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Wohnmobil Compactline I 143 : Carthago reicht den Campern die leichte Hand

  • -Aktualisiert am

Lang, aber nicht schwer: Der Carthago Compactline I 143, mit Fahrertür Bild: Hersteller

Das Wohnmobil Compactline I 143 auf Basis Fiat Ducato ist ein Leichtgewicht und dennoch überaus komfortabel. Es ist zugeschnitten auf 3,5 Tonnen.

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          Zweifelsohne gehört der Reisemobilhersteller Carthago zu den Anbietern, die auf Qualität besonderen Wert legen. Massive Hölzer, solide Armaturen und ein feiner Materialmix, doch das drückt auf die Waage. Und nicht alle Kunden mit hohem Anspruch wollen als Tonnage-Täter auf die Reise gehen. Denn Tempolimit, Überholverbote und Mauterhebung in Österreich müssen nicht sein, wenn man sich an die 3,5-Tonnen-Grenze hält - ganz abgesehen davon, dass nur Auto-Führerscheine, die vor Januar 1999 ausgestellt sind, für Fahrzeuge mit bis zu 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht gelten.

          Anspruchsvollen Campern reicht Carthago jetzt die leichte Hand und bietet ihnen die Baureihe Compactline mit drei Grundrissversionen und bis zu sieben Meter Länge und mit üppiger Zuladung bis zum Erreichen der 3,5 Tonnen. Das mittlere Modell des Trios, der I 143, verspricht mit vier Schlafplätzen, Raumbad und L-Dinette viel. Nicht alles kann es halten.

          Die Verarbeitung jedenfalls ist ausgezeichnet. Klappen und Türen sitzen perfekt, nichts klappert und stört die Reisefreuden, Scharniere und Schlösser sind von hoher Qualität. Auch der Materialmix und die Farbgebung stimmen, warme Braun- und Beigetöne prägen die Atmosphäre an Bord und schaffen die Voraussetzungen für behagliches Wohlgefühl.

          Eng ist die Kochstelle

          Am Tisch im Wohnbereich ist Platz für vier. Zuvor müssen jedoch die Sitze von Fahrer und Beifahrer gedreht werden, was ohne weiterreichende Origami-Kenntnisse flink gelingt. Auf den beiden Sesseln fühlt sich mancher besser aufgehoben als auf der nach hinten anschließenden, knappen Sitzbank, die beiden Plätze hier sind mit Sicherheitsgurten ausgestattet und so für Passagiere während der Fahrt zugelassen. Ein weiteres Plätzchen findet sich schräg an der Wand hinter dem Beifahrersitz montiert, allzu lange aber will hierauf keiner verweilen, der schmale Hocker leistet bessere Dienste für einen bequemen Aufstieg in das 155 mal 200 Zentimeter große Hubbett im Fahrerhaus.

          Die komplett mit dreiflammigem Kocher, Edelstahlspüle und hochgesetztem, 160 Liter großen Absorber-Kühlschrank ausgestattete Küche bietet in sanft einrastenden und rollengelagerten Schubläden reichlich Platz für Geschirr und Vorräte. Allerdings geht es auf der schicken Küchenplatte beim Zubereiten eng zu. Es fehlt an Anrichtfläche, und die überaus clevere Lösung, die als Schneidebrett ausgelegte Abdeckplatte der Spüle in eine weiter oben angebrachte Wandhalterung zu schieben und als Abstellmöglichkeit zu nutzen, hilft nur wenig weiter. Beim Schnibbeln und Schneiden muss der Esstisch herhalten.

          Schmal ist auch der Durchgang zu Waschraum und den großzügigen Heck-Längsbetten geraten, zwei kommen hier nur mühevoll aneinander vorbei. Ist das Nadelöhr jedoch passiert, empfängt die Nasszelle mit Waschbecken, soliden Armaturen und einer sehr bequem benutzbaren Kassetten-Toilette. Nicht ganz schlanke Menschen müssen sich jedoch mit der runden Duschkabine arrangieren, deren Durchmesser kaum erlaubt, sich nach der heruntergefallenen Seife zu bücken. Die beiden längs eingebauten 80 mal 200/190 Zentimeter messenden Einzelbetten im Heck sind da großzügiger geschnitten und sehr einfach über eine Trittstufe zu erklimmen, am Kopfende verbindet sie ein zusätzliches Polsterstück, was klar als Kuschelzone taugt.

