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F.A.Z. exklusiv : ZF erhält Milliardenauftrag von BMW für neue Getriebe-Generation

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Der ZF-Vorstandsvorsitzende Wolf-Henning Scheider. Bild: dpa

Die Bayern setzen zur Erreichung der CO2-Ziele auf eine elektrisierte Achtgang-Automatik. Sie wollen ihren Anteil an Hybrid- und Plug-In-Hybriden deutlich steigern.

          Der Automobilzulieferer ZF hat sich einen Großauftrag für die Weiterentwicklung seiner Achtgang-Automatik gesichert. Nach Informationen der F.A.Z. liefert das das schwäbische Unternehmen vom Jahr 2022 an über eine nicht näher definierte Laufzeit mehrere Millionen Getriebe an BMW und kommt so auf ein Auftragsvolumen im zweistelligen Milliardenbereich. Es gebe keine exakte Zahl, weil die Laufzeit und Abnahmemenge an die Entwicklung des Fahrzeugmarktes gekoppelt seien, sagt Stephan von Schuckmann, der die Antriebs-Division beim Zulieferer leitet, auf Anfrage. Doch nennt er das Volumen signifikant und den Abschluss den größten in der Geschichte des Unternehmens. Zudem hält er die Vereinbarung mit BMW auch für den größten Auftrag, den ein Zulieferer bislang je von einem Fahrzeughersteller erhalten hat.

          Den Ausschlag für den Einkauf hat laut von Schuckmann die Weiterentwicklung der seit 2009 bei nahezu allen Premiumherstellern im Einsatz befindlichen Automatik hin zum Hybridgetriebe gegeben. Auf nahezu unverändertem Bauraum haben die Schwaben im Gehäuse der Achtgang-Automatik Platz für einen optionalen Elektromotor geschaffen,  der mit bis zu 160 kW stark genug ist, ein  Auto über weite Strecken auch alleine zu bewegen und so die elektrische Einsatzzeit deutlich erhöht. ZF-Vorstandsvorsitzender Wolf-Henning Scheider sieht dem Vernehmen nach in dem Großauftrag eine „Bestätigung unserer Strategie, bei der Elektrifizierung von Personenwagen stark auf Plug-in-Hybridantriebe als alltagstauglichen Allround-Antrieb zu setzen.“ 

          Als Baukasten konzipiert und weitgehend frei skalierbar, eignet sich die weiterentwickelte Automatik damit für nahezu allen Fahrzeugklassen mit Front-Längs-Antriebskonfiguration und kann über die Stärke des EE-Motors und die Größe des Batteriepakets den Anforderungen von Modell und Markt angepasst werden. „Das schafft eine bislang nie dagewesene Flexibilität und ist damit perfekt für eine Zeit, in der keiner so recht vorhersagen kann, wie sich der Markt für Mild- oder Plug-In-Hybride tatsächlich entwickeln wird“, meint von Schuckmann. Zudem ermögliche der Getriebebaustein als „Plug and Play“-Modul die relativ einfache Umstellung eines konventionellen Autos auf eine zukunftsfeste Antriebstechnik, ohne tiefere Eingriffe in den Antriebsstrang oder den Aufbau des Fahrzeugs. Für die Akkus müssen die Fahrzeugentwickler freilich dann trotzdem noch Platz schaffen.

          BMW hat mit dem Getriebe entsprechend viel vor und will seinen Anteil an Hybrid- und Plug-In-Hybriden mit einer elektrischen Reichweite von mehr als 100 Kilometern in den Modellen mit der bisherigen Achtgang-Automatik von aktuell fünf auf bis zu 50 Prozent steigern. Dafür kommen die Schwaben den Bayern auch räumlich entgegen: Nachdem die Produktion im ersten Quartal 2022 im Getriebe-Stammwerk in Saarbrücken angelaufen ist, will ZF die neue Automatik schnell auch in Gray Court in den Vereinigten Staten und im chinesischen  Shanghai lokalisieren.

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