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Brennstoffzellen-Antrieb : Wasserstoff ist der neue Sprit

  • -Aktualisiert am

Der neue Brennstoffzellen-Toyota im Querschnitt: Die beiden Wasserstofftanks (je 60 Liter Volumen) sitzen unter der Rückbank und auf der Hinterachse. Bild: Hersteller

Mit dem Toyota Mirai und dem Honda Clarity fahren zwei weitere neue Autos ins Brennstoffzellen-Zeitalter. Ist das die Zukunft des Automobils? Ein Blick auf die Technik.

          Katsuhiko Hirose fühlt sich bisweilen wie Don Quichotte. Denn mit seinem Engagement für die Brennstoffzelle kämpft der Toyota-Veteran gegen viele Windmühlen. Zwar ist er das Bohren dicker Bretter gewöhnt. Nicht umsonst gilt er als einer der Väter des Prius und hat miterlebt, wie der Hybrid erst ausgelacht und dann von allen nachgemacht wurde. Doch es braucht diesmal offenbar noch mehr Stehvermögen, um der Technik, die aus Wasserstoff den Strom für einen Elektroantrieb erzeugt und als einziges Abgas Wasserdampf ausstößt, zum Durchbruch zu verhelfen. Zu groß sind Aufgaben und Ausgaben für eine tragfähige Infrastruktur und vor allem für die Produktion des Treibstoffs aus regenerativen Energien, als dass wir über Nacht in eine neue Zeit fahren könnten.

          Niemand bei Toyota rechnet deshalb ernsthaft damit, dass der jetzt debütierende Mirai, den die Japaner als erstes designiertes Brennstoffzellen-Auto für die Großserie feiern, tatsächlich zum Bestseller wird. „Doch irgendjemand muss ja den Anfang machen“, sagt Hirose und wünscht sich nichts sehnlicher als ein paar Mitstreiter. Während die Autohersteller sonst akribisch auf ihren Vorsprung bedacht sind und sich mit Hunderten von Patenten schützen, hat Toyota seine Entwicklungen offengelegt und alles dafür getan, Nachahmer zu animieren. Selbst eine Kooperation mit BMW sind die Japaner eingegangen, um endlich das Feuer für die Brennstoffzelle zu zünden.

          Und so ganz langsam flammt der jahrzehntelange Schwelbrand jetzt tatsächlich auf. Zwar ist BMW noch Jahre von einem Serienmodell entfernt, und die Allianzpartner Daimler, Ford und Renault-Nissan wollen erst 2017 mit einem Auto kommen. Doch Hyundai aus Korea hat schon ein Brennstoffzellen-Auto fertig, verkauft und verleast es auch, macht aber nicht so viel Aufhebens darum. Allerdings ist der Fuel-Cell-Hyundai kein originäres Auto, sondern man hat die Technik in das vergleichsweise biedere SUV ix35 adaptiert. Die Reichweite beträgt 400 Kilometer. Jetzt aber hat Honda auf der Motorshow in Tokio einen neuen Clarity enthüllt, der genauso konsequent um die Brennstoffzelle herum entwickelt wurde wie der Mirai. Zu einem ganz ähnlichen Startpreis von umgerechnet rund 57.000 Euro soll er im Frühjahr in Japan auf den Markt kommen und wenig später auch in den Export gehen.

          Kleiner als Honda kann keiner, sagen die Entwickler

          Zwar kommt der Clarity damit ein Jahr nach dem Mirai, und genau wie damals beim Hybridantrieb lässt sich Honda mal wieder von Toyota die Show stehlen. „Schließlich wird gern vergessen, dass wir die Brennstoffzelle bereits in der zweiten Generation auf der Straße haben“, sagt ein vergleichsweise frustrierter Honda-Ingenieur mit Blick auf knapp 100 frühere Clarity, die seit 2008 vor allem in Kalifornien verkauft wurden.

          Doch dafür ist der neue Clarity gegenüber dem Mirai das reifere, weiterentwickelte Auto. Den Unterschied macht dabei vor allem die Brennstoffzelle selbst, die Honda stärker komprimiert hat als jeder andere Hersteller: Rund ein Drittel des Volumens haben die Japaner durch optimierte Membranen gespart und den sogenannten Stack damit so weit geschrumpft, dass er zusammen mit der E-Maschine unter die Motorhaube passt. „Das ganze Antriebspaket wiegt so viel wie ein V6-Motor und braucht nicht mehr Platz“, prahlt der deutsche Honda-Manager Thomas Brachmann, der seit Jahren an der Brennstoffzelle mitarbeitet. Entsprechend leichter tut sich Honda beim Packaging der Limousine, die mit 4,90 Meter das gleiche Format hat wie der Mirai.

          Kleiner kann keiner, sagen die Entwickler stolz, zeigen bereitwillig einen Kofferraum, der noch immer zerklüftet ist, jetzt aber immerhin drei große Golftaschen fasst, und bitten Mitfahrer am liebsten auf den Rücksitz. Denn obwohl man dort auf einem Karbontank für den Wasserstoff sitzt, hat man im Clarity mehr Platz als in einem großen Mercedes – und natürlich als im Mirai.

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