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Yamaha FZ 8 Frazer : Zwischen genug und zu viel

Der Allrounder Yamaha Fazer 8 bietet soliden Spaß zum attraktiven Preis Bild: Wille

Die Klasse der 800-Kubik-Motorräder belebt sich auffallend. Die Yamaha FZ 8 Fazer zeigt, warum das so ist. Sie hat insgesamt eine ansprechende Verarbeitung. Nur das Sechsganggetriebe der Testmaschine empfanden wir als hakelig.

          Schwächliche Motorräder, deren Gasgriff man hinter dem Scheitelpunkt der Kurve auswringt, damit es halbwegs vorwärts geht, gibt es kaum noch. Die Krafträder von heute sind im Wesentlichen in zwei Leistungskategorien einzuordnen: Genug und zu viel. Dazwischen gibt es allerdings eine weitere, in der sich in jüngster Zeit immer mehr Neuzugänge tummeln. Zwischen Genug und Zuviel liegt die Kategorie Reichlich. Der sind die neue Yamaha FZ 8 Fazer und ihre bis auf die fehlende Halbverkleidung identische Schwester FZ 8 zuzurechnen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Die Maschinen dieser Klasse haben einen Hubraum von rund 800 Kubikzentimeter sowie eine Nennleistung von gut 60 bis knapp 80 Kilowatt, also rund 90 bis 110 PS. Das Yamaha-Duo rangiert mit 78 kW (106 PS) bei 10 000 Kurbelwellenumdrehungen am oberen Ende, bei 8000/min erreicht sein 779-Kubik-Reihenvierzylinder, der mit elektronisch gesteuerten Sekundär-Drosselklappen arbeitet, sein Drehmomentmaximum von 82 Newtonmeter. Da bleiben wenig Wünsche offen. Natürlich gibt es Zeitgenossen, die der Ansicht sind, reichlich sei nie genug, weil man gar nicht zu viel haben könne. Wir sehen das anders. Viele teilen diese Meinung offenbar, auf den vorderen Plätzen der deutschen Zulassungsstatistik finden sich einige Vertreter der Klassen Genug und Reichlich.

          Die FZ 8 trifft in ihrer ersten Saison unter anderem auf die ebenfalls noch recht neuen Konkurrentinnen BMW F 800 R, Ducati Monster 796, Aprilia Shiver 750 und Triumph Street Triple R. Suzuki kommt 2011 mit der GSR 750. Im Listenpreis von 8495 Euro für die FZ 8 ist das ABS schon enthalten. In dieser Klasse wird mit Preisen hart gekämpft. Die Folge: Der Kunde bekommt viel fürs Geld. Bei unserer Testmaschine handelte es sich um die alltags- und reisetauglichere Fazer-Variante mit Halbschale als Bollwerk gegen den Fahrtwind. Wer sich für die Halbverkleidung entscheidet, hat zunächst 300 Euro mehr auf den Tisch zu legen, später aber weniger Mückenleichen auf dem Anzug.

          Verbrauch von rund fünf Liter auf 100 Kilometer

          Gut beherrschbares Gewicht von 220 Kilogramm

          Das nicht rekordverdächtig geringe, aber gut beherrschbare Gewicht von 220 Kilogramm mit vollem Tank ist schon ein Hinweis: Hier geht es um Leichtigkeit und Maßhalten. Wir haben im täglichen Gebrauch, einer Mischung aus Berufsverkehr und Entspannungsrunde nach Feierabend einen Verbrauch von rund fünf Liter auf 100 Kilometer registriert, ohne besonders schonend oder fordernd gefahren zu sein. Eben einfach so, wie es sich gerade ergab. Meistens summt und säuselt der Motor bei solchen Übungen, wie es moderne Reihenvierer eben so tun, denen man den Krawall abgewöhnt hat. Allein in hohen Drehzahlen lässt er sich akustisch ein wenig aus der Reserve locken.

          Die arme Fazer 8 hatte die undankbarste Aufgabe des Jahres zu erfüllen. Ihr Gastspiel in der Redaktion fiel in eine Phase grauenhaften Regenwetters mit niedrigen Temperaturen. Und das Schicksal hatte sie in der Reihenfolge der Testmaschinen zur unmittelbaren Nachfolgerin der charismatischen MV Agusta F4 gemacht, mit mehr als 180 PS eines der stärksten Supersport-Motorräder überhaupt. Da hat man beim Umstieg auf den Yamaha-Allrounder zunächst das Gefühl, den Gasgriff auswringen zu müssen. Aber nur so lange, bis man es das erste Mal versucht hat.

          Er nimmt sauber Gas an

          106 PS - das ermöglicht zum Beispiel eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 225 km/h. Wichtiger: Die Weite des nutzbaren Drehzahlbereichs dieses Yamaha-Motors ist enorm, reicht von deutlich unter 2000/min bis jenseits der 10 000. Anders als viele andere Reihenvierzylinder verschont dieser den Fahrer durchweg mit unangenehmem Kribbeln. Er nimmt sauber Gas an, läuft wunderbar weich, kommt zügig zur Sache. Im Drehzahlbereich um 5000/min herum agiert er weniger druck- und eindrucksvoll, als man erwarten könnte, es kommt einem vor wie ein Durchschnaufen für das, was danach folgt. Ab 7000/min stürmt die Maschine voran, als seien Schwerkraft und Luftwiderstand abgeschaltet. Furios. Das sind allerdings Drehzahlen, die bei gewöhnlicher Landstraßenfahrt selten genutzt werden.

          Regenwetter, MV Agusta im Nacken - ein schweres Los. Andererseits hätte der Fazer nichts Besseres passieren können. Unter solchen Umständen tritt die Stärke eines Motorrads wie dieser Yamaha hervor: die unaufgeregte Selbstverständlichkeit, mit der alles abläuft. Exzellente, sportlich-lockere Sitzposition mit gutem Überblick, gelungen abgestimmtes Fahrwerk mit einem guten Schuss Komfort, tadelloses Lenkverhalten tragen wesentlich zur Unbeschwertheit bei. Das Sechsganggetriebe der Testmaschine empfanden wir als hakelig, das Abblendlicht als mau. Einen Hauptständer gibt es nur gegen Aufpreis. Ansonsten: hervorragende Bremsen, Instrumente, die alle notwendigen Informationen übersichtlich präsentieren, insgesamt ansprechende Verarbeitung.

          Und die moderate, man könnte auch sagen vernünftige Entfaltung der Leistung untenherum ist im Grunde kein Nachteil. Diese Art von Gewaltverzicht trägt zum Wohlfühlen und Entspannen bei, was spätestens dann klar wird, wenn man bei Regenwetter auf Straßenbelag mit zweifelhafter Griffigkeit unterwegs ist. Das ist Charisma durch Freundlichkeit und Funktion. Die Fazer hat reichlich davon.

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