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Yamaha EC-03 : Der rasende Piepmatz

  • -Aktualisiert am

Schlanke E-Mobilität: Yamaha EC-03 Bild: Pardey

Kein Roller und kein Fahrrad: Yamaha spricht so ehrlich wie völlig zutreffend vom „Elektrozweirad“ und eröffnet konsequent dafür eine eigene Kategorie. Unterwegs mit dem EC-03.

          2 Min.

          Wer den (oder das?) EC-03 von Yamaha als Neuheit auf den Websites des Motorrad- und Roller-Herstellers sucht, muss genau hingucken: Die Japaner sprechen so ehrlich wie völlig zutreffend von einem „Elektrozweirad“ und eröffnen konsequent dafür eine eigene Kategorie. Das EC-03 (Motorleistung 1,4 kW) ist, auch wenn es vom Roller ein paar - sich nicht nur optisch auswirkende - Gene hat, weder ein Scooter (und schon gar kein Motorrad im herkömmlichen Sinne) noch ein Elektrofahrrad. Doch erinnere man sich: Die ersten funktionssicheren, aber für europäische Körpermaße viel zu kleinen Rädchen mit E-Motor und Akku kamen von Yamaha, lang, lang ist's her.

          Beim EC-03 handelt es sich um ein L1e, ein Leichtkraftrad mit Elektromotor, auf eine Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h (laut Papieren: 43 km/h) beschränkt. Damit sind in Vergleich zu ziehende Fahrzeuge etwa „schnelle Pedelecs“ mit Versicherungskennzeichen, aber ohne Helmpflicht. Auf dem EC-03 trägt man Helm. Es hat keine Pedale und keine Kette, sondern nur einen Drehgriff und zwei Fußrasten. Und wenn der 50-Volt-Akku leer ist, hilft nur Schieben.

          Ihn an der Steckdose mit dem ausreichend lang unter dem Sitz, wo es kein Helmfach gibt, verstauten Ladekabel zu füllen, hat rund vier und eine halbe Stunde gedauert. Mit randvollem Akku hat uns das leer 56 Kilogramm wiegende (zulässiges Gesamtgewicht 143 Kilo) EC-03 mehrfach über eine genau vermessene Strecke von 30,8 Kilometern gebracht, auf der laut GPS (das ist nicht im EC-03 eingebaut) eine Gesamtsteigung von 92 Höhenmetern zu überwinden sind. Mal war danach der Akku ganz, mal nur zu drei Fünfteln leer.

          Wen weniger als 30 km/h nicht schrecken, kommt 35 Kilometer weit

          Ein wirkliches Vergnügen waren diese sicherheitshalber im Standard-Modus zurückgelegten Fahrten bei um die 30 km/h nicht. Einmal haben wir gewagt, nach 25 Kilometer und bei Verlöschen des dritten von fünf Strichlein der Akku-Füllstandsanzeige in den Powermodus zu schalten. Da fuhr das EC-03 dann auch mal 48 km/h, blinkte dauernd warnend ob dieser Wahnsinnsgeschwindigkeit und lutschte (theoretische) 40 Prozent der Akkuladung binnen fünf Kilometern leer. Die Bedienung des 2400 Euro kostenden, perfekt verarbeiteten und für eine - nicht zu große - Person ausreichend komfortablen Elektromopeds ist kinderleicht.

          Wer mit dem EC-03 allein und ohne viel Gepäck vorzugsweise ebene Kürzeststrecken fährt, kann glücklich werden. Er erspart sich und der Mitwelt - bis auf das Betriebsbereitschaft signalisierende Piepsen bei jedem Stopp - Lärm und Gestank und ist praktisch genauso flott unterwegs, als sitze er auf einem 50-Kubik-Krakeeler mit Ölfahne. Die Grenze der Nutzbarkeit eines EC-03 wird von der Leidensfähigkeit des Piloten gezogen: Wen weniger als 30 km/h nicht schrecken, der kommt sichere 35 Kilometer weit, auch über mäßige Steigungen hinweg. Wer auf dieser Distanz die Fahrleistungen eines 45-km/h-Rollers erwartet, wird bitter enttäuscht. Wer mit dem „in sehr limitierter Stückzahl“ (Yamaha) erhältlichen EC-03 liebäugelt, aber noch ein bisschen reintreten kann, sollte genau überlegen, ob ein schnelles Elektrofahrrad nicht vorzuziehen ist.

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