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Fahrbericht VW Passat GTE : Blaue Stunden am gelben Kabel

Bild: F.A.Z., Hersteller

Mit Strom lautlos durch die Stadt, mit Benzin kraftvoll über Land: Der Hybrid mit Stecker verspricht die perfekte Welt. Das ist sie nicht. Aber so ein Auto ändert Denken und Lenken.

          Ob die staatliche Prämie den Markt für Elektroautos in Schwung bringt? Vor drei Wochen wurde sie vom Bundeskabinett beschlossen, für reine Elektroautos beträgt die Subvention 4000 Euro und für Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid 3000 Euro. Letztere haben sowohl einen Verbrennungsmotor als auch eine oder mehrere Elektromaschinen an Bord, und ihre Fahrbatterien lassen sich an der Steckdose aufladen. Der VW Passat GTE ist ein solcher Teilzeitelektriker. Auch die zweite Bedingung zur Förderung erfüllt er. Die Subvention gewährt der Staat nämlich nur für Autos, deren Listenpreis 60 000 Euro netto nicht überschreitet, für die also der Endverbraucher maximal 71 400 Euro überweist.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          So weit, so fein. Und wahrscheinlich nutzlos. Die Autohersteller berichten von unverändert verhaltener Nachfrage, ein Sturm auf das Stromauto hat nicht eingesetzt. Vermutlich lässt sich der potentielle Kunde eher von alltagstauglicher Technik überzeugen denn von einmaligen finanziellen Anreizen. Deshalb lohnt es sich, einem Auto wie diesem Passat auf den Grund zu gehen.

          Die Wolfsburger setzen auf Understatement

          Abgesehen von blauen Farbtupfern an der Karosserie, blauen Bremssätteln, blauen Nähten an Sitzen und Lenkrad und anders geformten Lufteinlässen unterhalb des vorderen Stoßfängers unterscheidet sich der elektrifizierte Mittelklassewagen nicht von seinem konventionellen Bruder. Als deutlichstes Erkennungszeichen wirkt das illuminierte C in der Frontschürze, das für alle elektrischen Volkswagen typisch ist. Ansonsten setzen die Wolfsburger auf Understatement. Wer auffallen möchte, muss zum Toyota Prius greifen oder vollelektrisch im exaltierten BMW i3 aufkreuzen. Die Konzentration auf Bewährtes hat Vorteile. Ergonomie, Fahrverhalten, Komfort und Verarbeitung sind einfach gut, und über den Wiederverkauf muss sich die Kundschaft wenig Sorgen machen.

          Die in die Irre führende, aber derzeit nicht kleinzukriegende Debatte um den Diesel könnte dazu führen, sich für einen Hybriden zu entscheiden. Oder das Gefühl, gewisse Strecken elektrisch zurückzulegen, mithin lokal emissionsfrei und weitgehend lautlos. Wer viel Autobahn fährt, ist mit dem Diesel besser und billiger aufgehoben. Das elektrische Fahren in der Stadt entwickelt indes mit jedem Meter mehr Reiz. Den freilich kann nur genießen, wer die Möglichkeit des Ladens in einer Garage und keine Scheu vor der regelmäßigen Nutzung des Kabels hat. Wer es über den Bürgersteig legen oder durch den Vorgarten ziehen und es nach einem Regenguss wieder einsammeln muss, verliert rasch die Lust. Noch besser ist es, in der Garage ist eine Ladesäule installiert, an der das Kabel aufgerollt hängt. Dann ist es zwar während der Fahrt nicht an Bord, doch es entfällt die Fummelei: Kofferraum öffnen, eventuell dort liegendes Gepäck wegräumen, das 6,30 Meter lange Kabel aus dem Unterboden fischen, Kabelsalat vermeiden oder schon entstandenen entwirren, nach vorn laufen, die labberig wirkende Klappe im Kühlergrill neben dem VW-Emblem öffnen, Schutzkappe entfernen, am Auto und an der Säule einstecken, grüne Kontrollleuchten prüfen. Nach dem Ladevorgang das ganze rückwärts.

          Viereinhalb Stunden laden, 40 Kilometer Elektro fahren

          Wird der Passat mit leerer Fahrbatterie abgestellt, dauert es an der Haushaltssteckdose rund viereinhalb Stunden, bis sie wieder voll ist. Dann meldet die Reichweitenanzeige 49 Kilometer, die unter uns bekannten Umständen nicht zu erreichen sind. Wir sind schon gespannt, wann sogenannte Umwelthilfen dies entdecken und den nächsten Skandal vom Zaun brechen. Mit gesundem Menschenverstand und gezügeltem Temperament schafften wir 41 Kilometer, bis der Benziner zum ersten Mal ansprang. Das ist im Konkurrenzvergleich ein guter Wert. Wer konsequent bei jeder möglichen Gelegenheit nachlädt, kann einen beeindruckend niedrigen Benzinverbrauch vermelden. Allein, man tut es nicht.

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