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Technik gegen Waldbrände : Wenn die Feuerwehr vom Himmel kommt

  • -Aktualisiert am

Feuerwehr von oben: Löschflugboote vom Typ Canadair 415 sind derzeit im Dauereinsatz. Bild: Archiv Frank Herzog

Zur Bekämpfung von Waldbränden sind Löschflugzeuge oft die einzige Lösung. Welche es gibt, wie sie funktionieren.

          4 Min.

          Frankreichs Staatspräsident Macron hat kürzlich angesichts der Waldbrand-Schreckensmeldungen von der At­lantikküste, aber auch wegen der Feuer am Mittelmeer, mehr Löschflugzeuge für die Europäische Union ge­fordert. Das ist aber leichter gesagt als getan.

          Denn viel Auswahl an solchen Spezialflugzeugen gibt es nicht. Im Mittelmeerraum oder wie derzeit an der französischen Atlantikküste geht zwar nichts ohne den Einsatz von Löschflugzeugen. In den oft unzugänglichen und wenig be­siedelten Regionen im Hinterland der Küsten sind diese und Hubschrauber oft die einzige Chance, einen Brandherd ein­zudämmen und die Feuerwehren am Boden effektiv zu unterstützen.

          Deshalb sind in Frankreich, Spanien, Italien, Griechenland, Portugal und der Türkei Löschflugzeuge ein gewohnter Anblick am Himmel. Es gibt in der westlichen Welt aber eigentlich nur einen einzigen Anbieter von Löschflugbooten. Das sind die Maschinen vom Typ Canadair 215 T oder 415 des kanadischen Herstellers Bombardier. Seit 2016 werden diese Spe­zialflugzeuge von Viking Air ebenfalls in Kanada gebaut.

          Diese in ihren Grundzügen schon Ende der Sechzigerjahre entwickelten Flugboote hatten früher zwei Sternmotoren und verfügen heute über zwei Propellerturbinen des Typs Pratt & Whitney PW123AF. Sie leisten jeweils 2380 PS. Die 415 hat als modernste Version, anders als die 215 T, vier statt zwei Löschtanks. Die Canadair 215T/415 ist zudem das einzige Flugzeug der west­lichen Welt, das speziell auf die Feuerbekämpfung aus der Luft hin konstruiert wurde. Durch ihr Amphibienfahrgestell kann sie sowohl auf Land als auch auf Wasser starten und landen. Derzeit versucht Viking Air, das Interesse von Re­gierungsstellen für eine größere Version vom Typ 515 zu wecken, die in den kommenden Jahren in Serie gebaut werden soll. Diese auf der 415 basierende Va­riante soll 7000 Liter Löschmittel und damit rund 15 Prozent mehr aufnehmen.

          Das Flugboot ist bei diesem Manöver auf dem Wasser immer noch etwa 130 Kilometer in der Stunde schnell. Bilderstrecke
          Canadair 215 T und 415 : Wenn die Feuerwehr vom Himmel kommt

          Anders als Piloten von bodengebundenen Löschflugzeugen, die auf einem Flugplatz landen, ihren Wassertank ge­füllt bekommen und in dieser Zeit Pause machen können, ist eine Canadair-Crew bis zur Landung zum Tanken von Kerosin für ihre Turbinen im Dauereinsatz. Denn sofort nach dem Abwurf von etwa 6000 Liter Wasserballast über dem Feuer wird auf dem nächstmöglichen See oder im Meer aufgesetzt und Löschwasser aufgenommen. Dabei gleitet die Maschine auf dem Wasser, vergleichbar einem Tragflächenboot. Die Flüssigkeitsaufnahme dauert mit der Canadair zwar nur zwölf bis 14 Sekunden, ist aber an­spruchsvoll für die Piloten. Denn das Flugboot ist bei diesem Manöver auf dem Wasser immer noch etwa 130 Kilometer in der Stunde schnell.

          Durch eine Luke unten am Rumpf wird das Wasser binnen Sekunden in die Löschtanks gepresst. 410 Meter Strecke auf dem Meer oder einem See reichen, um die Löschtanks zu füllen. Diese Phase des Flugs ist ähnlich gefährlich wie über dem Brandherd, weil die Crew auf Wellengang, wechselnden Wind oder Boote und treibende Gegenstände im Wasser aufpassen muss. Eine Kollision mit Treibgut bei Tempo 130 könnte das Flugzeug zerstören. Zudem hat die Zweimotorige nach dem Abheben nun auch plötzlich sechs Tonnen mehr Ge­wicht und fliegt sich entsprechend schwerfälliger.

          Es gibt aber auch kleinere Maschinen, die speziell für den Löscheinsatz gebaut werden. Etwa die amerikanische AT-802 Fire Boss. Das ist ein Turboprop-Löschflugzeug, das der amerikanische Hersteller Air Tractor auf Grundlage eines Agrarflugzeugs entwickelt hat. Diese Einmotorige besitzt amphibische Schwimmer mit einziehbaren Rädern. Sie kann also sowohl von Land als auch von Wasser aus operieren und ist speziell zur Bekämpfung von Feuer aus der Luft entwickelt.

          Die Fire Boss kann deshalb ebenso wie eine Canadair auf einem See oder dem Meer Löschwasser aufnehmen, während sie über die Wasseroberfläche gleitet. Dadurch muss nicht zeitraubend eigens auf einem Flugplatz zur Löschmittelaufnahme gelandet werden. Die Fire Boss ist deutlich wendiger und preiswerter als eine Canadair, kann aber auch nur einen Bruchteil der Löschmittelmenge über dem Feuer ab­werfen.

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