https://www.faz.net/aktuell/technik-motor/motor/yamaha-mt-10-mit-160-ps-im-motorrad-test-14232690.html

Fahrbericht Yamaha MT-10 : Im Crazy-Modus

Von der R1 übernimmt die MT-10 mehr als nur diese Leuchten. Die teuren, exzellent arbeitenden Komponenten von Fahrwerk und Bremsanlage spendet ebenfalls das Superbike, jeweils neu abgestimmt auf den Straßenbetrieb. Drastisch modifiziert und von 200 auf 160 PS (118 kW bei 11 500/min) eingedampft wurde der 1000-Kubik-Vierzylinder, um den spitzen, drehzahlgierigen Charakter der R1 in zivilerere Umgangsformen zu überführen. Das heißt: Mehr Drehmoment in niedrigen Drehzahlen, weniger Höchstleistung und Höchstgeschwindigkeit. Hier bietet die MT-10 mit offiziell 245 km/h trotz allem mehr als genug.

Von einem schwarzen Loch angesaugt

Das Drehmoment-Maximum von exakt 111 Newtonmeter entspricht dem der R1, mit dem Unterschied, dass die MT-10 wesentlich früher und mit erfreulicher Konstanz ordentlichen Schub liefert. Die „Crossplane“-Bauweise mit 90 Grad Hubzapfenversatz verleiht dem Reihenvierzylinder ein knurriges Charisma bei einer dermaßen kristallklaren Leistungsentfaltung, dass es einem regelrecht in der Gashand knistert. Mit dem Wumms eines Drehmomentmonsters bei untertouriger Fahrweise kann die MT nicht dienen, mit Eintritt in den mittleren Drehzahlsektor indes wird es vehement. Wer jenseits von etwa 7000/min am Gas bleibt, dem stockt der Atem angesichts dessen, was dann passiert. Es fühlt sich an, als werde das Motorrad von einem schwarzen Loch angesaugt.

Um einem solchen Schicksal zu entkommen, sind ABS sowie eine dreistufig verstellbare Traktionskontrolle vorhanden. Die Schaltung agiert knochig, einen Quickshifter für Gangwechsel ohne Kupplungsbetätigung gibt es gegen Aufpreis. Serienmäßig stehen drei Fahrmodi für ein unterschiedlich direktes Ansprechen auf Gasbefehle zur Wahl, wobei der Motor in der höchsten Stufe so unsanft, so ruckig zu Werke geht, dass man sich das allenfalls ein paar Minuten am Tag antut. Vom „Crazy-Modus“ sprechen die Yamaha-Mannen intern. Ein kalkulierter Gag.

Mindestens so crazy ist auch der im Prinzip vorhandene Platz für einen Beifahrer, dessen Fußrasten so hoch plaziert sind, dass er dem Vordermann mit den Knien die Ohren zuhalten könnte, wenn der keinen Helm trüge. Die Sitzposition des Fahrers dagegen empfanden wir als perfekt: sportlich, zugleich komfortabel, beste Übersicht. Ohnehin stellt sich bei näherer Beschäftigung mit der kompakten, agilen MT-10 heraus, dass es sich nicht bloß um eine nackte Version der R1 mit breiterem, höherem Lenker handelt.

Praktische Talente sind durchaus vorhanden. Ein Tempomat erleichtert Langstrecken, eine 12-V-Steckdose versorgt Handy und Navi, ein höherer Windschild lässt sich ebenso anbringen wie ein Komfortsitz, Heizgriffe sowie ein Satz Seitentaschen, die sich an den verstärkten Heckrahmen hängen lassen.

Da hat Yamaha tatsächlich so etwas wie Vernunft eingebaut. Aber gut getarnt, und diese Tatsache sollte daher, pssst, unter uns bleiben.

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