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VW Jetta : Der Rucksack-Golf hat ausgedient

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Bei der Karosserie des Jetta hatten die Designer das Glück, mit einem weißen Blatt Papier anfangen zu können Bild: Hersteller

Der neue Jetta ist ein eigenständiges Auto geworden. Mit einer Länge von 4,64 Metern hat er sich nun deutlich vom Golf entfernt. In den Vereinigten Staaten war der Jetta das meistgekaufte europäische Auto. Das Europäische Modell ist aufwendiger.

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          Als der erste Jetta vorgestellt wurde, handelte er sich alsbald den Spitznamen Rucksack-Golf ein. Damit ist nun Schluss, denn der neue Jetta ist ein eigenständiges Auto geworden, das wie bisher in Mexiko vorwiegend für die Vereinigten Staaten gebaut wird. Dort war er schon bisher das meistgekaufte europäische Auto, das es über die Jahre auf fast zehn Millionen Exemplare gebracht hat. Mit einer Länge von 4,64 Metern hat sich der Neue deutlich vom Golf (4,20 Meter) entfernt.

          Die Übereinstimmung der für Deutschland gebauten und der für Amerika gedachten Autos endet beim Fahrwerk. Für dort werden "lowcost"-Bodengruppen verwendet mit der alten Verbundlenker-Hinterachse, während die deutschen Jettas die wesentlich teurere mit Doppelquerlenkern haben. Es wäre also keine so gute Idee, die wesentlich billigeren amerikanischen Jetta oder auch Passat nach Deutschland zu importieren, zumal es eine weitere Reihe von Differenzen gibt, etwa die Trommelbremsen hinten.

          Bei der Karosserie des Jetta hatten die Designer das Glück, mit einem weißen Blatt Papier anfangen zu können. Heraus kam eine elegante, gestreckte Form ohne stilistische Verirrungen, die dennoch ein echter VW ist. Dazu passt der nahezu riesige Gepäckraum mit einem Volumen von 510 Liter, der durch die geteilte, umlegbare Fondrückenlehne noch vergrößert werden kann. Es gibt drei Ausstattungsvarianten und zurzeit vier Benziner- und zwei Dieseltriebwerke, Schaltgetriebe mit fünf und sechs Gängen, dazu die beiden Doppelkupplungsgetriebe mit sechs und sieben Gängen.

          Mit einer Länge von 4,64 Metern hat sich der Neue deutlich vom Golf (4,20 Meter) entfernt

          Einstiegsmotor ist der 1.2 TSI mit 77 kW (105 PS), der mit dem dann nur 1302 Kilogramm schweren Auto sehr gut fertig wird. Dieser kleine aufgeladene Zweiventil-Vierzylinder ist ohnehin eine Klasse für sich. In der Ausführung Bluemotion braucht er im Mittel nur 5,3 Liter auf 100 Kilometer. Sparsamer sind nur die Diesel, wobei der 1.6 TDI mit 77 kW (105 PS) im Mittel auf 4,2 Liter kommt. Mit beiden Motoren ist der Jetta 190 km/h schnell, während der Zweiliter-TDI mit 103 kW (149 PS) 219 km/h schafft. Das spricht für sorgfältige Aerodynamikarbeit.

          Es gab es keine negativen Überraschungen

          Die Instrumente sitzen am traditionellen Platz und sind gut zu überblicken, zumal das Lenkrad in Länge und Höhe verstellbar ist. Auch im Innenraum haben die Stilisten alles vermieden, was nicht traditionell gewachsen ist. "Anders als andere" ist bei einem Gebrauchsgegenstand wie dem Auto absolut fehl am Platz. Die Sicht nach allen Seiten und nach hinten ist für alle Insassen gut, da man es vermied, statt großer Fensterflächen Sehschlitze einzuführen. Für alle Plätze gibt es genügend Ablagen.

          Beim ersten Probegalopp gab es keine negativen Überraschungen. Die elektromechanische Lenkung funktioniert so präzise und leichtgängig wie immer, das gilt auch für die Bremsen. Erst ein ausführlicher Test wird zeigen, ob sich irgendwo ein Pferdefuß versteckt. Wir empfanden den Zweiliter-TDI mit seinen 103 kW (140 PS) als den interessantesten Motor. Wie die anderen ist er gut gedämpft und bietet mit seinen 320 Newtonmeter bei 1750U/min genügend Kraft in allen Lebenslagen.

          Die Preisliste beginnt für die sparsamsten Ausstattung Trendline nebst 1.2 TSI mit Sechsgang-Schaltgetriebe bei 20 900 Euro und endet vorerst bei 29 950 Euro für die Ausstattung Highline, kombiniert mit dem 103-kW-TDI und Sechsgang-DSG. Wem das nicht genügt, der findet in der langen Liste der Sonderausstattungen genügend Positionen, um den Preis auf 40 000 Euro zu treiben. Vom neuen Jetta haben wir einen guten Eindruck mit nach Haus gebracht. Nun haben die Verkäufer die Aufgabe, den Jetta nicht zu stark beim Passat räubern zu lassen, sondern Kunden von anderen Marken abzuwerben.

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