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Das Grenzwert-Drama : 95 Gramm

Seit September 2017 gilt das WLTP, ein weltweit harmonisiertes Prüfprogramm. Hier eine Abgasprüfung beim TÜV Rheinland. Bild: Andreas Liebschner/TÜV Rheinland AG

Von 2020 an dürfen Neufahrzeuge in Europa im Schnitt nur noch vier Liter Benzin oder dreieinhalb Liter Diesel verbrauchen. Wie es zu einem Grenzwert kam, der die Grenzen der Physik sprengt.

  • -Aktualisiert am
          6 Min.

          Fast das Gewicht einer Tafel Schokolade, und das je Kilometer: 95 Gramm, mehr Kohlendioxid soll ein europäisches Durchschnittsauto vom kommenden Jahr an nicht mehr ausstoßen. Wird es aber, sagen viele Fachleute, und zwar nicht, weil die Fahrer andauernd auf dem Gaspedal stünden und so die übliche Diskrepanz zwischen Norm und Normalität zu Tage träte. Beinahe allen Herstellern droht, die in offiziellen Prüfstandstests ermittelten Sollwerte zu verfehlen. Das Schicksal scheint kaum abzuwenden, es schlägt zu mit der Macht eines klassischen Dramas und lässt sich demzufolge in fünf Akten erzählen.

          Erster Akt: Exposition

          Was in Zukunft passieren wird, wurzelt oft tief im Vergangenen. Ende der 1990er Jahre ringt der europäische Verband der Automobilhersteller (ACEA) mit der Europäischen Kommission um eine freiwillige Selbstverpflichtung, die den Kraftstoffverbrauch neuer Pkw reduzieren soll. Man einigt sich schließlich, kurz nach der Jahrtausendwende, auf einen Flottendurchschnittswert von 140 Gramm pro Kilometer, das entspricht rund fünf Litern Benzin oder – des höheren Kohlenstoffanteils im Kraftstoff wegen – 4,5 Liter Diesel. Spätestens 2008 soll er erzielt werden. Weil der Dieselmotor im Premiumsegment gerade erst am Anfang seiner Karriere steht, gehen die Autohersteller davon aus, den Wert sicher zu erreichen. 2007 erscheint dann, kurz vor dem Genfer Autosalon, ein neuer Sachstandsbericht des Weltklimarates IPCC, der keinen Zweifel daran lässt, dass der Klimawandel vom Menschen verursacht wird. Hektisch bekleben einige Hersteller ihre Ausstellungsfahrzeuge mit Folien, die auf den niedrigen CO2-Ausstoß hinweisen sollen. Der neue Smart wird sogar als „CO2-Weltmeister“ ausgerufen.

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