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43/17 plus 250 Watt : Wie viele Gänge braucht ein Elektrorad?

  • -Aktualisiert am

Das Easy Rohler ER-E1 von Idworx. Bild: Pardey

Das Easy Rohler ER-E1 kommt ohne Gangschaltung aus. Es bietet allerdings sechs Möglichkeiten, wie sich der Fahrer elektrisch unterstützen lassen kann.

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          Gewiss, auf den ersten zwei-, dreihundert Kilometern zuckte der Daumen öfter. Aber da war am Lenker nichts – keine Tasten zum Drücken und auch kein Handgriff zum Drehen. Schalten, also die Übersetzung anpassen an Steigungen, Anfahren und Beschleunigen oder entspanntes Kreiseln der Beine, das geschieht bei einem geübten Radfahrer ja wie automatisch und vorausblickend auf die Situation bezogen. Fährt man ein Singlespeed, ein Rad, das zwar einen Freilauf und keinen Starrgang, aber eben nur eine Übersetzung hat, laufen diese unbewusst ablaufenden Reaktionen ins Leere. In diesem Fall muss Körperkraft die Anpassung leisten: Man muss kräftiger oder lässiger treten. So ist es auch beim Easy Rohler ER-E1 von Idworx (ausstattungsabhängig von knapp 5000 Euro an), doch mit dem entscheidenden Unterschied, dass ein Elektromotor (Alber Neodrives, 250 Watt) im Hinterrad hilft.

          Neulinge auf dem Pedelec merken schnell, dass sie von den – gerade beim teureren Rad, egal, ob mit oder ohne Motor besonders vielen – Gängen ihrer Schaltung nur sehr wenige nutzen. Die gute alte Dreigangschaltung würde ausreichen, so kommt es einem vor: Eine mittlere Übersetzung für die meisten Situationen und die Fahrt in der Ebene, eine – mäßig – verringerte zum Anfahren und für Steigungen, eine ebenfalls moderat vergrößerte für die Fahrt bergab, damit man nicht ins Leere tritt.

          Das ER-E1 bietet sozusagen sechs Möglichkeiten: von keinerlei Motorunterstützung bis Stufe 5. Statt zu schalten, wählt man mit dem sinnigerweise bei diesem Rad rechts am Lenker angebrachten Taster die passende Unterstützung. Dass der Antrieb von Alber überdies drei Charakteristiken besitzt, wie sich der Motor zuschaltet, sparsam oder betont prompt und sportlich, lässt sich ignorieren: Mit der mittleren Einstellung fährt es sich bestens – und vor allem nervenschonend leise bis unhörbar.

          Das ER-E1 ist ganz klar ein Nischenmodell. Trainierte, die gern sagen, dass sie „noch kein Elektrorad brauchen“, kann es begeistern. Ein Pedelec bietet eben Fahrvergnügen ganz eigener Art über die Unterstützung hinaus. Wer die jedoch dringend benötigt, wird sich wohl auf diesem Rad rasch überfordert fühlen. Die Sorge, ohne Gangschaltung sei ein Fahrrad nur etwas fürs Flachland, ist unbegründet: Die Übersetzung von 43 Zähnen vorn an der Kurbel zu 17 am Ritzel im Hinterrad (so beim Antrieb mit Kette, gegen Aufpreis ist wahlweise ein Gates-Riemen möglich) tritt sich sehr weich.

          Auch Zwölfprozenter in den Ausläufern des Taunus waren gut zu bewältigen. Dabei musste nicht einmal die äußerste Motorleistung abgerufen werden. Die dem Neodrives-Antrieb oft nachgesagten thermischen Probleme traten nicht auf. Der 612-Wattstunden-Akkupack erlaubt 100-Kilometer-Touren mit Gepäck auf dem rund 21,5 Kilogramm wiegenden Rad.

          Mit seinem hohen Preis versöhnen gleich mehrere Faktoren mehr als ausreichend: Zum einen die puristische, auf jeglichen Schnickschnack verzichtende Ausstattung, die in jedem Punkt erstklassig ist – bis auf die Pedale, die sind bei Nässe ein Graus. Mehr noch als die Ausstattung gefällt die Verarbeitung. Wie auch für die anderen Räder der Marke Idworx typisch äußert sich in vielen Kleinigkeiten eine Liebe zum Detail, die ihresgleichen sucht.

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