          Mit einem Ausziehbrett kann die Lücke, wenn es darauf ankommt, zur Gänze geschlossen werden. Die Matratzen sind ebenso wie die des Hubbetts vorne von hoher Qualität, einen erholsamen Schlaf garantiert außerdem die durchweg gute Belüftung über die Dachhauben und die im Wohnbereich rundum ausstellbaren und mit Jalousien sowie Fliegengittern bewehrten Rahmenfenster. Der Kleiderschrank ist raumsparend unter dem in Fahrtrichtung linken Bett eingebaut, und auch die hinteren Dachstaukästen sind nicht einfach zu erreichen, der Weg zu ihnen führt grundsätzlich quer durch die Schlaflandschaft.

          Über Stauraummangel kann sich im Carthago Compactline keiner beschweren. Innen kommen Garderobe, Küchenausstattung und die Bordbibliothek mühelos unter, für Schuhe gibt es im beheizten Zwischendeck ein eigenes Fach. Für weitere und sperrige Ausrüstung ist die von beiden Seiten zugängliche großzügige Heckgarage der rechte Aufbewahrungsort. Ein mit rutschfestem Belag versehener Boden, zahlreiche Ösen zum Verzurren von schwerem Gepäck und eine helle Beleuchtung zeigen, dass Qualität auch hinter den Kulissen für Eindruck sorgen kann. Gleichzeitig ist die mit 120 Zentimeter Höhe Kleinroller-taugliche Garage Technik-Raum, in einem Schaltkasten sind alle Sicherungen der Bordelektronik zusammengefasst.

          Unterwegs gefällt das kompakte Carthago-Reisemobil mit Handlichkeit und komfortabler Federung. Das Gewicht passt perfekt zur Fahrwerksabstimmung des Fiat Ducato und dem leichten Alko-Tiefrahmen-Chassis. Die zweigeteilten, vorgehängten Außenspiegel helfen dem Fahrer, die Übersicht nach hinten zu bewahren, und verkleinern den toten Winkel maßgeblich, schränken aber gleichzeitig den Ausblick insbesondere beim Abbiegen ein. Das Rangieren auf dem Stellplatz oder enge Ortsdurchfahrten meistert der Compactline I 143 unterdessen eleganter als manch einer seiner Klassenkameraden. Nur 2,12 Meter misst sein Aufbau in der Breite, und spätestens jetzt wird klar, warum es im Innenraum an manchen Ecken eben etwas enger zugeht.

          Die Ausstattung lässt sich mit den fünf verschiedenen Paketen (Chassis, Komfort, Media, Truma-Polar und Mediacenter) für insgesamt 9200 Euro für fast jeden Ferien-Einsatz komplettieren und obendrein ein hübsches Sümmchen im Vergleich zur Anschaffung der Einzelposten sparen, doch schränkt deren Gewicht von insgesamt 153 Kilogramm die Zuladung im fahrbereiten Zustand von 595 Kilogramm um gut ein Viertel ein. Dennoch bringt das Carthago-Reisemobil dank seiner durchdachten Möblierung, der ausgezeichneten Verarbeitung und einer komfortablen Grundausstattung alle Voraussetzungen für gelungene Wochenend- und Urlaubsfahrten mit.

          Und seine Bewohner sind schneller am Ziel als andere. Wer statt der durchschnittlichen 12,3 Liter Dieselverbrauch auf 100 Kilometer Werte bis zu 16 Liter akzeptiert, der kann im I 143 und seinem 109 kW (148 PS) starken Vierzylinder-Turbodiesel mit maximal 143 km/h über die Autobahn sausen. Aber im Grunde sollten wir im Wohnmobil-Urlaub doch lieber entschleunigen.

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