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VW Phaeton : In den Augen die junge Neugier auf die Kunst

  • -Aktualisiert am

Die Lässigkeit des breiten Chroms: Rudolf Kicken vor dem renovierten VW Phaeton Bild: René Gaens

Der neue VW Phaeton, die Gläserne Manufaktur und „Kicken Berlin“: Wir haben uns mit der Leitfigur für Fotokunst, Rudolf Kicken, in Dresden verabredet - ein Tag mit Auto, Kunst und der Erfahrung eines Lebens mit einem beinahe lautlosen Dieselmotor.

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          Dass Rudolf Kicken voller Geschichten und Anekdoten steckt über Zufälle, Fotografen und Fotografien, über Autos und den Wert der Unauffälligkeit, das wird bereits nach dem ersten, kleinen Rundgang klar. Er ist der vielleicht erfolgreichste, aber ohne Zweifel der eloquenteste deutsche Galerist, der mit Kunst in Form von Fotografien handelt. Noch ein Superlativ: Und es gibt keinen seines Metiers, der mehr über Autos und ihre Macher wüsste. Sein erstes Auto war ein Porsche, ein Geschenk des Vaters, der wollte ihn damit ködern, in den elterlichen Baustoffhandel einzusteigen. Daraus wurde nichts.

          Natürlich sammelt Kicken selbst Fotos, kann beim Verkauf mit dem Trennungsschmerz leben, steckt tief in der internationalen Szene seines Metiers, er ist besser vernetzt und verdrahtet als jeder Politiker, und seine Kunden sind Menschen, die es gewohnt sind, für ein künstlerisches Foto, das sie unbedingt an der Wand haben wollen, hunderttausend oder mehr Dollar auszugeben. Mit Sprüchen über Geld und Umsätze hantiert er nicht leichtfertig, aber doch so, dass man fühlt, es ist nicht alles in seinem Leben: Kicken fährt seit Jahren einen VW Phaeton. Der größte Volkswagen hat wenig mit der schillernden Szene, in der sich Kicken häufig zu bewegen hat, gemein. „Ich schätze den Phaeton gerade wegen seiner Unauffälligkeit, wegen seiner zurückhaltenden Eleganz und wegen der Liebe zum Detail, die überall zum Ausdruck kommt.“ Diese an Verehrung grenzende Einstellung hat Kicken nicht daran gehindert, Hand beim Kühlergrill anlegen zu lassen. Er meinte, die Proportionen von Markenzeichen und Kühlerverkleidung passten nicht ideal. Mit der behutsam, aber dennoch deutlich veränderten Frontpartie sowie mit der noch ruhigeren Gestalt des Hecks an dem nach acht Jahren erstmals veränderten VW Phaeton kann Kicken sehr gut leben. Er hat gepflegte Hände mit schmalen Fingern, und damit zeichnet er die Formen des Grills und vor allem der hinteren Kotflügel und der Leuchteinheiten nach. Ja, sagt er, und das klingt wie das Seufzen eines Mannes, der nach Jahren erkannt hat, dass man seinen Vorstellungen nun doch bereit ist zu folgen, ja, so muss das sein. An der Front des nun alten Modells störten ihn nicht nur die nach seiner Meinung unpassenden Proportionen am Kühlergrill, sondern vor allem die tief in der Prallfläche sitzenden oval-runden Zusatzleuchten. Die hat man beim VW-Design jetzt wegradiert, und Kicken kann sich auf das Fahren konzentrieren.

          Auto-Kult-Stätte

          Die Gläserne Manufaktur ist in der Autowelt ohne Beispiel. Wie vieles, was noch in der Amtszeit des einstigen VW-Chefs Ferdinand Pich entstanden ist, greift sie über das Tagesgeschäft hinaus, öffnet den Blick auf eine Vision, in der Volkswagen mehr ist als eine Fabrik, aus der täglich mit unerhörter Konstanz – nur ein einziges Beispiel – um die 2.500 bis 3.500 VW Golf rollen. Zur Gläsernen Manufaktur, die eine reine (auch zu verstehen im staubfreien, produktionshygienischen Sinne) Montagelinie ist, fügen sich die Auto-Kult-Stätte für Bugatti in Molsheim und natürlich die einzigartige Auto-Stadt in Wolfsburg, die eine Heimstatt bietet nicht nur für die Marken des Konzerns, sondern auch für Automenschen.

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