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VW Scirocco : In der Tradition des frisch geölten Baby-Popos

  • -Aktualisiert am

Langes Dach und knackige Hüften: der VW Scirocco Bild: Hersteller

Langes Dach und knackige Hüften: Voller Dynamik soll der neue VW Scirocco sein, sportlich, fast aggressiv. Ende August erscheint das Sportcoupé mit einem Basispreis von 21.750 Euro. Doch wer schön sein will, muss auch Kompromisse machen.

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          Der Anspruch ist beachtlich. Voller Dynamik soll der neue VW Scirocco sein, sportlich, fast aggressiv. Und trotzdem sehen ihn seine Väter brav und ohne Starallüren vor dem Supermarkt, dem Frisör oder dem Rathaus parken: Das neue Sportcoupé aus Wolfsburg kommt mit dem traditionellen Namen in diesem Sommer auf die Straßen, der Preis für die Basisversion liegt bei 21.750 Euro.

          Vom atemraubenden Effekt des Iroc, der wegbereitenden Studie des Scirocco im Jahr 2006, hat das Serienmodell nicht viel übernehmen dürfen. So bekommt der neue VW eine wiederum sehr gefällige und kraftvolle Form, wenngleich ein neues, aber in aller Konsequenz wiederum ganz anderes Gesicht als alle seine Brüder und Schwestern aus dem Modellprogramm. Der Scirocco wirkt blank und glatt wie ein frisch geölter Kinderpopo, das lange Dach und die knackigen Hüften bringen dem Nachwuchs dennoch eine ordentliche Dynamik, schieben ihn formal an, um die hohen Hürden des rauhen Lebens in dieser Klasse mit Schwung zu nehmen.

          Das Dach verliert sich beinahe endlos

          4,26 Meter lang ist der Zweitürer, er räkelt sich über stattliche 1,81 Meter in der Breite und flutscht dank seiner geringen Höhe von nur 1,41 Meter noch unter manchem Schlagbaum durch. Der Radstand misst unterdessen 2,58 Meter, da bleibt vorne Platz für einen optisch wirksamen Überhang. Das Dach verliert sich beinahe endlos in Richtung des eher strammen und knappen Hecks. Das ergibt einen agilen Auftritt. Das Ladeabteil hat ein Volumen von 292 Liter, die Rücksitzlehnen lassen sich umlegen, und es wächst auf 755 Liter. Unbeladen wiegt das frontgetriebene Sportcoupé 1271 Kilogramm, rund 450 Kilogramm Zuladung sind erlaubt.

          Der Verbrauch im kleinsten Benziner: 6,6 Liter auf 100 Kilometer

          Zwei Benzinmotoren mit jeweils vier Zylindern stehen zur Markteinführung Ende August zur Wahl. Vorläufige Basismaschine ist der 1,4-Liter-TSI mit 118 kW (160 PS) und einer Drehmomentspitze von 240 Newtonmeter bei 1750 Umdrehungen in der Minute zum Preis von 23.300 Euro. Für ihn steht statt des serienmäßigen, manuellen Sechsganggetriebes das Siebengang-DSG bereit. Der Benzinmotor mit zwei Liter Hubraum bringt es auf 147 kW (200 PS) und 280 Nm bei 1700/min. So motorisiert kostet der Scirocco 25.550 Euro.

          Noch in diesem Jahr sollen zwei weitere Motorversionen folgen, der 1,4-Liter-TSI-Basismotor wird zum Winteranfang mit 90 kW (122 PS) bereitstehen. Er drückt maximal 200 Nm bei 1750/min auf die Kurbelwelle. An die Freunde des Dieselmotors ist ebenfalls gedacht, ein Zweiliter-TDI mit Common-Rail-Einspritzung ergänzt das Benziner-Trio mit 104 kW (140 PS) Leistung und einem satten Drehmoment von 320 Nm bei 1750/min. Spitzen-Selbstzünder wird ein im nächsten Jahr nachzureichender Motor des gleichen Hubraums mit 125 kW (170 PS) und 340 Nm Drehmomentspitze.

          Die Ausstattung ist durchaus umfangreich

          Die Verbrauchswerte lagen im Fokus der Abstimmung des Antriebsstrangs, sagt Projektmanager Carsten Gliesche. Auch ein sportlich positioniertes Fahrzeug könne sich den Anforderungen der Umwelt heute nicht verschließen. So gibt sich der kleinste Benziner in der 118-kW-Version mit 6,6 Liter Superbenzin für 100 Kilometer zufrieden. Der 1,8-Liter-Benziner hat einen Normverbrauch von 7,6 Liter Superbenzin, der TDI ist mit 5,4 Litern genormt. Die Verbrauchswerte für den 1,4-Liter-TSI mit 90 kW konnte VW noch nicht nennen.

          Die Ausstattung ist durchaus umfangreich: Im Fond gibt es Einzelsitze, sechs Airbags stehen zur Verfügung, außerdem sind Dinge wie ESP, eine elektromechanische Parkbremse, Tagfahrlicht, Lederlenkrad, Klimaanlage und ein Sportfahrwerk sowie 17-Zoll-Leichtmetallräder Serienausstattung. Gegen Aufpreis gibt es unter anderem Leder- und Alcantara-Ausstattung, Bi-Xenon-Scheinwerfer, die automatische Abstandregelung ACC und die adaptive Fahrwerksregelung DCC. Ein Panorama-Ausstelldach steht ebenfalls als Extra bereit, es bringt Licht in den etwas dunkel geratenen Innenraum. Große Eigenständigkeit beweist der Scirocco mit einem wohlgestalteten Armaturenbrett, üppigen Rundinstrumenten und gelungener Materialwahl für Bezüge und Verkleidungen. Alles wirkt hochwertig.

          Wer schön sein will, muss Kompromisse machen

          Der Ur-Scirocco debütierte 1974 noch vor dem Golf I. Gezeichnet von Giorgio Giugiaro, sollte er die Rolle des erschwinglichen und alltagstauglichen „Sportwagens“ als Nachfolger des VW Karmann Ghia geben. Ob der praxisorientierte Kunde von heute einen zweitürigen Wagen ohne richtige Heckklappe will, sei dahingestellt. Die Ladeöffnung ist einfach zu knapp geschnitten, selbst ein Getränkekasten findet nur mit Mühe den Weg ins Gepäckabteil. Wer schön sein will, muss eben Kompromisse machen.

          Die Messlatte für den neuen Scirocco liegt sehr hoch. Knapp 800.000 Fahrzeuge des Vorgängermodells, von dem es zwei Baureihen gab, wurden in den Jahren von 1974 bis 1992 verkauft. Ihre Motoren - allesamt Benziner - leisteten anfangs 50 bis 85 PS. Der Ur-Scirocco wog nur 805 Kilo und hatte eine praktische Heckklappe.

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