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70 Jahre VW Käfer : Alles, nur nicht der Golf

  • -Aktualisiert am

Suche nach dem Käfer-Nachfolger: Der VW-Prototyp aus den 50er-Jahren sah noch ein bisschen aus wie ein Trabbi. Bild: Abdruck fuer Pressezwecke honora

Aus dem „Nazi-Auto“ wurde ein Welterfolg: Vor 70 Jahren wurde der VW Käfer wiedergeboren. Gegen alle Kritik wurde er zum sprichwörtlichen Motor des Wirtschaftswunders - und schließlich vom Golf abgelöst.

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          Deutschland Ende 1945. Das Land liegt danieder. Der entsetzliche Krieg ist erst ein gutes halbes Jahr vorbei. Doch in Wolfsburg denkt man schon wieder an die Zukunft. Heute vor 70 Jahren, am 27. Dezember 1945, wird in dem eigentlich zerstörten, nur sieben Jahre zuvor eröffneten Werk die Serienproduktion des VW Käfers wieder aufgenommen. In der kurzen Zeit bis Neujahr laufen 55 Einheiten dieser Buckel-Limousinen in Wolfsburg vom Band, schon im März 1946 wird der tausendste Käfer gefeiert.

          Es ist der eigentliche Beginn dieser unglaublichen Erfolgsgeschichte, die strenggenommen schon in den 30er-Jahren ihren Anfang genommen hatte. Wir alle wissen: Ferdinand Porsche hatte die Idee zu dem Wagen, Adolf Hitler hatte sich so ein Auto für „sein Volk“ gewünscht. Dass heute auf der ganzen Welt diesem „Nazi-Auto“ so viel Sympathie entgegengebracht wird, ist auch ein Verdienst der englischen Besatzungsmacht. Und - natürlich - es ist nur ein Auto, es kann nichts für die Umstände, in denen es entstand.

          Weltbestseller mit 21 Millionen verkauften Exemplaren

          Zurück in den Dezember 1945 nach Wolfsburg. Fahrgestelle für zivile Käfer gab es damals eigentlich nicht. Um in Produktion gehen zu können, mussten jene verwendet werden, die VW einst für die geländegängigen Wehrmachtskübelwagen konstruiert hatte. Zivile Käfer waren wegen des Krieges kaum gebaut worden. Wer damals vermutete, dass das triste Grau als zunächst einzig lieferbare Farbe auch die Verkaufschancen des Wagens kennzeichnete, irrte selbst wie die Briten, unter deren Regie das VW-Werk 1945 neu gegründet worden war. Eine Londoner Regierungskommission prüfte 1947 die Erfolgsaussichten des Autos und gab folgendes Urteil ab: Man könne nicht empfehlen, „dieses Fahrzeug als Beispiel für erstklassige, moderne Konstruktionsverfahren zu betrachten, die von der britischen Industrie kopiert werden sollten.“

          Diese Technikfolgenabschätzung hat sich als großer Irrtum erwiesen, der Käfer entwickelte sich rasch zum Weltbestseller und wurde bis zur Produktionseinstellung 1978 in Deutschland (bis Januar 1980 wurde das Cabriolet bei Karman in Osnabrück noch gebaut) und 2003 endgültig auch in Mexiko mehr als 21 Millionen Mal verkauft. Angesichts der fulminanten Erfolgsgeschichte formulierte Jahre später der VW-Chef Carl Hahn etwas ironisch, dass das Volkswagenwerk „die erfolgreichste Autofirma ist, die jemals von den Briten gegründet wurde“.

          Groß geworden im Zonenrandgebiet und schließlich aufgestiegen zum zeitweisen Motor des deutschen Wirtschaftswunders, hat das kleine, nur 4,07 Meter lange Auto aus der deutschen Provinz nicht nur Menschen in Fahrt gebracht. Zu Beginn genügten 25 PS aus dem 1,1-Liter Motor im Heck. Der Wagen wog 725 Kilogramm, und mehr als 110 km/h waren in der Spitze nicht drin. Der Kaufpreis betrug nach der Währungsreform 5300 Mark. Wer den Wagen fuhr, bog auch ganz persönlich in die Straße steigenden Wohlstands ein. Auf dem Erfolgsrezept des Volkswagens standen Eigenschaften, die in manchen Punkten auch auf den Fahrer zutrafen: Zuverlässigkeit, Anspruchslosigkeit, Robustheit und Wirtschaftlichkeit.

          Junggeselle, Studenten oder Unternehmer - alle liebten sie den Käfer

          Junge, dynamische Unternehmer liebten ihn. Er brachte sie verlässlich von Geschäftstermin zu Geschäftstermin. Das war keineswegs selbstverständlich für damalige Qualitätsverhältnisse. Familienväter liebten ihn. Sonntags wurde Kind und Kegel in den VW gepackt, und ab ging es ins Grüne. Nie stotterte der Motor, dafür um so mehr die Teilzahlungsraten. Polizisten liebten ihn. Der VW als Grüne Minna galt seinerzeit als hochmodernes Auto, das nur von Gangster-Limousinen größeren Kalibers abgehängt werden konnte.

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