https://www.faz.net/-gy9-ag1w4

Wohnmobil Hymer Free S 600 : Bewohnen statt beladen

Camperidyll: Markise und Möbel sind Sonderausstattung Bild: Boris Schmidt

Zum Wohnmobil ausgebaute Lieferwagen sind unglaublich beliebt. Sie ermöglichen den Einstieg in die Welt des Caravaning für relativ kleines Geld. Wir waren mit dem Hymer Free S 600 unterwegs.

          4 Min.

          Es ist nahezu unglaublich, wie sehr der Markt für Wohnmobile explodiert. Und offenbar interessieren sich immer mehr junge Menschen, sagen wir unter 30, fürs gehobene Camping. Wir sind ja früher einfach mit Zelt und Auto in den Urlaub gefahren, bis nach Korfu. Heute wollen aber schon Mittzwanziger mehr Komfort – wir haben sie verwöhnt –, und sie beschäftigen sich ernsthaft mit der Anschaffung eines Wohnmobils. Möglich macht das die noch frische Gattung der Camper Vans, also Lieferwagen, deren Innenleben hinter den beiden vorderen Sitzen statt mit Raum für Ladegut mit allerlei Gerätschaften zum Essen, Kochen, Schlafen und Waschen gefüllt wird.

          Boris Schmidt
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Weil das Aufbauen eines herkömmlichen Wohnmobils mit eigener Kabine wesentlich teurer ist, sind Camper Vans zunächst wesentlich günstiger. Statt des blanken Fahrgestells nebst Motor und Antriebsstrang (Windlauf genannt) bekommen Wohnmobilbauer wie Hymer den kompletten Kastenwagen geliefert, der dann innen ausgebaut wird. Außerdem werden die Fenster in die Außenhaut geschnitten, oft ergänzt um ein Aufstelldach.

          Ein Basispreis von 49.990 Euro für ein 5,93 Meter langes Fahrzeug lässt zunächst aufhorchen, zumal in diesem Fall ein Mercedes-Benz Sprinter ausgebaut worden ist. Ähnliches bietet Hymer auch auf Basis Fiat Ducato an, dann liegen die Grundpreise rund 5000 Euro niedriger. Der Mehraufwand könnte sich lohnen. Fahrerisch hat der Hymer-Sprinter absolut überzeugt, außerdem bringt er – jedoch manches gegen Aufpreis – viele Assistenten mit, die aus der Personenwagenwelt kommen, wie einen adaptiven Tempomat, 360-Grad-Rückfahrkamera, Verkehrszeichenerkennung oder auch das Multimediasystem MBUX. „Hey Mercedes“ funktioniert auch. „Was kann ich für Sie tun?“ „Nächstes Ziel: Bad Waldsee“, und schon rechnet das Navi los und gibt alsbald Anweisungen, wo es langgehen soll.

          Haus am See Bilderstrecke
          Wohnmobil : Hymer Free S 600

          Weiterhin ist Frontantrieb auf einer nassen Wiese gewiss kein Nachteil, und der 2,1-Liter-Dieselmotor mit seinen 143 PS ist weder übermäßig laut noch hat er Probleme, die Fuhre in Schwung zu bringen. Nur beladen am Berg, da geht ihm schon die Puste aus. Der Testwagen hatte die formidable Neungang-Automatik (2690 Euro), die sanft schaltet und auf Langstrecke hilft, den Bedarf an Diesel relativ niedrig zu halten. Wir kamen auf einen Schnitt von 10,0 Liter auf 100 Kilometer, bei Tempi zwischen 110 und 120 km/h. In der Spitze sind 145 km/h drin. Fahrerisch ist also alles Sprinter, auch das Cockpit fällt gleich aus, inklusive der ungewöhnlichen Lösung, die Becherhalter hinter der (analogen) Tachoeinheit und somit vor der Windschutzscheibe zu platzieren.

          Das Wohnen beginnt im Hymer Free direkt hinter den Vordersitzen, die sich drehen lassen. In Fahrtrichtung links hinter dem Piloten ist eine Zweierbank mit Tischchen davor. Wer hier sitzt, braucht auf langen Strecken Ausdauer, vor allem, wenn man zu viert unterwegs ist und die Anschnallpflicht ernst nimmt. Ist das Ziel erreicht, schnell die Markise (990 Euro) ausfahren, die Fahrersessel herumdrehen und die Campingausrüstung (Tisch, zwei Stühle, 290 Euro) an den Wagen stellen, dann kann der Urlaub beginnen. Das Aufstelldach, welches wiederum 4490 Euro kostet und den Hymer erst zum Vier-Personen-Wohnmobil macht, kann zunächst unten bleiben. Die Stehhöhe reicht aus. Über eine Schiebetür rechts erfolgt der seitliche Zugang in den Wohntrakt. Eine elektrisch ausfahrende Trittstufe gehört zur Grundausstattung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Bleibt Herbert Diess VW-Vorstandsvorsitzender?

          Volkswagen : Porsche wird zum Spielball im VW-Machtkampf

          Gedankenspiele über einen Börsengang des Sportwagenbauers und die Beteiligung der Familie an Volkswagen sorgen für Aufsehen. An diesem Donnerstag kommt der VW-Aufsichtsrat zusammen. Bleibt Herbert Diess an der Konzernspitze?

          Aus in Champions League : Die Entzauberung des großen FC Barcelona

          Beim Aus in der Champions League in München verliert Barça den letzten Funken der einstigen Faszination. Das 0:3 beim FC Bayern ist ein Tiefpunkt. Die Art des Untergangs überrascht auch Thomas Müller.