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Wintercamping : Der Trick mit dem doppelten Boden

  • -Aktualisiert am

Mit dem richtigen Gerät lässt sich auch die kalte Platte genießen. Bild: Hersteller

Moderne Reisemobile lassen sich auch für Wintercamping nutzen. Das war nicht immer so. Grenzenlos ist die Freiheit allerdings mit der mobilen Skihütte nicht.

          4 Min.

          Draußen rieselt der Schnee, die Quecksilbersäule zeigt minus acht Grad. Drinnen bullert die Gasheizung, das Thermostat ist auf mollige 22 Grad eingestellt. Und ringsum leuchtet es warm aus Isolierfenstern, weiter oben ist die Lichttemperatur kälter. Strahlend weiß reflektieren die schneebedeckten Gipfel des Alpenhauptkamms das Mondlicht und lassen Kristalle blitzen und Eis schimmern. Ein nächtliches Panorama zum Anfassen, das manchen Urlauber magisch anzieht und Winterurlaub in den Alpen zur Passion macht.

          Immer mehr Menschen genießen einen solchen Urlaub mit dem eigenen rollenden Heim. Die Zahl der Wintercamper ist in den vergangenen Jahren erheblich gestiegen, die Karawane der Caravans und Reisemobile wird immer länger: 1,3 Millionen Übernachtungen auf Campingplätzen zählte das Statistische Bundesamt 2015 allein in den Wintermonaten. Das waren gut 60 Prozent mehr als 2014. Woher rührt die neue Reiselust zur kalten Jahreszeit? Sicher vom gestiegenen Angebot an modernen Campingplätzen, die, eingebettet zwischen Gletschern und Gratispanorama, mit jedem Komfort locken. Da gibt es persönliche Sanitärkabinen mit Edel-Armaturen und Fußbodenheizung, Wellness-Angebote mit Massage, Sauna und Thermalbad, dazu eine perfekte Infrastruktur zur Versorgung der Gäste und ihrer Fahrzeuge. Gasflaschen, Frühstücksservice und Rangierhilfe bei Ankunft und Abfahrt - kaum ein Wunsch, der nicht erfüllt werden könnte.

          Weinflaschen barsten in der krachenden Kälte

          Aber auch die Wintertauglichkeit der Reisemobile selbst hat erheblich zugelegt. Perfekte Isolierung, beheizte Frisch- und Abwassertanks, hinterlüftete Polster und Staukästen, die Kondenswasser keine Chance geben, gehören in der Premium-Klasse zur Standardausrüstung. Das war nicht immer so. Wir erinnern uns an erste Winterausfahrten Ende der siebziger Jahre, an eiskalte Nächte in Val d’Isere, deren 18 Grad minus die Druckregler an den Gasflaschen einfrieren ließen und fast zum Überlebenskampf im frostigen Mobil führten. Weinflaschen barsten in der krachenden Kälte, nur jene im Kühlschrank überstanden die Frostattacken.

          Der Fiat Ducato, damals brandneu und als Alternative zu den teuren Basisfahrzeugen von Mercedes-Benz und VW willkommen, machte damals die Camper zunehmend mobil, aber nicht immer glücklich. Denn der Italiener hatte Frontantrieb. Und der stellte trotz Schneeketten manch nächtliche Anreise ins Skigebiet in Frage. Wir denken an Auffahrten in die Schweizer Zollfrei-Exklave Samnaun, deren ebenso schmale wie schneebedeckte Straße nur rückwärts zu meistern war. Denn dem Fiat wird bei starker Steigung an der Vorderachse gar leicht zumute. VW und Daimler konnten damals mit einem in dieser Situation tauglicheren Hinterradantrieb aufwarten.

          Nicht nur Platz für Skiausrüstung und Vorräte

          Die Zufahrten wurden ausgebaut, die Steigungsstrecken entschärft. Das große Abenteuer findet nicht mehr statt, geblieben ist die flexible Zielwahl. Wenn hier kein Schnee liegt, ist keiner der mobilen Ferienreisenden von Hotelbuchungen abhängig, er zieht mit seiner rollenden Skihütte weiter und findet irgendwo bessere Bedingungen für den Wintersport.

          Die Kälteresistenz haben die Reisemobile hauptsächlich durch ihren Doppelboden gewinnen können. Der konstruktive Trick verlangt zwar eine größere Fahrzeughöhe, erlaubt aber frostsichere Installationen. Der Fußboden des Innenraums liegt dabei etwa 20 bis 30 Zentimeter über dem Boden des Wohnaufbaus. Im beheizten Zwischendeck findet sich nicht nur Platz für Skiausrüstung und Vorräte, in ihm werden auch alle kältesensiblen Ver- und Entsorgungseinrichtungen beheimatet. Hier haben die Wassertanks ihren Platz, auch die Bordbatterien kommen wohltemperiert unter. Die Wasserleitungen werden parallel zu den warmluftführenden Schläuchen der gasbetriebenen Umluftheizung geführt; solange Brennstoff vorhanden ist und die Heizung in Betrieb ist, friert nichts ein. Fünf bis acht Kilowatt leisten die serienmäßigen Heizungen, bei Ausstattung mit eigens konfigurierten Winterpaketen gibt es an Bord oft eine zusätzliche Warmwasserheizung, die teils elektrisch betrieben wird.

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