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Brennstoffzellen-Antrieb : Wasserstoff ist der neue Sprit

  • -Aktualisiert am

2,5 Tage für eine Tankfüllung

Obwohl die Technik enger zusammen geht, kommt man damit etwas weiter: Genaue Messwerte stehen noch aus, aber rund fünf Kilo Wasserstoff sollen in die beiden Druckkartuschen passen und je nach Norm zwischen 480 und 700 Kilometer reichen. „Im Alltagsbetrieb deutlich mehr als 500 Kilometer“, scheint deshalb eine realistische Ansage. Für den Mirai liegt die offizielle Angabe dagegen bei nur 550 Kilometer.

Keinen nennenswerten Unterschied spürt man beim Fahren. Der Mirai hat zwar nur 155 und der Clarity 177 PS. Aber bei einem Gewicht von jeweils knapp zwei Tonnen kommt es auf die paar PS nun wirklich nicht an.

Aber Honda hat nicht nur das reifere Auto gebaut. Sondern der kleinere der beiden Japaner denkt auch bei der Infrastruktur ein Stück weiter. Um die Lücken in der Wasserstoffversorgung möglichst schnell und preiswert zu schließen, haben sie zum Auto gleich noch eine mobile Chemiefabrik entwickelt. Kleiner als eine Fertiggarage und viel billiger als jede Tankstelle, birgt der Container alles, was man für die Herstellung von Wasserstoff benötigt: „Man muss diese Smart Hydrogen Station nur an eine Wasser- und eine Stromleitung anschließen, schon hat man eine Zapfsäule“, sagt Brachmann.

Dumm nur, dass man dann zum Tanken viel Geduld braucht. Denn mehr als zwei Kilo Gas produziert die Station nicht. Es dauert also 2,5 Tage, bis der Wasserstoff für eine Tankfüllung im Clarity erzeugt ist. Dabei liegt einer der Vorteile der Brennstoffzelle gegenüber dem Elektroauto darin, dass man nur drei Minuten an die Zapfsäule statt stundenlang an die Steckdose muss.

Zukunft der Brennstoffzelle liegt erst einmal in Japan und Kalifornien

Die Technik kompakter, das Design nicht ganz so schaurig und sogar eine zaghafte Antwort auf die Probleme bei der Infrastruktur – eigentlich hätte Honda damit das Zeug, dem ewigen Rivalen Toyota endlich mal wieder davonzufahren. Doch dafür mangelt es Firmenchef Takahiro Hachigo offenbar an Mut oder zumindest an Entschlossenheit. Denn während Toyota offen von großen Stückzahlen spricht, für dieses Jahr 700, für das nächste Jahr 3000 und für 2020 sogar 30.000 Brennstoffzellen avisiert, geht Hachigo lieber kein Risiko ein und jongliert mit sehr viel kleineren Zahlen: „Mehr als 200 Autos werden wir im nächsten Jahr nicht bauen“, sagt er am Rande der Motorshow in Tokio. Und die allermeisten davon gehen ins Behörden-Leasing. Während Toyota Ende des Monats auch in Deutschland den ersten Mirai an einen Privatkunden ausliefert, werden auf den Honda sogar japanische Selbstfahrer bis 2017 warten müssen.

Egal ob Honda oder Toyota – beide suchen das Heil der Brennstoffzelle erst einmal in Japan und in Kalifornien, weil dort Forderungen und Förderungen entsprechend hoch sind. Europa und speziell Deutschland bespielen sie nur für das Image und planen mit sehr kleinen, zweistelligen Zahlen.

Entwickler kämpft unermüdlich weiter

„In Europa können zwei noch so große Japaner den Markt allein nicht machen“, sagt Honda-Manager Thomas Brachmann und wartet sehnsüchtig darauf, dass endlich auch Daimler & Co ihr immer wieder verschobenes Versprechen wahr machen und ihre Brennstoffzellen auf die Straße bringen. Und spätestens seit zwischen BMW und Mercedes plötzlich ein Technologie-Wettrennen entbrannt ist, spricht vieles dafür, dass es zum Ende des Jahrzehnts tatsächlich so weit sein könnte, freut sich Brachmann: „Denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft.“

Toyota-Veteran Hirose will sich keinen vorschnellen Hoffnungen hingeben. Denn zu oft hat er schon solche Versprechungen gehört. Und wenn man ihm die Laune verderben möchte, dann muss man ihn nur auf Männer wie Christian Friedrich Schönbein ansprechen, der vor über 150 Jahren die erste Brennstoffzelle gebaut hat. Doch der japanische Pionier lässt sich davon in seinem Kampf gegen die Windmühlen nicht beirren. Denn er weiß um die Endlichkeit des Mineralöls und um die Notwendigkeit einer Alternative – selbst wenn Benzin und Diesel noch 30, 40 oder gar 100 Jahre verfügbar sein sollten. Und er weiß, dass man Zeit braucht, wenn man die Welt verändern will. „Deshalb kann man gar nicht früh genug damit anfangen.“

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