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Wankelcoupé : Mazda RX-8: Abschied per Gesetz

  • -Aktualisiert am

Der letzte Wankel: Der Mazda RX-8 wird in Europa nicht mehr verkauft Bild: Hersteller

Das Wankelcoupé scheitert an der Euro-5-Abgasnorm. Zum 31. Dezember stellt Mazda den Verkauf des RX-8 in Europa ein. Damit verschwindet das letzte Auto mit Wankelmotor vom deutschen Neuwagenmark - und bleibt ein Fall für Kenner und Liebhaber.

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          Zum 31. Dezember stellt Mazda den Verkauf des RX-8 in Europa ein. Damit verschwindet das letzte Auto mit Wankelmotor vom deutschen Neuwagenmarkt. Mit seinem unverwechselbaren Profil und den zierlichen, nach hinten öffnenden Fondtüren ohne Mittelpfosten ist und bleibt der seit 2003 gebaute Mazda RX-8 ein Fall für Kenner und Liebhaber. Zur absoluten Ausnahmeerscheinung aber wird das viertürige Coupé durch das, was sich unter seiner flachen Motorhaube verbirgt: ein Zweischeiben-Kreiskolbenmotor, der bei einem Kammervolumen von 2 × 654 Kubikzentimeter Hubraum in seiner bei uns zuletzt lieferbaren Ausführung 170 kW (231 PS) bei 8200 Umdrehungen je Minute leistet. Kombiniert mit einem manuellen Sechsgang-Schaltgetriebe macht das kompakte Wankel-Triebwerk den RX-8 zur hochtourigen Fahrmaschine mit turbinenartiger Charakteristik. Von „unten heraus“ tut sich wenig; wie ein Sportmotor alter Schule will der surrende, vibrationsarme Kreisläufer fleißig geschaltet und auf hohen Drehzahlen gehalten werden. Erst bei 9000/min, angekündigt durch ein akustisches Signal, ist Schluss; die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 230 km/h.

          Mit seinem ebenso problemlosen wie präzisen Fahrverhalten sowie der sportlichen Innenausstattung sammelte der RX-8 weitere Pluspunkte. Aber es sind die Minuspunkte, die ihm jetzt das Aus auf den europäischen Märkten bescherten. Sein hoher Benzinverbrauch und, damit verbunden, die schlechten Emissionswerte sorgen dafür, dass der stilvolle Viertürer an der strengen, seit Jahresbeginn gültigen Euro-5-Abgasnorm für alle neu zugelassenen Kraftfahrzeuge scheitert; in Asien und Amerika ist der Wankel-Mazda dank laxerer Normen weiterhin zu haben. Ist damit der revolutionäre Wankelmotor endgültig gescheitert? Immerhin haben sich etliche renommierte Hersteller damit befasst, haben aber seine prinzipbedingten Schwächen nicht in den Griff bekommen.

          Er will einen Benzinmotor ohne gegenläufige Teile bauen

          Auch NSU nicht, das Unternehmen, das untrennbar mit dieser anspruchsvollen Technik und ihrem Schöpfer verbunden ist. Dort begann 1951 die Zusammenarbeit mit Felix Wankel (1902 bis 1988), der ein ehrgeiziges Ziel verfolgte: Er will einen Benzinmotor ohne gegenläufige Teile wie beim Hubkolbenmotor bauen. Nach einigen Fehlschlägen kann er Ende 1959 den ersten Typ des neuen Motors vorstellen, die Serienfertigung läuft 1962 an: Der kleine, KKM 150 genannte Kreisläufer treibt ein winziges, SkiCraft genanntes Wasserskiboot an, das vom Wasserskiläufer selbst gesteuert wird. Ein paar tausend Stück werden in den folgenden Jahren verkauft. Und auf der IAA in Frankfurt am Main zeigt NSU im September 1963 den NSU Spider - das erste Serienauto der Welt mit Wankelmotor. Der kleine Sportwagen leistet 37 kW (50 PS) und fasziniert mit hohem Drehvermögen und großer Laufruhe; dafür sind die Durchzugskraft gering und der Benzinverbrauch hoch. Aber Probleme mit der Motorabdichtung führen zu gravierenden Schäden. Doch NSU lässt nicht locker, mag VW-Chef Nordhoff den Wankelmotor auch als „totgeborenes Kind“ bezeichnen. Im September 1967 kommt der Ro 80 mit Zweischeiben-Wankelmotor und 85 kW (115 PS).

          Wasserski-Boot zum Selbstfahren

          Längst umfasst die Liste der Lizenznehmer illustre Marken wie Alfa Romeo, Citroën, Daimler-Benz, Porsche, Rolls-Royce und General Motors. Aber alle deren Versuche mit der neuen Technik verlaufen letztlich im Sande. Anders bei Mazda. Die Toyo Cork Kogyo Co. in Hiroshima, die seit 1984 Mazda Motor Corporation heißt, hat am 27. Februar 1961 die Lizenz von NSU übernommen und blickt heute auf eine lange Tradition mit Rotations- oder Kreiskolbenmotoren zurück. Bereits 1967 erscheint der Cosmo 110 S mit Zweischeiben-Wankelmotor, wenig später ergänzen zahlreiche weitere Modelle das Angebot: etwa der RX-7, der als direkter Vorgänger des RX-8 auch bei uns zum gewohnten Anblick im Straßenbild wird. Aus und vorbei? Vielleicht nicht. Mazda hat auf dem Autosalon von Tokio 2007 einen möglichen RX-8-Nachfolger präsentiert, dessen intern 16X genanntes Triebwerk deutlich bessere Verbrauchs- und Abgaswerte bieten soll. Wir sind gespannt.

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