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Marktforschungsinstitut : „Abgaswerte spielen für VW-Käufer keine Rolle“

VW beteuert, bislang keinen nennenswerten Rückgang seiner Auftragseingänge verkraften zu müssen. Bild: dpa

Es ist eine der spannendsten Fragen im VW-Abgasskandal: Steuert Volkswagen in eine Absatzflaute? Ein Mainzer Marktforschungsinstitut hält dies für unwahrscheinlich.

          Steuert Volkswagen in eine Absatzflaute, oder bleiben die Aufträge stabil? Das ist neben der Höhe der Strafzahlungen die spannendste Frage in dem Skandal um manipulierte Abgaswerte. Der Konzern beteuert, bislang keinen nennenswerten Rückgang seiner Auftragseingänge verkraften zu müssen. In den Zulassungszahlen ist noch nichts Bemerkenswertes zu erkennen, aber dort schlüge sich ein Rückgang erst mit Verzögerung nieder.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Roman Becker ist sich sicher, dass dies auch so bleiben und der Auftragseingang nicht signifikant leiden wird. Der Mann ist Geschäftsführer des Mainzer Marktforschungsinstituts Forum. Er spiegelt das Verhalten von Fans aus dem Sport in die Industrie und ist auch deswegen einen Moment der Aufmerksamkeit wert, weil er früh beruhigte, als der ADAC im Jahr 2014 wegen manipulierter Abstimmung einer Leserwahl um seine Mitglieder fürchtete. Doch die waren und sind nicht an Leserwahlen über die vermeintlich besten Autos interessiert, sondern am Pannendienst. Und den kann der ADAC nach wie vor gut.

          Mit Volkswagen verhalte es sich ähnlich, meint Becker. „Alle reden vom potentiellen wirtschaftlichen Schaden, über Regressansprüche, Reparaturkosten, Rückrufaktionen. Die wirklich langfristige Bedrohung aber ist die Kundenbeziehung. Und da sehen wir Indizien, dass die Bestellzahlen zumindest mittel- und langfristig stabil bleiben“, sagt er. Knapp drei Viertel der VW-Kunden hätten eine hohe emotionale Bindung zu dem Hersteller.

          Eine solch hohe Verbundenheit resultiere aus einer empfundenen Übereinstimmung zwischen eigenen Motiven und Bedürfnissen und dem, was der Kunde von seinem Anbieter erhalte. „Im Fall von VW heißt das konkret: Viele Kunden sehen ihre Anforderungen nach Sicherheit, Zuverlässigkeit, Langlebigkeit und einem großen Händlernetz in besonderem Maße erfüllt und fühlen sich deshalb VW sehr verbunden. Diese Anforderungen sind von dem Abgasskandal nicht berührt“, sagt Becker. VW habe zwar betrogen, aber damit nicht seinen Markenkern verletzt. Anders wäre es gewesen, wenn es eine Rückrufaktion wegen technischer Mängel (wie beispielsweise bei Toyota) gegeben hätte. Dann würden sich viele Kunden verraten fühlen und abwandern.

          Wird in der Bedeutung häufig überschätzt

          Der Abgasskandal sei zudem ein Thema, das in seiner Bedeutung für die Kunden häufig überschätzt werde. Etwas für den Umweltschutz zu tun spiele als Kaufmotiv bei der Anschaffung eines Autos häufig keine Rolle. Bestenfalls kümmere sich der Kunde nach dem Kauf im Sinne einer Nachrationalisierung, etwas Gutes für die Umwelt getan zu haben, darum.

          Gefährlich werden könne VW allerdings der sinkende Wiederverkaufswert der betroffenen Fahrzeuge. „Die hohe Wertstabilität ist ein Alleinstellungsmerkmal von VW unter den Volumenherstellern und für seine Kunden sehr wichtig. Hier wird der Konzern gegensteuern müssen“, mahnt der Marktforscher.

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