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Kraftstoff : Die vielen Vorteile des Dieselmotors

  • -Aktualisiert am

Diesel hat Zukunft Bild: AP

Der Diesel muss um seinen Ruf fürchten: Mancherorts soll er aus den Innenstädten verbannt werden. Dabei schont ein Euro-6-Dieselmotor nicht nur das Klima, sondern auch den Geldbeutel.

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          Der Dieselmotor muss derzeit manchen Frontal-Angriff überstehen. Immer wieder wird über erhöhte Abgaswerte bei einzelnen Modellen berichtet. Schon werden Stimmen laut, Fahrzeuge mit Dieselmotoren ganz aus den Innenstädten zu verbannen. Ist es noch klug, überhaupt ein Dieselauto anzuschaffen?

          Wie bei jeder anderen größeren Anschaffung lohnt ein Blick auf die Fakten. Die meisten der im Internet kursierenden Messwerte sind mit Autos der Abgasstufe Euro 5 erzielt worden. Solche Autos dürfen in Europa schon seit Herbst als Neuwagen nicht mehr zugelassen werden, mittlerweile gilt die deutlich strengere Stufe Euro 6b. Der Grenzwert für Stickoxide sinkt von 180 auf 80 Milligramm je Kilometer. Deshalb hält ab der Mittelklasse aufwärts eine neue Abgasreinigungstechnik Einzug, der SCR-Katalysator. SCR steht für die „Selektive Catalytische Reduktion“. Es wird Harnstofflösung (Adblue) in den Abgasstrang eingespritzt. Aus der Lösung bildet sich Ammoniak, mit dessen Hilfe die giftigen Stickstoff-Sauerstoff-Verbindungen in unschädlichen Stickstoff und Wasser umgewandelt werden. Da der SCR-Katalysator nach einem Kaltstart zunächst auf Betriebstemperatur kommen muss, wird er in der Regel mit einen zusätzlichen Stickoxid-Speicherkatalysator kombiniert.

          Abweichungen zwischen Labor- und Straßenmessungen

          Nun emittieren Verbrennungsmotoren nicht nur Stickoxide, sondern auch andere Schadstoffe und zudem das Treibhausgas Kohlendioxid. Hier spielt der Dieselmotor seine Vorteile aus. Denn die Verbrennung des Selbstzünders ist weitaus effizienter, sprich der im Kraftstoff enthaltene Kohlenstoff wird besser genutzt – und zwar umso mehr, desto höher die Verbrennungstemperatur ausfällt. Dadurch steigen die Stickoxid-Rohemissionen. Der Zielkonflikt ist nur durch eine wirksame und mittlerweile verfügbare Abgasreinigung zu lösen. Der Verbrauchsvorteil des Diesels beträgt bis zu 30 Prozent. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die höhere Kohlenstoffdichte im Diesel einen Teil des Klimavorteils wieder verspielt. Es bleiben aber mindestens zehn Prozent geringere CO2-Emissionen. Je schwerer das Fahrzeug und je höher der Autobahnanteil, desto größer der Beitrag zum Klimaschutz.

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          Vom Umweltverbänden kaum noch als Anti-Diesel-Argument bemüht werden die Feinstaubemissionen. Mit gutem Grund: Hier hat der Diesel durch den mittlerweile flächendeckend eingebauten Partikelfilter und moderne Einspritztechnik den Benzinmotor rechts überholt. Bei Feinstaubalarm wirkt eine Euro 6-Dieselmotor reinigend auf die angesaugte Umgebungsluft. Zu den Fakten gehört auch, dass Prüfstandstests eine Reihe von Faktoren nicht berücksichtigen, die im realen Straßenverkehr nicht auftreten. Das führt nicht nur beim Kraftstoffverbrauch, sondern auch bei den Schadstoffemissionen zu Abweichungen zwischen Labor- und Straßenmessungen. Das gilt sogar dann, wenn die Geschwindigkeiten in beiden Testzyklen etwa identisch sind.

          Realitätsnahe Messverfahren

          Ein nicht unwichtiger Grund dafür liegt in der schlichten Tatsache, dass ein Auto auf der Straße nicht immer geradeaus fährt. Durch das Lenken – genauer: die Seitenführungskräfte der Reifen – sowie die Energie für Servolenkung erhöhen sich jedoch Verbrauch und Schadstoffemissionen. Gleiches gilt selbstredend für Steigungen und die Reibwerte des Fahrbahnbelags. Auch das Wetter, vor allem Außentemperatur und Wind, haben Einfluss auf das Fahrzeug und den Motorbetrieb.

          Fünf Jahre diskutierte ein Expertengremium der Europäischen Union daher über realitätsnahe Messverfahren. Vor wenigen Tagen wurde die „Real Driving Emissions“-Richtlinie verabschiedet, die Straßen-Abgastests mit einer mobilen Prüfeinrichtung vorschreibt. Von 2017 an müssen neue Autos bei der Typzulassung auch auf der Straße getestet werden, ab 2019 dann alle neu zugelassenen Fahrzeuge. Die Stickoxidemissionen auf der Straße dürfen dann maximal um den Faktor 2,1 höher sein als im Labor. Mehrere Automobilzulieferer bestätigen: Ein anspruchsvolles Ziel, aber erreichbar. Setzt sich die Vernunft durch, gibt es also keinerlei Grund, den Diesel links liegenzulassen.

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