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XL1, das 1-Liter-Auto : VW treibt es auf die Spitze

Der extrem flache Zweisitzer sieht aus wie ein Auto aus einem Science-Fiction-Film Bild: Schmidt

Volkswagen hat sich schon einmal an einem extrem sparsamen Auto versucht. Jetzt trumpft der VW XL1 mit einem nie erreichten Normverbrauch auf. Eine erste Probefahrt.

          Jahrelang haben die deutschen Automobilhersteller die Hybridtechnik nahezu verteufelt, Toyota allein das Feld überlassen. Doch das ist Schnee von gestern. Jetzt hat vor allem der VW-Konzern das Verheiraten von Verbrennungsmotoren mit E-Maschinen zum großen Thema erklärt, etliche Hybridmodelle sind schon auf dem Markt (Porsche Panamera, VW Touareg, Audi A8), auf dem Genfer Salon steht der neue Audi A3 hybrid, und der hybride VW Jetta kommt in diesen Tagen auf den Markt.

          Die hohen Weihen des Automobilbaus: Die Flügeltüren sollen den Einstieg erleichtern
          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Und dann ist da noch der VW XL1. Der extrem flache Zweisitzer sieht aus wie ein Auto aus einem Science-Fiction-Film, er ist aber ein fahrfertiges (Klein-)Serienauto. In ihm haben die Entwickler - ohne auf die Kosten zu achten - alles verwirklicht, um das Ein-Liter-Auto möglich zu machen. Lohn der Mühen: ein Normverbrauch von sensationellen 0,83 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Der XL1 kann auch rein elektrisch fahren, die Batterie (Kapazität 5,5 kWh) lässt sich an der Haushaltssteckdose aufladen. Nur dank der rein elektrischen Strecken steht die Null vor dem Komma.

          Die höhere Weihe für ein Automobil

          Aber sie steht, darauf können in Wolfsburg alle stolz sein. Dazu ist das Fahren eine faszinierende Angelegenheit. Das fängt schon beim Einsteigen an. Seit dem Flügeltürer-Mercedes ist diese Art des Entrees gleichsam die höhere Weihe für ein Automobil. Tief hinunter geht es, dann haben zwei Menschen bequem Platz, sie sitzen etwas seitlich versetzt.

          Nachteil: Das Ladegerät ist noch zu groß, es füllt fast den Kofferraum

          Auf den ersten Blick gibt die Bedienung keine Rätsel auf. Weil es noch relativ kalt ist, startet trotz unseres Wunsches, rein elektrisch zu fahren, erst einmal der Dieselmotor. Der sitzt wie die gesamte Antriebseinheit und der kleine Zehn-Liter-Tank hinter den Passagieren. Der Zweizylinder (0,8 Liter Hubraum) ist recht laut, weil noch kalt, später geht das Betriebsgeräusch in sonores Brummen über - wenn nicht rein elektrisch gefahren wird. Thomas Herbst, der verantwortliche Ingenieur für den Antriebsstrang, der uns begleitet, klärt beim nächsten ungewohnten Geräusch sofort auf: „Die Bremsen sind aus Keramik. Wenn sie nach einem Kaltstart benutzt werden, hört man das einfach.“

          Sprälich: der Innenraum des Xl 1

          Weil der XL1 so leicht wie möglich sein sollte, ist nur wenig Dämm-Material verarbeitet worden. Herbst: „Dennoch stecken sicher mehr als zehn Kilo im Wagen.“ Nachdem der Diesel für eine gewisse Wärme gesorgt hat, schnurrt der XL1 jetzt auf kleinen Landstraßen lautlos dahin. Ungewohnt ist das Fehlen konventioneller Außenspiegel. Stattdessen ist der XL1 mit zwei Kameras bestückt, deren Bild auf kleine Monitore in den Türen übertragen wird. Daran muss man sich gewöhnen, das Bild ist aber gut. VW hat eine Sondergenehmigung (möglich für Kleinserien bis 1000 Einheiten jährlich). Außenspiegel hätten den Luftwiderstandsbeiwert (cW-Wert) negativ beeinflusst. Einen großen Anteil am niedrigen Verbrauch hat selbstredend das Design. Der 3,89 Meter lange und nur 1,15 Meter hohe XL1 ist hinten schmäler als vorn, alles ist auf optimale Windschlüpfigkeit getrimmt, die Hinterräder sind verkleidet, das Rückleuchtenband, das um das gesamte Heck läuft, steht einige Zentimeter über (“Attika-Look“), weil das für weniger Verwirbelungen sorgt. Der cW-Wert von 0,189 ist ein Rekord. Zum Vergleich: Der neue Mercedes-Benz CLA (Rekordhalter Großserie) kommt auf 0,22.

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