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VW Gol : Der Verkaufsschlager am Zuckerhut fährt mit Alkohol

  • -Aktualisiert am

VW Golf mit drei Buchstaben: Der Gol Bild: Hersteller

Autos im Land des Fußballs und des Samba: Seit 21 Jahren ist der VW Gol Marktführer in Brasilien. Nun geht die vierte Generation des viertürigen Schrägheckwagens an den Start. Ein großes Manko: Sicherheitsdetails kosten Aufpreis.

          Diese Erfolgsstatistik liest sich eindrucksvoll - seit 25 Jahren ist der VW Gol auf dem brasilianischen Markt, seit 21 Jahren nimmt er ununterbrochen Rang eins bei den Neuzulassungen im Land des Fußballs und des Samba ein. Nun geht die vierte Generation des viertürigen Schrägheckwagens an den Start. Sehr eigenständig und doch klar der VW-Familie zuzuordnen, mit der Wahl zwischen zwei Benzinmotoren und einer landestypisch frugalen Sicherheitsausstattung aber zu einem Preis von umgerechnet 11.300 Euro.

          Auf 3,9 Meter Länge und 1,6 Meter Breite bietet der frontgetriebene Gol (portugiesisch für Tor) ein erstaunliches Raumangebot für Passagiere und Gepäck. 285 Liter passen in den Kofferraum, im Fond gibt es keinen Mangel an Knie- oder Kopffreiheit, und vorne wähnen sich die Insassen in einem deutlich größeren Automobil. Die Instrumente sind ebenso wie die Ausströmer der Lüftung mit Chromringen umkränzt, die Instrumente sind hell und tadellos ablesbar, die Bedienung gibt keine Rätsel auf.

          In Brasilien gestaltet und produziert

          Das alles klingt ganz nach europäischem Standard. Egon Feichter, Entwicklungschef von VW do Brasil, freut sich über das für die Landesverhältnisse hohe Niveau: „Der Gol ist in Brasilien gestaltet worden und wird hier in unseren Werken produziert. Und auf die Qualität achten wir nach Konzern-Standards.“ Die Fugenmaße seien von fünf auf 3,5 Millimeter verringert worden, heißt es. Freilich hat das Mutterhaus die Entwicklungsarbeiten unterstützt, in einem virtuellen Studio arbeiteten die Designer gleichzeitig in Wolfsburg und im Forschungszentrum bei São Paulo an der Form des Wagens. Das Ergebnis trägt das neue Gesicht der Marke, so wie es bereits beim Scirocco zu sehen ist. „Das zeigt, dass wir hier in Brasilien ganz vorne mit dabei sind“, sagt Feichter.

          Der VW Gol fährt in Brasilien vorneweg

          Das genauere Hinsehen deckt jedoch die kleinen, aber feinen Unterschiede zu den europäischen Brüdern auf. Es mangelt an Ablagen im Innenraum, im Gepäckabteil liegt eine eher ärmlich wirkende Matte auf nacktem Blech und über dem Notrad, die Kofferraumabdeckung macht einen sehr windigen Eindruck, und Verkleidungen darüber würden gerne weiß strahlen, sind aber grau meliert. Die Sitze bieten guten Seitenhalt, sind aber sehr weich gepolstert, was auf den oft schlechten brasilianischen Straßen für besseren Komfort sorgt, aber auf längeren Strecken den Rücken schmerzen lässt. Ganz mager gibt sich der Gol bei der Sicherheitsausstattung. ABS und Airbags kosten Aufpreis, ESP ist gar nicht im Angebot. Dieses Thema spielt - zumindest in der dominierenden Vier-Meter-Klasse, dem sogenannten A0 Segement -, allerdings auch keine Rolle am Markt. Gerade mal sechs Prozent der Kunden bestellen Airbags, mehr als 60 Prozent entscheiden sich dagegen für eine Klimaanlage.

          Mit Benzin oder Äthanol gleichermaßen betrieben

          Der Verzicht auf die teure und schwere Sicherheitsausrüstung beschert dem Gol ein sensationelles Leergewicht. Eben mal 940 Kilogramm bringt er auf die Waage, das erlaubt selbst mit der Basismotorisierung, einem 56 kW (76 PS) starken Einliter-Vierzylinder-Benziner, beachtliche Fahrleistungen. In 12,9 s beschleunigt der Wagen von 0 auf 100 km/h, 169 km/h Höchstgeschwindigkeit sind möglich. Das Spitzendrehmoment von 104 Newtonmeter wird bei 3850 Umdrehungen in der Minute erreicht. Der deutlich munterere 1,6-Liter-Benziner bringt es auf 78 kW (104 PS) und 153 Nm maximales Drehmoment bei 2500/min. Das erlaubt einen Standardsprint in 9,6 Sekunden und eine Spitze von 192 km/h.

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