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Wellnessoase : Der nobelste aller Range Rover

4,4 SDV8 LWB SV Autobiography Black nennt sich dieser Range Rover Bild: Hersteller

Range Rover 4,4 SDV8 LWB SV Autobiography Black nennt sich dieses Modell. Wir würden prägnanter sagen: der Kapitän. Nicht umsonst trägt dieser Range Rover vier Streifen am Kotflügel.

          3 Min.

          Wer Range Rover verstehen will, muss sich nur bei der Konkurrenz umsehen. Die gibt es nämlich nicht. Noch nicht, muss man nun hinzufügen, denn die zu Volkswagen gehörenden Briten von Bentley lässt der Erfolg ihrer Nachbarn nicht ruhen, und so ist der Bentayga genannte Geländewagen mit gebührendem Volldampf Richtung Zielgerade unterwegs, die er Anfang 2016 erreichen soll.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Natürlich rein zufällig stimmen bis zur Reifengröße ziemlich viele Parameter mit dem Range Rover überein, und das drängende Problem, selbst unter Zuhilfenahme der gesamten Optionsliste nicht mal 200 000 Euro für ein Schloss auf Rädern ausgeben zu können, wird Bentley nebenbei gleich mit lösen. Doch bis es so weit ist, streicht Range Rover Kaufvertrag um Kaufvertrag ein, und bis Bentley auch eine Langversion ins Rennen schickt, wird noch viel mehr Zeit vergehen.

          Deren Markt ist nicht zu unterschätzen: 25 Prozent der Käufer entscheiden sich für den mindestens 132 000 Euro teuren Range Rover mit langem Radstand. Vor allem wohlhabende Chinesen lieben ihn, weil sie im Geländewagen selbst fahren können, ohne als von Verarmung bedroht zu gelten und die Karosse ihre Wirkung als Statussymbol entfaltet. Damit nicht genug. Wer im Konfigurator weiterklickt, kommt an einen Punkt, an dem der Online-Auftragnehmer die Annahme verweigert. Dann wird zum Händler des Vertrauens verwiesen, von wo aus der Weg in die Abteilung für Sonderaufgaben führt.

          Range Rover 4,4 SDV8 LWB SV Autobiography Black nennt sich die dort zu erstehende Wellnessoase, wir würden prägnanter sagen: der Kapitän. Nicht umsonst trägt der nobelste aller ohnehin nicht gerade armselig ausstaffierten Range Rover vier Streifen am Kotflügel.

          Die schwierigste Entscheidung ist vor der Fahrt zu treffen: vorn links oder hinten rechts einsteigen? Hier wie dort warten an Bequemlichkeit schwerlich zu überbietende Ohrensessel mit herrschaftlichem Ausblick aus der Penthouse-Etage. Am aus Holz und Leder fein komponierten Lenkrad wird der Pilot zum Dirigenten. Majestätisch rollt der Range Rover dem Horizont entgegen, die Zeit folgt einer anderen Rechnung, und wenn du dann merkst, dass du vor dem Rewe stehst und für die Grillparty noch Heinz-Ketchup holen sollst, weißt du, dass man mit dem Schiff auch auf dem Eltern-Kind-Parkplatz anlegen kann. Wer sich eher Kreisen von Direktoren zurechnet und der Verwechselbarkeit von schwarzen S-Klassen überdrüssig ist, nimmt die zweite Reihe ein.

          Die dorthin führende Tür ist so lang wie andernorts ganze Autos, mithin ein Portal, hinter dem sich die Welt der Chauffeurlimousinen öffnet. In der gibt es Platz 1A und 1B. Beide sind von den italienischen Kuhhautkennern Poltrona Frau aufs feinste angerichtete Orte, doch rechts der Bar mit ihren beiden Kühlschränken und den elektrisch ausfahrenden Tischen lebt und liegt es sich noch einen Hauch formidabler. Der Ruhesitz fährt zur sich neigenden Rückenlehne eine Fußstütze hoch und den Beifahrersitz gen Windschutzscheibe aus den Beinen, auf dass die Reise niemals enden möge. Die Stütze gibt es links nicht, und eingeheizt wird dem armen Nachwuchsmillionär dort auch noch.

          825-Watt-Orchester in der Mitte des Raumes

          Die Verfüllung des Champagners in die bordeigenen Gläser gelingt wohltemperiert, allerdings bläst der Kühlschrank seine Abwärme in den - natürlich linken - Fußraum. Beide wiederum können sich hinter elektrisch ausfahrenden Verdunkelungen ihren Träumen hingeben, fernsehen oder der Musik lauschen, deren 825-Watt-Orchester in der Mitte des Raumes aufzuspielen scheint.

          Das höhenverstellbare Luftfahrwerk passt mit seiner kreuzfahrtschiffähnlichen Behäbigkeit gut zum Auftritt, und es versucht mit gewissem Erfolg, die hoch bauende Karosserie in Kurven auszubalancieren. Autobahnen mag der Wagen lieber, obgleich Querfugen durchschlagenden Eindruck hinterlassen. Da rutscht dem Sir schon mal der Plumpudding vom Teller.

          Das passiert sonst nur, wenn mit dem Fahrer die 339 Pferde durchgehen, wozu sie eigentlich nicht erzogen sind. Im der Hektik entschwebenden Alltag stellen sich rund 11 Liter Verbrauch ein, was die Klientel angesichts des Business-Komforts als Economy-Durst werten dürfte. Es ist angenehm zu wissen, dass in dem geruhsamen Achtzylinder-Diesel Reserven auf Freilassung warten, doch meist gewinnt der Wunsch nach Entschleunigung Oberhand. Was einen nicht vor falschen Anschuldigungen bewahrt: „Hier musst du langsam fahren!“, brüllt der die Vorfahrt missachtende Taxifahrer, als der aus 30 km/h vollbremsende Bug des Range Rover in Augenhöhe zu Stehen kommt. Ein Showstar ist der Range Rover nicht, wohl aber ein mächtig prächtiges Statement. 185 000 Euro teuer. Hätten wir nicht das Sparschwein für ein Perlenkettchen geschlachtet, nähme er uns nun mit auf die Reise, der Kapitän.

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