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Yamaha YZF-R 125 : Und nenn' mich niemals Kleines

Die Yamaha YZF-R 125 ist ihren Vorbildern R1 und R1 wie aus dem Gesicht geschnitten Bild: Hersteller

Die Kleine sieht aus wie eine Große: Ist der Nachwuchs noch fürs Motorrad zu begeistern? Schwer. Wenn es diese 125er von Yamaha nicht schaffen sollte, was denn dann? Eine Einstiegsdroge, vor der man die Jugend nicht schützen muss.

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          Eine Einstiegsdroge ist etwas, vor dem man die Jugend eigentlich schützen möchte. Deshalb geht einem der Begriff in diesem Zusammenhang nur schwer über die Tastatur. Aber er trifft's genau, und es gibt auch keinen Grund, dass der städtische Arbeitskreis Jugend, Drogen und Suchtprävention hier hellhörig wird. Die Einstiegsdroge ist die Yamaha YZF-R 125.

          Walter Wille
          Redaktion „Technik und Motor“

          Der Motorradmarkt braucht dergleichen. Denn es ist einfach angenehm und für die Industrie auf längere Sicht hochnotwendig, dass unter einem Integralhelm hin und wieder ein junges Gesicht steckt. Heutzutage stecken viele Gesichter drunter, deren Einstieg in die Welt des motorisierten Zweirads mit Namen wie Hercules, Kreidler, Puch und Zündapp verbunden ist. Das ist eine Weile her, ungefähr 30 bis 40 Jahre.

          Die Kleine sieht aus wie eine Große

          Für ein Gerät wie die R 125 hätte man damals der Oma jeden Tag die Kohlen aus dem Keller geholt. Aber ein Gerät wie die kleine R existierte noch nicht. Heute, wo der Händler so was für 3595 Euro aus der Kiste packt, muss es sich in der Gunst der Jugend gegen übermächtige Gegner behaupten. Es handelt sich um PC, PSP und Xbox, den iPod, MSN sowie die scheinbar selbstverständliche Aussicht auf ein Auto mit 18. Es sind außerdem die hohen Kosten für den A1-Führerschein, hemmende Regelungen wie die in Deutschland verlangte Drosselung einer 125er-Maschine auf 80 km/h für Sechzehn- und Siebzehnjährige und nicht zuletzt Sicherheitsbedenken ganz allgemein und von besorgten Müttern im Besonderen. Dagegen tritt nun dieses Leichtkraftrad mit einem Design an, das beschwört: Hierher, Leute, ihr verpasst sonst was!

          Die Kleine sieht aus wie eine Große. Yamaha stellt sie ausdrücklich als ein echtes Mitglied der Supersportfamilie neben die R6 und die R1 mit ihren 600- und 1000-Kubik-Motoren. Die gewohnte Konstellation bei den Achtelliter-Maschinchen im Sportler-Dress lautete bisher: Honda CBR 125 - und dahinter lange nichts in den Zulassungsstatistiken. Das Angebot ist überschaubar, es gibt hier und da etwas aus Fernost (Kymco, Hyosung, Daelim), aus Spanien (Derby, Rieju) und zwei schöne Zweitakt-Italienerinnen (Aprilia, Cagiva), die sich mit ihren hohen Preisen von mehr als 5000 Euro jedoch freiwillig hinten anstellen. Zur ernsthaften Attacke auf die Honda und das Herz der Jugend setzt nun die Yamaha an.

          Scharfe Linien, grimmiger Blick

          Sie lässt die (mit einem Preis von 2990 Euro günstigere) CBR auf Anhieb ein wenig altbacken aussehen. Mit ihren scharfen Linien, dem grimmigen Doppelscheinwerferblick, der schmalen Leuchtdiodenreihe im lichten, steilen Heck, der schicken Aluminium-Schwinge und dem eindeutigen optischen Schwerpunkt rund um den Motor entspricht sie genau der aktuellen Supersport-Mode. Toll gemacht, die kleine R wird von entgegenkommenden Big Bikes gegrüßt werden, so viel ist sicher. Ihre betont ausgewachsene Gestalt erzeugt Motorradgefühl, der Radstand von 1353 Millimeter zum Beispiel übertrifft den der Honda um fast 60 Millimeter. Auch die vergleichsweise breiten Reifen (vorn 100/80-17, hinten 130/70-17) signalisieren: Aus der Pubertät bin ich heraus.

          Selbstverständlich hat die Großspurigkeit eine Grenze, sie liegt bei genau 11 kW (15 PS). Yamaha schöpft hinsichtlich der Leistung die Möglichkeiten der Klasse aber voll aus. Mit Flüssigkeitskühlung, Einspritzung und Vierventiltechnik, Doppelkatalysator und Sekundärluftsystem ist der neue Viertakt-Einzylinder (er steckt in einem Deltabox-Stahlrahmen) auf der Höhe der Zeit. Mit einem Bohrungs-/Hubverhältnis von 52 zu 58,6 Millimeter ist der Single zugunsten der Drehmomentausbeute (maximal 12,2 Nm bei 8000/min) eher langhubig ausgelegt.

          In Nöten durch die Jugendliebe

          Man kann die R 125 tatsächlich recht untertourig rollen lassen, zur nachhaltigen Überwindung der natürlichen Trägheit hält man sich indes zwischen 7500 und 10.500 Umdrehungen auf, bei regem Gebrauch des leichtgängigen Sechsganggetriebes. Nur 126,5 Kilo sind zu bewegen, plus Fahrer, Treibstoff (13,8-Liter-Tank) und ein bisschen Öl. Rund 120 km/h zeigt der Tacho an, wenn man lang genug am Anschlag bleibt - sofern es sich um die ungedrosselte Variante handelt. Die Schräglagenfreiheit ist groß, was aber besorgte Mütter nicht wissen müssen.

          Der Schalldämpfer macht äußerlich was her - und verdient seinen Namen wahrlich, was die Anwohnerschaft mögen, der Reiter aber möglicherweise zu ändern versuchen wird. Mit ihrem Einzylinder-Knötern erschreckt die Yamaha keinen Kanarienvogel. Die Sitzposition ist angemessen sportlich, das Polster dürfte für ein direkteres Fahrgefühl sogar noch etwas straffer sein. Bremsen und Federelemente sind großzügig dimensioniert und arbeiten gut. Mit der Jugendliebe hintendrauf könnte das hintere Federbein aber in Nöte geraten; eine Einstellmöglichkeit wäre nicht schlecht, passte jedoch nicht mehr in die Preiskalkulation.

          Die YZF-R 125 soll Ende März/Anfang April in den Handel kommen. Der hält für den Jugendschutz zudem Helm und Kombi bereit. Noch so ein unangenehmer Kostenfaktor. Es wird ernsthafte Gespräche unter Omas und Enkeln geben müssen.

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