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Elektromobilität : Budd-E soll VW fit für die Zukunft machen

  • -Aktualisiert am

Mit viel Bling-Bling: Der Prototyp VW Budd-E Bild: Hersteller

Mit dem Budd-E will Volkswagen in eine rosige Zukunft starten – alles elektrisch und rundum vernetzt versteht sich. Doch noch existieren einige Innovationen nur auf dem Papier, das soll sich schleunigst ändern.

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          „New Volkswagen“, das ist eine Formulierung, die Konjunktur hat in Wolfsburg: Wann immer ein VW-Manager in diesen Tagen auf die Bühne tritt, dann spricht er vom Neuanfang und der Neuausrichtung des Unternehmens. In erster Linie meint das natürlich die Unternehmenskultur und den Aufbau des vom Dieselskandal zerstörten Vertrauens. Aber der Begriff hat auch eine technische Dimension und steht für das neue Bekenntnis zum Elektroantrieb, der nicht mehr als leidige Pflicht betrachtet wird, sondern als Chance. Und jetzt hat „New Volkswagen“ auch ein Gesicht. Als erstes Auto dieser neuen Ära hat VW in Las Vegas Budd-E vorgestellt. Noch ist es eine Studie, doch technologisch ist das Einzelstück so weit gediehen, dass es gefahren werden kann.

          Das Design erinnert an den guten alten Bulli, also den VW-Bus, der diesen Kosenamen trägt. Dieser Rückgriff hat zwei Gründe, sagt Dzemal Sjenar, der den Aufbau des Prototypen verantwortet: Zum einen sei der Wagen Träger einer ungebrochenen Sympathie, der vor allem den Amerikanern die selige Erinnerung an goldene Hippie-Zeiten in den Sinn zaubert. Und zum anderen brauchte Sjenar eine große Bühne für die Elektronikmesse, auf der er vorgestellt wurde. „Wir wollten neben dem Elektroantrieb auch ein neues Infotainment-Konzept präsentieren. Dafür brauchten wir ein bisschen Platz.“

          Diese neue Welt im Budd-E ist clean und klar, sie ist hell und transparent, und vor allem ist sie digital: Das Cockpit erinnert an den Kommandostand vom Raumschiff Enterprise, man sieht nur noch Bildschirme, und außer den Tasten für die Gangwahl oder den Warnblinker gibt es keinen einzigen Knopf mehr in dieser futuristischen Bedienlandschaft. Selbst die üblichen Lenkradtasten sind Sensorfeldern gewichen: Wo man früher noch drücken und drehen musste, reicht jetzt ein Wischen oder Winken.

          Rundum vernetzt

          Natürlich ist man dabei „always on“ und immer „connected“, lässt Sjenar die Zauberwörter der Digital Natives fallen. Denn während die Mitfahrer hinten in einer vornehmen Lounge lümmeln, laufen auf dem 34 Zoll großen Flatscreen im Fond nicht nur Musikvideos passend zur Route.

          Das Cockpit erinnert eher an Raumschiff Enterprise als an ein Auto. Bilderstrecke

          Surfen im Netz, in den sozialen Netzwerken und sogar durch sein smartes Zuhause ist möglich. Mal eben den Biervorrat im Kühlschrank kontrollieren, die Heizung hochdrehen oder schon mal die Kumpels für den Fußballabend reinlassen, die wie immer ein paar Minuten zu früh dran sind: Wer im Budd-E unterwegs ist, den kostet das kaum mehr als ein Lächeln und ein Winken. Dabei finden virtuelle Welt und Realität in der Studie immer wieder zusammen. So wie zum Beispiel in der großen Schublade unter dem Heck. Denn alles, was man während der Fahrt online bestellt, kann der Paketbote etwa im Parkhaus einfach zustellen und den Budd-E so wie eine mobile Packstation nutzen.

          Während das Interieur nach Spielerei aussieht, ist es Volkswagen mit dem Antrieb schon ziemlich ernst. Noch stecken unter der schmucken Hülle des binnen Jahresfrist aufgebauten Einzelstücks zwar der Motor aus dem E-Golf und das Akkupaket aus dem Passat GTE. Doch intern läuft schon mit Hochdruck die Entwicklung des Modularen Elektrifizierungsbaukastens (MEB), der VW fit machen soll für die Zukunft. Nachdem Elektrotraktion in Wolfsburg bislang immer nur in die konventionellen Architekturen gezwungen wurde, ist das für Sjenar, als habe man ihm die Fesseln abgenommen oder die Leine gelockert.

          Auf dem Niveau des Tesla

          „Wir mussten keine Kompromisse mehr machen und hatten ganz neue Freiheiten,“ freut sich der Ingenieur über die Plattform, die um einen im Wagenboden integrierten Akku herum entwickelt wird und womöglich trotzdem auf dem gleichen Band produziert werden kann wie ein schlichter VW Golf.

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          Aber Kompromisse mit sich Sjenar auch kaum erlauben können. Zu ehrgeizig sind schließlich die Vorgaben, die der MEB erfüllen muss, wenn VW zum Ende des Jahrzehnts tatsächlich mit Autos wie dem Chevrolet Bolt, der nächsten Generation des BMW i3 oder dem ominösen Modell3 von Tesla konkurrieren will: 500 Kilometer Reichweite stehen im sogenannten Lastenheft, dazu sind vernünftige Fahrleistungen und kurze Ladezeiten gefordert.

          Dafür plant Sjenar mit einem Akku-Paket von 92,4 kWh, das mit einer Starkstromladung binnen 30 Minuten wieder fast voll ist. (Das ist auf dem Niveau des aktuellen Tesla.) Er spendiert dem Budd-E zumindest in der Theorie vorn einen Motor mit 92 und hinten mit 125 kW und für den kleineren Wendekreis gleich noch eine mitlenkende Hinterachse. Wenn der Wagen kein millionenschweres Einzelstück auf handgefrästen Felgen wäre, dann könnte er in 6,9 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigen und mit 180 km/h über die Autobahn surren.

          Keine pure Show in Las Vegas

          Doch zunächst geht es elektrisch über den Strip in Vegas. Die Türen sind mit einfachen Gesten zu öffnen, und im Cockpit gibt es eine spektakuläre Lightshow. Bei der Studie funktioniert tatsächlich jedes Detail, nichts ist pure Show. „Das war uns wichtig, gerade bei einem Auto mit solch einer Symbolkraft“, betont Sjenar, der dafür auf der einen Seite auch ein deutlich größeres Team hatte, auf der anderen Seite aber noch auf dem Flug nach Las Vegas über den letzten Updates gebrütet und hinter der Premierenbühne zum ersten Mal die Elektronik hochgefahren hat.

          Jetzt muss er es nur noch schaffen, möglichst viel in die Serienfertigung zu retten. Das wird schwer genug. Aber noch schwerer wird die Sache mit den Preisen. Über die will Sjenar zwar lieber noch nicht sprechen. Doch dann sagt der Projektleiter einen Satz, der ihm noch viel Kopfzerbrechen bereiten wird. „Wenn wir tatsächlich ein alltagstaugliches Elektroauto mit Erfolgschancen bauen wollen, dann muss es bezahlbar sein. Dann müssen wir uns mit den konventionellen Fahrzeugen vergleichen lassen, die wir ersetzen wollen.“

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