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Motorräder : Addio Ducati

  • -Aktualisiert am

In den fünf Audi-Jahren nahm Ducati einen guten Weg. Dass der Verkauf eingeleitet ist, wird nicht mehr dementiert. Ducati als Spielball der Eitelkeiten oder der eiskalten Kalkulierer – ein solcher Gedanke tut weh.

          Als im Jahr 2012 die Edelmarke Ducati eine Audi-Tochter wurde und somit unters Dach des Volkswagen-Konzerns geholt wurde, hieß es: Alles nur wegen Piëch, dem allmächtigen Motorrad-Fan. Kauft sich nicht eine Maschine, sondern gleich den Hersteller. Ob das nur bösartiger Tratsch war, welche strategischen Überlegungen dahinterstanden, warum das nach VW-Maßstäben winzige italienische Unternehmen für geschätzte 860 Millionen Euro dem Auto-Imperium hinzugefügt wurde, blieb immer ein wenig schleierhaft. Gelegentlich war von Technologietransfer die Rede. Nun ist er weg, der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Ferdinand Piëch, und es sieht so aus, als seien die Tage Ducatis als Exot im VW-Konglomerat gezählt. „Portfoliobereinigung“ lautet gerade die Losung in Wolfsburg, die angeblich auch das Schiffsdiesel-Geschäft von MAN und den Getriebebau betreffen wird.

          In den fünf Audi-Jahren nahm Ducati einen guten Weg. Auf mehr als 50.000 Einheiten im Jahr wurde der Absatz gesteigert, viele neue Modelle kamen auf den Markt. Die Palette wurde verbreitert, eine Klassiklinie etabliert. Heute hat Ducati nicht nur Hochsportliches, sündhaft Teures im Programm, sondern auch Fahrzeuge, die jüngere Leute und Einsteiger ansprechen. Dem Vernehmen nach schauten die Herren aus dem Norden den Leuten in Bologna genau auf die Finger, doch waren sie offenbar clever genug, sie machen zu lassen, was sie können: technisch anspruchsvolle Motorräder bauen, die im Design italienischer nicht sein könnten. Also: ans Herz gehen.

          Ducati als Spielball der Eitelkeiten oder der eiskalten Kalkulierer – ein solcher Gedanke tut weh. Dass der Verkauf eingeleitet ist, wird nicht einmal mehr dementiert. Wenn es so kommt, wie kolportiert wird, und eine italienische Investorenfamilie den Zuschlag erhält und nicht eine Heuschrecke von sonstwoher, dürften sie in Bologna erstmal aufatmen. Audi, ist zu hören, hätte Ducati gern behalten.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

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