil) verliert mit 6,5 Prozent eher deutlich.

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