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Wiesmann Roadster MF5 : Tempo 310 für knapp 190.000 Euro

  • -Aktualisiert am

Die Federung ist naturgemäß eher sportlicher Straffheit verpflichtet Bild: Hersteller

Wiesmann bereichert mit dem Roadster MF5 sein Produktportfolio. Durch die Vermischung elementarer Bauteile aus dem Coupé GT MF5 sowie dem Roadster MF4 entstand das jüngste Produkt des Hauses. Eine erste Probefahrt.

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          Das Angebot an offenen Sportwagen aus deutscher Produktion in der Leistungsklasse Ü 500 (PS) ist sehr überschaubar. Doch außer den bekannten Offerten aus Stuttgart, München und Ingolstadt steht dem geneigten Kunden seit wenigen Wochen noch mehr zur Wahl: Die kleine, feine Automobilmanufaktur Wiesmann aus dem münsterländischen Dülmen bereichert mit dem Roadster MF5 ihr Produktportfolio. Es handelt sich nicht um ein vollkommen neu konstruiertes Modell, vielmehr haben die Unternehmensgründer und Inhaber Martin und Friedhelm (MF) Wiesmann aus vorhandenen Komponenten eine weitere, überaus potente Variante auf die großzölligen Räder gestellt.

          Durch die Vermischung elementarer Bauteile aus dem Coupé GT MF5 sowie dem Roadster MF4 entsteht das jüngste Produkt des Hauses, unter dessen langer Motorhaube jener exklusive Zehnzylinder-Motor mit fünf Liter Hubraum und 373 kW (507 PS) das wohlklingende Stakkato eines hochdrehenden Saugmotors intoniert, der in den sportlichen BMW-Modellen M5 und M6 bereits die pure Lust an der reinen Leistung versprüht. Der Zehnzylinder des Wiesmann Roadster MF5 liefert bei der hohen Drehzahl von 7750/min seine Nennleistung und generiert sein maximales Drehmoment von 520 Nm bei 6100/min. Wo andere Otto-Aggregate asthmatische Anfälle erleiden, offenbart er eine nochmals schärfere Charakteristik als in den BMW-Modellen.

          Es verwundert nicht, denn der kurzhubige Zehnzylinder muss hier rund 450 Kilogramm weniger Fahrzeugmasse beschleunigen. Dementsprechend agil reagiert der mit zehn einzelnen Drosselklappen operierende Leichtmetallmotor auf auch nur kleinste Bewegungen des Gaspedals. Wenn es denn sein muss, beschleunigt dieses prachtvolle Motorenwerk aus Bayern den münsterländischen Biposti aus dem Stand in nur 3,9 Sekunden auf 100 km/h, nach knapp zehn Sekunden ist bereits zu registrieren, dass die Tachonadel die 200-km/h-Marke passiert hat. Wer weiter auf dem Gas bleibt, erlebt nach einer gefühlten halben Minute, dass bei Tempo 310 Fahrwiderstände und Leistung im Gleichgewicht der Kräfte stehen. Im öffentlichen Straßenverkehr sind diese extremen Werte eher von akademischer Bedeutung, aber in Le Mans beispielsweise könnten sie beim Bestreben, weiter nach vorne zu kommen, durchaus hilfreich sein.

          Durch die Vermischung elementarer Bauteile aus dem Coupé GT MF5 sowie dem Roadster MF4 entsteht das jüngste Produkt des Hauses
          Durch die Vermischung elementarer Bauteile aus dem Coupé GT MF5 sowie dem Roadster MF4 entsteht das jüngste Produkt des Hauses : Bild: Schinhofen

          Wer zügig beschleunigt, sollte auch gut bremsen

          Fette Hinterreifen der Dimension 275/35 ZR 19 übertragen die hohe Leistung erstaunlich gut auf den Asphalt, bei feuchtem Untergrund zügelt die serienmäßig installierte Dynamische Stabilitäts-Kontrolle (DSC) den Vorwärtsdrang und hält das ohne diese elektronischen Helfer wild schwänzelnde Heck in der Spur. Wer zügig beschleunigt, sollte auch gut bremsen. Im MF5 lassen sich die vom italienischen Spezialisten Brembo gelieferten Bremsen bestens dosieren und verzögern den Zweisitzer extrem wirkungsvoll.

          Aber auch dieses Cabriolet gibt noch andere Charaktereigenschaften preis. Denn nicht immer ist extreme Leistung gefragt, mitunter steht das sanfte Gleiten auf dem Programm. Diese Übung gelingt dem potenten Cabriolet routiniert, denn im normalen Verkehrsalltag bewegt auch der ambitionierte Eigner seinen MF im sogenannten Komfortmodus. Hier bescheidet sich das aufwendige Zehnzylinder-Kraftwerk, wie auch im Falle BMW, mit 400 PS sowie einer weniger giftigen Reaktion auf Gaspedalbewegungen. Zudem arbeitet dann das sequentielle Siebengang-SMG-Getriebe von BMW, das man auch über die Schaltwippen am kleinen Airbag-Lederlenkrad steuern kann, mit marginal längeren und sanfteren Schaltzeiten.

          Im Innenraum dominiert hochwertiges Leder

          Auch dieser Wiesmann spannt seine in üppigen Rundungen schwelgende Karosserie, die klassische britische Sportwagenformen aus den fünfziger Jahren zitiert, über eine solide Chassis-Struktur aus genieteten und geklebten Alublechen mit dem Vorteil hoher Steifigkeit und geringen Gewichts. Im Innenraum dominiert hochwertiges Leder, wobei der Kunde aus mehr als 100 Farben seine Kombination bestimmen kann. Bestens in der Hand liegt das axial und vertikal verstellbare kleine Lenkrad, etwas außerhalb des direkten Blicks des Fahrers liegen die sieben mittig plazierten Rundinstrumente.

          Wegen der hohen und breiten Seitenschweller erfordert das Ein- und Aussteigen eine gewisse Beweglichkeit, während die Federung naturgemäß eher sportlicher Straffheit verpflichtet ist. Je nach Leistungsabruf offeriert der Zehnzylinder dazu einen Klangteppich von hell bellend bis kernig röhrend. Der Kraftstoffverbrauch ist im oberen Bereich angesiedelt, der Normwert von 13,1 Liter je 100 km im kombinierten Zyklus (346 g CO2/km) ist im Alltag kaum zu erreichen. Diese Werte dürften für den MF5-Kunden nicht kaufentscheidend sein, eher die auf 55 Exemplare limitierte Auflage des 189.950 Euro teuren Roadsters.

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