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Wohnmobil Mercedes ML-T : Kompromisslose Zweierbeziehung

  • -Aktualisiert am

Ein-Sterne-Hotel: Hymer M-LT 580 Bild: Rolf Nachbar

Der ML-T ist das einzige Hymer-Mobil auf Basis des Sprinters von Mercedes-Benz. Die Version 580 ist für Paare gedacht. Wer Wert auf einen Mercedes-Hymer legt, muss tief in die Tasche greifen.

          3 Min.

          Hymer wollte es mal wieder wissen und seine Position als Marktführer aufpolieren. Dazu hat man den im Frühjahr vorgestellten „Teilintegrierten“ (das Fahrerhaus des Serienfahrzeugs wird mit zu Wohnzwecken verwandt) ML-T mit einem neuen Konzept auf das Fahrgestell eines Mercedes-Benz Sprinter gestellt. Der führt bei Großserien-Marken schon wegen des hohen Basispreises eher ein Nischendasein, zu groß sind die Einkaufsvorteile beim Fiat Ducato. Doch wenigstens ein Hymer mit Stern muss sein, der schmale (2,22 Meter) ML-T kombiniert das Chassis mit dem hauseigenen Leichtbaukonzept mit holzfreiem Pual-Aufbau, das auch ein sieben Meter langes Wohnmobil noch unter der wichtigen Gewichtsgrenze von 3,5 Tonnen hält. Das erweitert nicht nur den Kundenkreis, sondern soll auch den Kraftstoffverbrauch in Schach halten. Der ML-T 580 ist mit seinen Einzelbetten im Heck auf ein Paar zugeschnitten, hier gibt es keine Enkel-Option, weil nirgendwo ein drittes Bett zu bauen ist. Dafür haben zwei Menschen Platz in Hülle und Fülle.

          Der Sprinter ist eine kräftige Basis, vor allem in der von uns gefahrenen Version mit 163 PS, die von einer Wandlerautomatik auf das beste koordiniert und ohne spürbare Schaltrucke auf die Hinterräder geschickt werden. Dafür ist das gelegentliche Mahlen der Motor-Getriebe-Kombination nicht zu überhören, vorzugsweise in Drehzahlregionen, in denen man sich häufig aufhält. Das trübt den Gesamteindruck. Auch dass der Mensch am Lenkrad an selbigem ständig korrigierend eingreifen muss, ist lästig. Grund ist der lange Überhang des Mobils, das deswegen seitenwindempfindlich ist und außerdem jeden vorbeifahrenden Personenwagen, von größeren Fahrzeugen ganz zu schweigen, mit einem spürbaren Luftschlag quittiert. Dafür ist der ML-T 580 mit einer Reihe von teils optionalen technischen Systemen und Assistenten zu haben, und im Fahrerhaus fängt es schon an mit der Fülle an Ablagen und Schränkchen.

          Sogar mit Steckdose

          Unser Exemplar war in einem hellbraunen Möbeldekor gehalten. Es gibt neun weitere Wohnwelten. Angenehm ist, dass man vom Fahrerhaus stufenlos bis ins Schlafgemach kommt. Da in der L-förmigen Dinette zwei Gurte integriert sind, kann man zumindest mit vier Personen fahren und zwei davon abends am Hotel absetzen. Die ML-T-Schläfer nächtigen auf harten Matratzen (1,85 und 1,90 mal 80 Zentimeter), die zudem nur auf einem Abstandsgewirke aus Kunststoff liegen und nicht zu einer großen Liegewiese verbunden werden können. Unter dem Fußende sind Kleider- und Wäscheschrank eingebaut, von denen einer auch von oben zugänglich ist, weil man die geteilte Matratze schnell hochheben kann. Das hilft, den Überblick im tiefen Kleiderschrank zu behalten.

          Holz macht warm: Der Innenraum

          Das angrenzende Bad hat eine separate Dusche, hier fällt das in stumpfer Steinoptik gehaltene und daher unempfindliche Waschbecken auf, und es gibt eine Steckdose. Das ist nicht selbstverständlich, wie wir oft bedauern. Die Badtür lässt sich um 180 Grad öffnen, das ist per se schon praktisch, aber es verhindert auch eine Kollision der offenen Tür mit dem Deckel des geöffneten Küchendachkastens. Hier machen sich die fehlenden Zentimeter der Aufbaubreite bemerkbar, aber es stört nicht wirklich, wenn man dagegenhält, dass man die eine oder andere Engstelle passieren kann, die man sonst hätte umfahren müssen.

          Gute Voraussetzung für angenehmes Klima

          Am 95 Zentimeter breiten Küchenblock fallen die schicken weißen Glasabdeckungen auf, die besser zum Mobiliar passen als schwarze. Sie füllen freilich fast die gesamte Fläche, es gibt also kaum Abstell- oder Arbeitsplatz. Dem kann man mit einem Brett etwas abhelfen, das in den Raum vor der Außentür mit ihrem praktischen Griff hochgeklappt wird. Drei Schubladen mit Selbsteinzug nehmen jede Menge Vorräte auf, die nur 40 Zentimeter breite, aber hohe Kühl-Gefrier-Kombination von Thetford mit 142 Liter Volumen steht daneben.

          Der Pual-Aufbau ist eine gute Voraussetzung für angenehmes Klima. Dass die Heizung in der Sitzbank steckt, ist ein weiteres Indiz für gute Wintertauglichkeit. Denn von hier aus verteilt sie die Warmluft dahin, wo sie am meisten gebraucht wird, in den Fußraum der Dinette. Als Schutz vor der Kältebrücke von vorn bläst es aus Düsen noch unter den Fahrerhaussitzen. Zieht man dann noch einen Vorhang ums Fahrerhaus, hat man bestens vorgesorgt. Im Sommer reichen die vertikalen Rollos als Sichtschutz.

          An der technischen Ausstattung ist wenig zu bemängeln: Die Beleuchtung ist mit sparsamen LED bestückt, für Tageslicht sorgen Dachfenster, vor allem das große über dem Fahrerhaus. Die Eintrittsstufe fährt elektrisch aus, der Abwassertank wird ebenfalls elektrisch bedient. Da der Ablassstutzen ungewohnt auf der rechten Seite sitzt, braucht man einen Einweiser, um über den Gully zu zirkeln. Aber keiner muss sich bücken oder die Finger schmutzig machen. Normale Fahrräder passen bei 1,21 Meter Höhe leider nicht ohne Ausbau des Vorderrads in die Garage, aber darüber hinaus jede Menge anderes Zeug, was der Caravaner braucht. Der Zugang zum Frischwassertank sitzt innen.

          Wer Hymer mit Stern fahren will, kommt am gut verarbeiteten ML-T nicht vorbei. Das muss er sich etwas kosten lassen. Wer enger zusammen schlafen möchte, nimmt die Variante mit Querbett im Heck zum gleichen Einstiegspreis von 64.990 Euro. Von hier aus fängt dann die Individualisierung an, bis jeder das hat, was er will.

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