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Zugmesse Innotrans : Neuer Antrieb für die Bahn

  • -Aktualisiert am

Der Cordia Ilint ist der erste fahrende Brennstoffzellenzug. Bild: AFP

Auf der Suche nach dem Antrieb der Zukunft fahren bei Eisenbahnen Diesel, Hybrid und Brennstoffzelle um die Wette. Einer davon könnte sogar das Problem überschüssiger Windkraft mindern.

          Alstom hat auf der Innotrans in Berlin den weltweit ersten Zug mit Brennstoffzellenantrieb vorgestellt. Der Coradia Ilint könne in Zukunft „saubere Mobilität in alle Regionen bringen“, sagte Verkehrsminister Alexander Dobrindt am Dienstag auf der internationalen Eisenbahn-Leitmesse. Der Zug basiert auf dem weitverbreiteten Coradia Lint, der unter anderem als Baureihe 648 bei der Deutschen Bahn seinen Dienst versieht. Seine Ursprünge reichen bis zum Hersteller Linke-Hofmann-Busch (LHB) zurück.

          Ist die Bahn reif für Brennstoffzelle und Wasserstoff? Der Ilint sei „absolut kein technischer Exot“, betont Didier Pfleger, Vizepräsident von Alstom für Deutschland und Österreich. Daher setze der französische Konzern bei dem in Salzgitter gebauten Brennstoffzellenzug auf bewährte Technologie. Beispielsweise komme die Tanktechnik aus dem Bereich der Busse und sei für den Einsatz im Ilint hochskaliert worden.

          Ab 2019 im Regionalverkehr unterwegs?

          Die Frage der Zulassung bleibt dennoch spannend. Derzeit strebt der Hersteller an, Ende 2017 vom Eisenbahn-Bundesamt die Freigabe für Testfahrten der beiden Prototypen im Passagierbetrieb zu bekommen. Vorher wird der Ilint auf der unternehmenseigenen Teststrecke in Salzgitter (bis 80 km/h) und ab Anfang 2017 auf dem Eisenbahnversuchsring im tschechischen Velim erprobt. Ab 2019 soll dann eine erste Serie von 14 Zügen in Norddeutschland im Regionalverkehr eingesetzt werden.

          Der Ilint fährt bis zu 140 km/h schnell, hat 150 Sitzplätze und soll mit einer Tankfüllung Wasserstoff 600 bis 800 Kilometer zurücklegen können. An die Stelle des herkömmlichen Antriebs mit Dieselmotor und mechanischer Kraftübertragung im Lint tritt ein Elektromotor mit Energiespeicher. Brennstoffzelle und Tanks sind auf dem Dach untergebracht.

          Auch Interesse aus den Niederlanden und Skandinavien

          Premiere hat der Ilint bei den Eisenbahnen und Verkehrsbetrieben Elbe-Weser (EVB) auf der Strecke von Buxtehude bis Cuxhaven. Der zumindest aus Perspektive der Energieversorgung dann wohl modernste Regionalzug Deutschlands trifft im EVB-Fuhrpark auf den Klassiker schlechthin, den Uerdinger Schienenbus. Die EVB gehören zu mehr als 80 Prozent dem Land Niedersachsen. Das Bundesland hatte 2014 ebenso wie Baden-Württemberg, Hessen und Nordrhein-Westfalen eine Absichtserklärung zur Anschaffung des mit Wasserstoff betriebenen Zuges unterschrieben. Die vier Landeswappen der potentiellen Kunden waren auf der Innotrans denn auch am Ilint angebracht. Interesse gebe es zudem aus den Niederlanden und aus Skandinavien, heißt es bei Alstom. Auch in Südtirol wird derzeit über die Umstellung der Eisenbahnstrecke im Vinschgau von Diesel auf Brennstoffzellenantrieb diskutiert. Damit soll die Kapazität der 2005 wiedereröffneten Vinschgerbahn umweltfreundlich gesteigert werden.

          Stehen also alle Signale auf Grün für die Brennstoffzelle auf der Schiene? Das ist trotz des Interesses verschiedener Betreiber noch keineswegs ausgemacht. Denn die Versorgung von Zügen mit Wasserstoff würde eine völlig neue Infrastruktur erfordern. Bisher bekommt die Bahn ihre Energie nämlich entweder aus der Oberleitung oder dem Dieseltank. Um diese Herausforderung weiß auch Alstom. Deshalb bietet der Hersteller seinen Kunden eine Paketlösung an: Neben der Lieferung der Züge soll dazu auch die Wartung und Instandhaltung gehören sowie der Aufbau und Betrieb eines Wasserstoff-Tankstellennetzes.

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