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Wiesmann Roadster MF4 : Die pure Lust am Überfluss

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Klassische Stilelemente britischer Sportwagen-Ikonen Bild: Hersteller

Deutschlands individuellste Sportwagen-Marke bietet seit wenigen Wochen mit dem neuen, schlicht Roadster MF4 genannten Modell die konsequente Programmerweiterung der Brüder Martin und Friedhelm (MF) Wiesmann.

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          Für die Freunde individueller, puristischer, leistungsstarker und in üppigen Rundungen schwelgenden Roadstern offeriert die Automobilmanufaktur Wiesmann im beschaulichen Dülmen im Münsterland seit knapp 16 Jahren mit ihrem MF3 genannten Zweisitzer ein interessantes Angebot. In diesem überwiegend in Handarbeit gefertigten Sportwagen übernimmt jener nach hohen Drehzahlen gierende Sechszylinder-Reihenmotor mit 3,2 Liter Hubraum aus dem ehemaligen BMW M3 die Verantwortung für respektable Beschleunigung und die viel zitierte Fahrfreude. Aber Leistung ist im Automobilbau schon immer ein relativer Begriff, und so bietet Deutschlands individuellste Sportwagen-Marke seit wenigen Wochen mit dem neuen, schlicht Roadster MF4 genannten Modell die konsequente Programmerweiterung der Brüder Martin und Friedhelm (MF) Wiesmann.

          Unter der gegenüber dem MF3 nur marginal modifizierten, bewusst nostalgisch gestalteten Kunststoff-Karosserie, die klassische Stilelemente britischer Sportwagen-Ikonen aus den fünfziger Jahren zitiert, agiert in der jüngsten Wiesmann-Kreation wiederum ein Aggregat aus dem BMW-Portfolio. Jedoch führt hier die Modellbezeichnung zunächst auf die falsche Spur, arbeitet doch unter der langen Motorhaube ein Achtzylinder-Triebwerk, welches man überwiegend in den großen BMW-Limousinen und auch im Wiesmann GT MF4 findet. 4,8 Liter Hubraum, 270 kW (367 PS) sowie ein maximales Drehmoment von 490 Newtonmeter bei 3400 Touren lauten die nüchternen Eckdaten des Achtzylinders, dessen Zylinderbänke im für diese Triebwerks-Konfiguration optimalen 90-Grad-Winkel zueinander stehen.

          Leergewicht von vergleichsweise geringen 1315 Kilogramm

          Im offenen Wiesmann MF4 trifft der für seine hohe Laufkultur und spontane Kraftentfaltung hinreichend gelobte Ottomotor auf ein Leergewicht von vergleichsweise geringen 1315 Kilogramm. Folglich operiert das mit vier Ventilen je Zylinder bestückte Kraftwerk, obwohl Motor und Getriebe sowie das elektronische Management der Antriebseinheit im Serienzustand verbleiben, mit einer extrem agilen Charakteristik. Jede kleinste Bewegung des Gaspedals setzt der bayerische Vollblüter überaus spontan in Vortrieb um, schließlich müssen die Pferdestärken hier rund eine halbe Tonne weniger Masse auf Trab bringen.

          Bewusst nostalgisch gestaltete Kunststoff-Karosserie
          Bewusst nostalgisch gestaltete Kunststoff-Karosserie : Bild: Hersteller

          Dabei unterlegt der nahezu vibrationsfrei arbeitende Achtzylinder im Einklang mit der im Hause Wiesmann entwickelten und produzierten Edelstahl-Auspuffanlage sanftes Gleiten im großen Gang des serienmäßigen, manuellen Sechsganggetriebes oder scharfes Beschleunigen in allen Drehzahlregionen mit einem wohlklingenden Klangteppich, bei dem die tiefen Basstöne dominieren, die aber niemals lästig oder unangenehm werden.

          Diese Chassis-Konstruktion führt zu einem hohen und breiten Türschweller

          Wie auch beim GT genannten Coupé bildet beim neuen Roadster ein aus genieteten und geklebten Alublechen aufbauendes Monocoque-Chassis die solide Basis, die für eine hohe Steifigkeit und das relativ geringe Gewicht des 4,23 Meter langen Zweisitzers verantwortlich ist. Diese Chassis-Konstruktion führt zu einem hohen und breiten Türschweller, der beim Ein- und Aussteigen von den Passagieren ein hohes Maß an körperlicher Beweglichkeit in alle Richtungen voraussetzt. Leder in jeglicher Couleur und Narbung steht bei Wiesmann für die individuelle Innendekoration zur Wahl, dementsprechend fühlen sich die Insassen in dem hochwertig gestalteten Cockpit wohl, sofern sie maximal Konfektionsgröße 52 tragen. Das gilt auch für die bequemen, sehr guten Seitenhalt bietenden Sitze aus eigener Herstellung, die eng am Körper anliegen wie ein meisterlich geschnittener Maßanzug. Perfekt zur Hand liegt das kleine, axial und vertikal verstellbare Lederlenkrad, das jetzt sogar mit einem serienmäßigen Airbag bestückt ist. Nicht ganz der reinen Funktion verpflichtet sind die zentral in der Armaturentafel plazierten sieben Rundinstrumente, die außerhalb des direkten Blickfelds des Chauffeurs liegen.

          Entsprechend seinem Anspruch ist auch der Wiesmann Roadster MF4 ein straff gefedertes Automobil, doch ist dem Team aus Dülmen in Zusammenarbeit mit Stoßdämpfer-Lieferant Bilstein eine ausgewogene Abstimmung gelungen, die noch einen relativ guten Komfort bietet. Serienmäßig rollt der offene Achtzylinder auf 18-Zoll-Rädern, zur Wahl stehen üppige Räder im 20-Zoll-Format.

          Bevorzugtes Terrain des offenen Wagens ist nicht die Autobahn. Kurvenreiche Landstraßen mag er lieber. Direkte Lenkreaktionen, ein bis in den Grenzbereich neutrales Fahrverhalten mit leichter Übersteuertendenz bei vollem Leistungseinsatz, dazu ein blauer Himmel und milde Temperaturen komprimiert der Biposti aus Dülmen zu einem Fahrgenuss, der die Adrenalinwerte der Insassen zügig steigen lässt. Zum Beleg noch einige Daten. Beschleunigung: exzellent (0 bis 100 km/h in 4,6 Sekunden); Höchstgeschwindigkeit: extrem (291 km/h); Kraftstoffverbrauch: angemessen (11,1 Liter Normverbrauch); CO2-Emissionen: durchaus (264 g/km). Dieser dynamische Vorgang hat natürlich auch seinen Preis: 128.900 Euro kostet der Wiesmann Roadster MF4 in der Basisversion.

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