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VW Eos : Schon jetzt den offenen Sommer ahnen

  • -Aktualisiert am

Futter für alle Sinne Bild: Hersteller

Es wird gefaltet, gekoppelt und geschoben: Schließt oder öffnet sich das Dach des VW Eos, so erinnert das an artistisches Theater. Eine erste Begegnung mit dem neuen Kabriolett von Volkswagen.

          3 Min.

          Mit seinem neuen Kabriolett bietet VW Futter für alle Sinne: Feinmechanik werkelt im verborgenen filigran, Hydraulikzylinder zischen sanft, und mit unglaublicher Präzision zupfen zarte Schnüre das Dachkleid in die rechte Position. Es wird gefaltet, gekoppelt und geschoben, dann liegt das portionierte Stahldach nicht auf der Ablage, sondern verschwindet im Kofferraum. In rund 25 Sekunden wandelt sich der Eos, der jüngste VW zum offenen Fahren, vom Coupe zum Cabrio. Der jetzt in Amerika vorgestellte Wagen ist 4,41 Meter lang und bietet vier Sitzplätze, rechtzeitig zum Sommer im Juli 2006 soll er auf die Straßen rollen.

          Der Eos ist kein Cabrio, das einfach auf der Basis einer geschlossenen Limousine entwickelt wurde - darauf legt man bei VW besonderen Wert. Die Karosserie ist komplett eigenständig, Gleichteile finden sich eher unter dem Blech. Fahrwerk und Elemente des Antriebsstrangs stammen vom VW Passat, die Bodengruppe bis zu den Rücksitzen liefert der Golf. Mit den Staukapazitäten dieser VW-Brüder kann der Eos konstruktionsbedingt freilich nicht mithalten. In den Kofferraum passen 380 Liter - wenn der Wagen als Coupe mit geschlossenem Stahldach auf Reisen geht. Rund 200 Liter bleiben übrig, wenn das Dach ordentlich gefaltet und geschichtet unter dem Deckel im Heck abgelegt wird.

          Schiebedach im Cabrio-Verdeck

          Die Beweglichkeit der stählernen Haube für die Bedachung des Innenraums erinnert an artistisches Theater. In fünf Teile wird es mit Hilfe von Scharnieren und Gleitschienen zerlegt. Den hohen Aufwand begründet nicht zuletzt das Schiebedach im Verdeck, das dem Eos eine Alleinstellung im Cabrio-Markt bescheren soll. Die gläserne Scheibe wird als letztes Teil beim Schließen zwischen den seitlichen Holmen und Blechflächen nach vorne ins Dach geschoben, acht Hydraulikzylinder treiben den Vorgang an. Zuletzt straffen sie über feine Hebel und Zugverbindungen die Verkleidungen rund um die C-Säulen. Das wirkt beinahe wie ein Theatervorhang, der sich nach gelungener Vorstellung rauschend schließt. Das Publikum applaudiert. Und ist nicht ohne Skepsis: Ob das immer noch funktioniert, wenn der Eos mal in dritter Hand läuft?

          In 25 Sekunden vom Coupé zum Cabrio
          In 25 Sekunden vom Coupé zum Cabrio : Bild: Hersteller

          Denn der technische Aufwand ist nicht frei von Tücken. VW hat den Verkaufsstart des Eos um einige Wochen verschoben, um die dauerhafte Funktionsfähigkeit der Öffnungsmechanik sicherzustellen. Trotz seiner bei ersten Probefahrten spürbar hohen Karosseriesteifigkeit können kleinste Verwindungen - etwa wenn der Wagen beim Parken mit nur einem Rad auf dem Randstein steht - in Verbindung mit zu hohen Fertigungstoleranzen dazu führen, daß die Führungszapfen ihre Aufnahmen am Rahmen der Windschutzscheibe nicht präzise finden. Das zusätzliche Training der Konstruktion und Produktion habe diese Toleranzen minimiert, das Eos-Dach solle auch nach weit mehr als 100000 Kilometer fehlerfrei schließen, sagt Frank Welsch, Leiter der Aufbau-Entwicklung von Cabrios und bei VW zuständig für die Spitzenmodelle Passat, Phaeton und Touareg.

          Deckel vom Dachspezialisten

          Im spanischen VW-Werk Palmela, wo der Eos gebaut wird, hat der Dachspezialist Webasto einen eigenen Zulieferbetrieb eingerichtet. Die insgesamt 90 Kilogramm schwere Konstruktion wird abseits der VW-Fertigungslinie zusammengefügt und lackiert, dann fließt sie in die Produktionslinie ein und setzt dem Eos seinen Deckel auf. Der Aufwand in der Fertigung und bei der Entwicklung hat sich dem ersten Augenschein nach gelohnt. Das Coupe-Cabrio von VW leidet nicht wie andere Viersitzer dieser Klasse unter einer weit über den Passagierraum ragenden, zu schräg stehenden Frontscheibe.

          Auf den kalifornischen Highways, dort war der Eos in den vergangenen Wochen zu letzten Erprobungsfahrten unterwegs, zeigte das Dach im geschlossenen Zustand keine akustischen Auffälligkeiten. Allerdings gilt diese Feststellung unter Vorbehalt, denn wir wollten den strengen Herren der amerikanischen Obrigkeit keinen Grund zum Einschreiten geben und beachteten das Tempolimit von 120 km/h peinlich genau. Beim offenen Fahren tost der Fahrtwind auf den hinteren Plätzen im Eos recht heftig, Fahrer und Beifahrer jedoch können bis Tempo 100 auch ohne Sturmhaube gut leben.

          Der Innenraum ist mit bemerkenswerter Eigenständigkeit gestaltet. Eine neue Oberschale des Armaturenbretts hebt den Eos klar von den anderen VW-Modellen ab, die Seitenverkleidungen mit gegenläufig geschwungenen Linien setzen den stimmigen äußeren Eindruck innen fort. Das Motorenprogramm entspricht dem des Golf, beim Verkaufsstart werden zwei Benzin-Modelle mit 110 und 147 kW (150 und 200 PS) zu Preisen von 27950 und 30200 Euro angeboten. Etwas später gesellen sich die 29950 Euro teure 2-Liter-TDI-Variante mit 103 kW (140 PS) und das Ottomotor-Basismodell mit 85 kW (115 PS) für 25950 Euro dazu. Den Einsatz des 184 kW (250 PS) starken V6-Triebwerks (35500 Euro) behält sich VW für einen späteren Zeitpunkt vor. Alle Versionen kommen serienmäßig mit manuellem Sechsganggetriebe, der V6 erhält schließlich das Direktschaltgetriebe DSG.

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